“Wir wollen beim FIFA eNations Cup unser Topniveau abrufen”

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Die deutschen FIFA-eSport-Meister, Michael “MegaBit” Bittner und Mohammed “MoAuba” Harkous sind für den FIFA eNations Cup in London nominiert. Im DW-Interview sprechen die beiden über ihre Ziele und Herausforderungen.

DW: Nach dem Gewinn des Meistertitels mit Werder Bremen im März hattet ihr nicht viel Zeit durchzuatmen. Wie bereitet ihr euch auf den FIFA eNations Cup in London vor? Habt ihr auch zusammen trainiert?

Mohammed “MoAuba” Harkous: Wir haben an sich momentan gar keinen richtigen Trainingsplan, weil wir so viele Turniere spielen – aktuell jede Woche eines. Das heißt, man ist immer in der Vorbereitung für das nächste Turnier. Wir hatten natürlich in dieser Woche ein extra Trainingslager mit unserem Coach und einigen anderen Nationalspielern als Vorbereitung für den FIFA eNations Cup. Wir haben in dieser Zeit fast ausschließlich Zwei-gegen-Zwei trainiert, weil wir davor wenig zusammengespielt haben. 

Michael “MegaBit” Bittner: Zur Vorbereitung auf den eNations Cup ist es natürlich sinnvoll, zusammen zu trainieren. Gerade auch, weil es den Zwei-gegen-Zwei-Modus noch nicht so oft gibt in der FIFA-Szene. Eins-gegen-Eins trainieren wir weniger zusammen, weil wir da ja auf unterschiedlichen Konsolen spielen. Da trainieren wir dann gegen andere internationale Profis. Die letzten Turniere waren auch alle Eins-gegen-Eins-Wettkämpfe, deswegen sind wir hier eigentlich schon perfekt vorbereitet. Und Auftakt des Trainingslagers war dann in der vergangenen Woche der Foot Champions Cup in London, bei dem wir eine gute Leistung abgerufen haben. Zwei-gegen-Zwei haben wir jetzt auch noch trainiert, und wir gehen mit einem guten Gefühl in das Wochenende in London.

Wie kann man sich die Betreuung durch den DFB vorstellen? Seid ihr, ähnlich wie die Fußballer, zu Zeiten, in denen ihr als Nationalspieler im Einsatz seid, mit einem vom DFB gestellten Team unterwegs oder ist die Trennung zwischen Klub und Nationalteam im eSport nicht so strikt?

MegaBit: Im eSport sind die Teams einfach deutlich kleiner. Wir haben jetzt bei Werder beispielsweise einen Hauptverantwortlichen für das eSport-Team. Beim DFB sind es aktuell insgesamt vier Leute. Das kann man mit der Nationalmannschaft im Fußball nicht vergleichen. Wir haben ja beispielsweise noch gar keinen eigenen Klub- oder Bundestrainer. Das entwickelt sich ja aktuell gerade erst und steckt noch in den Kinderschuhen. Ich glaube in ein paar Jahren werden die Teams dann sicherlich größer sein und somit auch die Parallelen zur Struktur im Fußball.

Wird vor den eSport-Länderspielen eigentlich die Nationalhymne gesungen?

MoAuba: Das wissen wir noch gar nicht. Aber ich denke schon, dass das passieren wird. Wahrscheinlich aber eher am zweiten Tag, wenn die Gruppenphase vorbei ist und nur noch weniger Teams dabei sind. Dann würde das schon Sinn machen.

Mohammed “MoAuba” Harkous beim FIFA eWorld Cup Grand Final 2018 in London

MegaBit: Da am Samstag Gruppenspiele auch parallel laufen, kann ich mir nicht vorstellen, dass dann schon Hymnen gespielt werden. Vor dem Turnier werden die einzelnen Teams vorgestellt. Es würde viel zu lange dauern, jede einzelne Hymne zu spielen. Ich kann mir auch vorstellen, dass es dann am Sonntag in der entscheidenden Turnierphase gemacht wird.

Neben den eigenen sportlichen Zielen, die ihr verfolgt und ja auch schon realisiert habt: Fühlt ihr euch als Pioniere des FIFA eSport auf einer Mission für mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz für euren Sport?

MoAuba: Wir werden natürlich oft nach unserer Rolle im eSport gefragt, machen aber in erster Linie unser Ding. Ich glaube schon, dass die Akzeptanz stetig steigt, aber es ist nicht unser erklärtes Ziel, darauf hinzuwirken.

MegaBit: Im Idealfall ist es eine Mischung aus beidem. Während der Turniere sind wir ausschließlich auf uns fokussiert und darauf, unsere beste Leistung abzurufen. Gleichzeitig haben wir aber natürlich auch, wenn wir Deutschland vertreten, eine Vorbild- und Vorreiterrolle für den eSport inne. Dessen sind wir uns natürlich auch bewusst.

Wie bewertet ihr eure Chancen in London? Gibt es sogar Titelambitionen oder geht ihr völlig ohne Erwartungshaltung und Ziel in das Turnier?

MoAuba: Unsere Erwartung an uns selber ist erstmal, dass wir unser Topniveau abrufen. Dass man trotz Topleistung auch mal mit Pech verlieren kann, ist uns bewusst. Aber klar ist auch: Wenn wir unsere Leistung im Zwei-gegen-Zwei bringen, kann es weit gehen. Dazu gehört aber auch immer ein wenig Glück.

MegaBit: Den Titel haben wir schon im Blick. Aber wir müssen von Runde zu Runde unser Topniveau abrufen, das ist wie im Fußball auch. Gerade bei so vielen Topspielern, die in London vertreten sind, kannst du mit einer Leistung, die nur bei 99 Prozent liegt, genauso gut in der ersten Runde rausfliegen. Von daher konzentrieren wir uns nur auf die einzelne Runde, nie auf das ganze Turnier.

Mohammed “MoAuba” Harkous (22 Jahre alt) wird den Deutschen Fußball-Bund in London an der Playstation vertreten, Michael “MegaBit” Bittner (20) an der Xbox. Die beiden, die mit Werder Bremen Anfang März die erste deutsche Klub-Meisterschaft perfekt machten, mischen schon länger an der FIFA-Weltspitze mit. Beim FIFA eNations Cup in London, der virtuellen Team-Weltmeisterschaft in der Fußballsimulation FIFA 19, geht am Wochenende erstmals überhaupt eine deutsche eNationalmannschaft an den Start.

Das Interview führte David Vorholt.