Golf von Oman: “Jeder hat Angst vor einem Krieg”

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Mit den Spannungen am Golf von Oman sei auch das Bedürfnis nach Sicherheit im Seeverkehr gestiegen, sagte Sicherheitsberater Dimitris Maniatis der DW. Doch solange Reeder Geld verdienten, werde das Geschäft weitergehen.

Deutsche Welle: Wie haben sich die Angriffe auf die Tanker auf die Sicherheit im Persischen Golf ausgewirkt?

Dimitris Maniatis: Nach den Angriffen im Mai auf die vier Tanker im Emirat Fudschaira haben wir eine zunehmende Besorgnis der internationalen Schifffahrtsgemeinschaft über die Sicherheit ihrer Schiffe in der Region festgestellt. Nach den Zwischenfällen im Juni im Golf von Oman hat sich jedoch das Interesse der Schiffsbetreiber an der Sicherheit der Besatzungen und Schiffe verstärkt. Wir haben einen Anstieg der tatsächlichen Anfragen, die wir für die Sicherheit in dieser speziellen Region erhalten, um etwa zwölf bis 17 Prozent beobachtet.

Haben Sie eine Strategie, um mit der derzeitigen Situation umzugehen?

Wir haben einen unbewaffneten Sicherheitsdienst angedacht. Es handelt sich um drei- bis vierköpfige Teams, die die Besatzung dabei unterstützen, sich auf diese Reise vorzubereiten. Durch Schulungen beispielsweise. Wir haben gesehen, wie sich all diese Vorfälle ereignet haben und sind der Meinung, dass es sehr wirksame Maßnahmen gibt, die man zum Schutz dieser Schiffe ergreifen kann.

Welche Maßnahmen sind das?

Die Schiffe sind groß und fahren ziemlich schnell. Sie können viele verschiedene Dinge tun, um allem zu entgehen, was ankommt. Wir glauben nicht, dass die Angriffe vom 13. Juni mit Projektilen wie Raketen oder Torpedos durchgeführt wurden. Vermutlich hat sich eher jemand in der Nacht dem Schiff von hinten angenähert und einen improvisierten Sprengsatz auf den Rumpf des Schiffes gelegt.

Luftaufnahme der Straße von Hormus – für die globale Erdölversorgung ist sie von immenser Bedeutung

Wenn der Wachoffizier auf dem Schiff erkennt, dass es einen Angriff gibt, gibt es Möglichkeiten, um den Vorfall zu meiden. Beim Durchqueren der Straße von Hormus aber sind die Möglichkeiten beschränkt, weil es ein schmaler Gewässerabschnitt ist. So schaut der Kapitän nur nach vorne und achtet auf eine sichere Navigation. Wenn aber ein unbewaffnetes Sicherheitsteam an Bord ist, ist seine Aufgabe nicht die sichere Navigation des Schiffes, sondern die Sicherheit des Schiffes. Also werden sie darauf achten, worauf die Besatzung nicht achten kann.

Was genau passiert im Fall eines Angriffs?

Wenn ein Angriff identifiziert wird, dann sind die Verfahren sehr spezifisch. Das Schiff fährt auf seine maximale Betriebsgeschwindigkeit und weicht aus. Das verursacht Wellen, die es jedem, der versucht, sich dem Rumpf des Schiffes zu nähern, sehr schwierig machen. Außerdem werden alle Lichter eingeschaltet und die Feuerwehrschläuche aktiviert.

Es werden Lichtsignale auf das ankommende Schiff abgefeuert. Also wird es überhaupt nicht einfach sein. Und wenn es dem kleinen Schiff zufällig gelingt, nebenan zu kommen und etwas auf das Schiff zu legen, dann wissen wir, dass es da ist. So werden die Seestreitkräfte in der Region sofort benachrichtigt und es wird eine angemessene Reaktion geben.

Erwarten Sie, dass sich die Nachfrage angesichts der anhaltenden Spannungen in der Region hält oder sogar erhöht?

Ich glaube nicht. Was wir aus unserer langjährigen Erfahrung in dieser Branche wissen, ist, dass es bei einem Vorfall einen Anstieg des Interesses und der Besorgnis gibt, der im Laufe der Zeit nachlässt.

Wie gut sind Unternehmen wie Ihr Unternehmen für die gestiegene Nachfrage gerüstet?

Jedes Schiff, das wir schützen, ist 100-prozentig vor Schäden sicher. Das gilt aber nicht für alle Angriffe. Wenn wir von staatlichen Akteuren und einem plötzlichen Angriff auf die Iraner oder die Saudis oder die Amerikaner sprechen, von jedem, der die Straße von Hormus aus geopolitischen Gründen schließen will, können wir nur sehr wenig tun. Wir sind keine Armee, sondern nur ein privates Unternehmen für maritime Sicherheit. So kann ein Vier-Mann-Team nicht gegen eine organisierte taktische Truppe wie zum Beispiel die iranische Revolutionsgarde kämpfen.

Ein unbewaffnetes Sicherheitsteam an Bord kann das Schiff vor Angreifer beschützen, so der Sicherheitsberater

Worüber machen sich die Reedereien am meisten Sorgen?

Es ist die Art von Angriff, die wir am 13. Juni sahen, als jemand Sprengstoff auf die Seite dieses Schiffes legte. Und natürlich hat jeder Angst vor einem Krieg oder militärischen Operationen, die sich beispielsweise gegen den Iran richten und den Handel in der Region und weltweit stark beeinträchtigen würden.

Erwägen Sie, sich aus der Region zurückzuziehen? Ist das angesichts ihrer langfristigen Verträge mit Kunden überhaupt möglich?

Das ist eine komplizierte Angelegenheit. Es hängt von der Risikobereitschaft der unterschiedlichen Betreiber ab. Der Heidmar-Tankerpool, der prestigeträchtigste Tankerpool der Welt, hat nach dem 13. Juni praktisch jedes zum Pool gehörende Schiff davon abgehalten, in den Persischen Golf zu fahren, bis die Risikoanalyse abgeschlossen ist. Und das ist ein sehr professioneller Ansatz.

Andere Unternehmen haben den Betrieb aus dem Persischen Golf ganz eingestellt. Auch viele in Singapur ansässige Verwaltungsgesellschaften ihren Betrieb in Fudschaira vollständig eingestellt.

Nun, wegen dieser Vorfälle wurden der Golf von Oman und der gesamte Persische Golf als Hochrisikogebiet bezeichnet, nicht wegen der Piraterie, sondern wegen der Aggression von staatlichen Akteuren. Das bedeutet, dass für jedes einzelne Schiff, das in den Persischen Golf fährt, zusätzliche Versicherungsprämien anfallen.

Reeder sind Geschäftsleute und ihr Zweck ist es, Geld zu verdienen. Wenn ihre Bewertung zu dem Schluss kommt, dass eine Reise riskant, aber gleichzeitig lukrativ ist, werden sie weitermachen. Sie wissen, dass diese Branche nicht vor Gefahren zurückschreckt. Im Gegenteil, es wird dorthin gehen, wo es gefährlich ist, weil es mehr kostet.

Was bedeutet diese erhöhte Nachfrage für die Kosten der Einstellung von Sicherheitspersonal? Haben Sie Ihre Preise erhöht?

Ich kann nur für meine Firma sprechen und nicht für die anderen. Unser Grundgedanke ist der Schutz des menschlichen Lebens auf See. Wir kommen ursprünglich von der griechischen Marine. Alle unsere Mitarbeiter auf dem Wasser sind größtenteils ehemalige Militärs, und der Verhaltenskodex, den wir in der Firma haben, schützt das Leben auf See, dann das Schiff und dann die Ladung. Wir wollen nicht von dieser unglücklichen Situation profitieren, in der sich die Branche befindet. Wir werden den gleichen Geldbetrag verlangen, den wir im vergangenen Jahr oder am 1. Mai vor den Anschlägen berechnet haben. Wir erheben keine zusätzlichen Gebühren, nur weil sich das Risiko vergrößert.

Dimitris Maniatis ist Geschäftsführer des maritimen Sicherheitsunternehmens Diaplous Maritime Services.

Das Gespräch führte Ashutosh Pandey.