Kommentar: Der Schachsport stagniert – trotz Magnus Carlsen

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Magnus Carlsen ist weiter Weltmeister in der traditionsreichen Denksportart Schach. Aber die WM in London zeigt auch, dass in der Schachwelt längst nicht alles in Ordnung ist. Ein Kommentar von Holger Hank.

Für viele Schachfans war diese WM eine Enttäuschung. Zwölfmal traten Magnus Carlsen und Fabiano Caruana gegeneinander an. Zwölfmal war das Ergebnis dasselbe: Remis. Zwar gehört das Unentschieden zum Schach wie König und Dame – und wenn zwei fast perfekt spielende Gegner gegeneinander antreten, dann ist die Punkteteilung das logische Resultat. Doch zwölf Remis in Serie sind auch für die treuesten Anhänger des königlichen Sports eine Prüfung. Fabiano Caruana hat immerhin bewiesen, dass er auf Augenhöhe mit dem Superstar aus Norwegen spielt, aber – aktuell zumindest – auch nicht besser. Der in London oft ausgelaugt wirkende Carlsen weiß jetzt, dass seine Konkurrenten – Caruana als primus inter pares – inzwischen mithalten können.

Zu wenig Risiko

Apropos Magnus Carlsen. Er hat mit seiner zuweilen seltsam passiven Spielweise – vor allem mit den weißen Steinen – die Fans in die London geradezu verärgert. Und selbst als er besser stand, reichte er noch die Hand zum Unentschieden – nur weil er hoffte, im Schnellschach mit weniger Risiko den Titel sichern zu können. Eine ultra-pragmatische Entscheidung, die die Funktionäre jetzt aufschrecken wird. Denn auch der “Slow Sport” Schach ist nur interessant, wenn es hin und wieder einen Sieger gibt. Der WM-Modus sollte daher überdacht werden. Statt nur zwölf Partien, könnte man 16 oder mehr Partien spielen – dann könnten die Spieler ein größeres Risiko eingehen. Mehr Schnellschach zu spielen im WM-Finale, ist eine andere Option.

Chance Internet

DW-Redakteur Holger Hank: “Schach ist derzeit nicht gut aufgestellt – trotz Carlsen”

Dass Magnus Carlson seinen Herausforderer Fabiano Caruana am Ende noch einmal niederringen konnte, dürfte die Schach-Funktionäre auf jeden Fall freuen. Denn seit der telegene Norweger dabei ist, stößt die traditionsreiche Denksportart Schach weltweit wieder auf großes Interesse. Der Sport boomt derzeit vor allem in Indien und den USA. Die WM in London hat aber auch gezeigt, dass der Weltschachbund FIDE diese Chance nicht nutzt. Insbesondere im Internet lässt sich der erklärungsbedürftige Schachsport gut übertragen. Auf der bei Computerspiel-Fans beliebten Plattform “Twitch” brach die Schach-WM alle Rekorde. Doch die FIDE hatte auch bei dieser WM (wie vor zwei Jahren) Schwierigkeiten, die eigene Online-Übertragung ihres Premium-Produkts zu organisieren. Immer wieder technische Probleme und der Dauerstreit um die Urheberrechte an der Live-Weitergabe der Züge – professionelles Medien-Marketing geht anders. Zudem gab es in London viel zu wenig Platz für die Zuschauer.

Insgesamt ist der Schachsport trotz des Aushängeschilds Magnus Carlsen derzeit nicht gut aufgestellt, um sich als Nischensport für kluge Köpfe zu entwickeln. Interesse ist vorhanden – das hat auch diese WM wieder bewiesen. Der neu gewählte Präsident des Weltschachbundes FIDE, der Russe Arkadi Dworkowitsch, hat jetzt alle Hände voll zu tun. Professionalität und Transparenz sind dabei nötig – damit Schach auch noch interessant ist, wenn einmal der Tag kommt, an dem Magnus Carlsen nicht mehr Weltmeister ist. 


  • Der große Schach-Showdown: Carlsen gegen Caruana

    Der Weltmeister betritt die Bühne

    Alle Augen auf Magnus Carlsen: Der norwegische Titelverteidiger betritt die Bühne und wirkt konzentriert. Vor dem entscheidenden Duell mit Herausforderer Fabiano Caruana erwartet ihn eine Fotografen-Meute.


  • Der große Schach-Showdown: Carlsen gegen Caruana

    Das große Kräftemessen

    Das Duell Carlsen-Caruana geht in die Verlängerung: Nachdem die Kontrahenten zwölfmal Remis gespielt haben, fällt die Entscheidung im Stichkampf. Quasi ein Elfmeterschießen im Schach. Die Spieler mobilisieren die letzten Reserven.


  • Der große Schach-Showdown: Carlsen gegen Caruana

    Die paradoxe Disziplin

    Schnellschach ist eine komplexe Disziplin: Man muss wohlüberlegt, aber dennoch schnell vorgehen. Eigentlich ein Widerspruch, doch die Großmeister beherrschen diesen Spagat. Rasch ziehen und dennoch keine Fehler machen lautet die Devise.


  • Der große Schach-Showdown: Carlsen gegen Caruana

    Gedankenschnell oder Bauchmensch?

    Magnus Carlsen gilt als Genie. Aber was genau ist sein Erfolgsgeheimnis? Denkt er einfach nur schneller als andere? Hat er für jede Situation eine taktische Variante im Kopf “abgespeichert”? Oder hat er eine außergewöhnliche Spiel-Intuition und handelt aus dem Bauch heraus? Nur er selbst kennt wohl die Antwort.


  • Der große Schach-Showdown: Carlsen gegen Caruana

    Carlsen eiskalt

    In einer umkämpften ersten von insgesamt vier Runden behält der Weltmeister die Nerven. Magnus Carlsen setzt Fabiano Caruana immer wieder zu, zwingt ihn in die Defensive. Und am Ende steht die Führung: 1:0 für Carlsen.


  • Der große Schach-Showdown: Carlsen gegen Caruana

    Eine Welt in Schwarz-weiß

    Alles um das Schachbrett herum verliert an Bedeutung: Es zählt nur Schwarz gegen weiß. Und auch in der zweiten Partie ist Carlsen Herrscher dieser Welt. Wie eine Schlinge zieht sich sein Spiel um Gegner Caruana zu. Das 2:0 ist die logische Konsequenz.


  • Der große Schach-Showdown: Carlsen gegen Caruana

    In der Sackgasse

    Fabiano Caruana ist für seinen Variantenreichtum bekannt. Sein Spiel ist teilweise aggressiv – nur auf dem Brett, wohlgemerkt. Doch in diesem Tiebreak stößt er an seine Grenzen: Denn Carlsen verteidigt clever und steht sehr solide.


  • Der große Schach-Showdown: Carlsen gegen Caruana

    Das Spiel ist aus!

    Magnus Carlsen lässt nichts mehr anbrennen: Auch in der dritten Runde kann Fabiano Caruana den Titelverteidiger nicht gefährden. Rund eine Stunde duellieren sich die beiden, doch Carlsen ist an diesem Tag nicht zu schlagen – 3:0! Der Norweger bleibt Weltmeister. Und das verdient.

    Autorin/Autor: Joscha Weber