Taugt FIFA eWorld Cup zum Zuschauersport?

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Millionen Menschen weltweit verfolgen nicht nur das Videospielturnier, Millionen Menschen weltweit nehmen sogar daran teil. Trotzdem ist FIFA immer noch weit weg vom Prestige, Preisgeld und Massen der eSport-Giganten.

Während in London am Mittag die Hitze langsam unerträglich wird, tummeln sich kleine Gruppen von Menschen außerhalb der O2-Arena, einem riesigen Veranstaltungsort mit 20.000 Plätzen am Ufer der Themse. Viele dieser Leute tragen Fußballshirts: Borussia Dortmund, Barcelona, Arsenal, Manchester United und sogar der deutsche Zweitligist Paderborn ist vertreten. Das Trikot, das am häufigsten zu sehen ist, gehört jedoch zu keinem Verein oder einer Nation. Es trägt das Abzeichen des Videoherstellers EA Sports, der die immens beliebte FIFA-Serie herstellt.

“Ich liebe den Fußball und den eSport FIFA”, sagt Craig Jones, der eine vierstündige Fahrt auf sich genommen hat, um beim Finaltag des FIFA eWorld Cup am Samstag dabei zu sein. “Ich schaue eine Menge von beidem, online und manchmal live.” Während einige der großen FIFA-Spieler, die es nach London schafften, “echte” Vereine wie Manchester City, Werder Bremen und PSV Eindhoven vertreten, sind die Ähnlichkeiten mit dem traditionellen Fußball nicht so groß, wie es der erste Eindruck vermuten lässt.

“Du willst die besten Leute sehen”

Als die Fans beginnen, in einem etwas kleineren Bereich der Arena zu ihren Sitzen zu wandern, ist die Atmosphäre ruhig und fast gänzlich ohne die Anspannung, die normalerweise kurz vor Anpfiff im Fußballstadion zu spüren ist. “Ich denke, es ist wie überall sonst auch”, meint Craig, der wie die meisten Fans weit unter 30 Jahre alt ist. “Wenn du etwas magst, dann willst du die Leute sehen, die am besten darin sind, ihr Ding im größten Maßstab zu machen. Das erwarte ich heute.”

Der Samstag ist der Höhepunkt eines Events, das mit 20 Millionen Spielern begann, die davon träumten, den ersten Platz und ein Preisgeld von 215.000 Euro zu gewinnen. In den vergangenen drei Tagen wurden die besten 32 Spieler, die es durch das riesige Feld geschafft haben, auf vier reduziert.

Während der Gruppenphase spielen mehrere Spieler gleichzeitig

Als Kurt Fenech (Kurt0411) aus Malta und Mosaad Aldossary (Msdossary, Foto oben) aus Saudi-Arabien das erste Halbfinale erreichen, sind die Tribünen noch halb leer. Aber im Laufe des Spiels wird es etwas voller. Jedes Tor von Aldossarys dominantem 8:3-Gesamtsieg wird vor allem aus der Ecke saudischer Fans lautstark bejubelt, während Fenech darum kämpft, seine Frustration über das Ausscheiden so nah am großen Geldpreis zu kontrollieren.

Einige Kommentatoren analysieren die Aktionen, während die Spiele (eines auf der Playstation, eines auf der Xbox) auf eine großen Leinwand projiziert werden. Im Laufe des Tages wird die Stimmung besser und die Plätze beginnen sich zu füllen. Der Belgier Stefano Pinna (StefanoPinna) schlägt Marcus Jorgenson (Marcuzo) von Manchester City mit 4:3 und sichert sich so nach einem harten Wettkampf seinen Platz im Finale.

“Seine Defensive ist überragend”

Kurz vor dem Endspiel ist die Arena voll besetzt mit etwa 3.000 Zuschauern. Richtig Stimmung kommt jedoch erst auf, als Aldossary, der den deutschen Titelfavoriten Michael Bittner (MegaBit) im Viertelfinale mit 9:4 besiegt hatte, in der ersten Halbzeit verdient gegen Pinna in Führung geht. Der saudische Spieler wirkt während der ganzen Partie extrem gelassen und scheint nie besorgt um den Sieg zu sein. Am Ende gewinnt er verdient mit 4:0-Erfolg. Noch einmal wird es laut in der Halle, als er die neu gestaltete Trophäe zur Freude einiger mitgereister Familienmitglieder in der ersten Reihe in die Höhe reckt. 

Die Trophäe

“Er spielt in der Defensive einfach überragend. So kassiert er immer ein Tor weniger als andere Profis”, erklärt der Deutsche Bittner den Erfolg von Aldossary gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Hunderttausende sahen nicht nur in der Arena, sondern auch auf verschiedenen Kanälen rund um den Globus zu, während Millionen von FIFA-Spielern im Laufe eines Jahres gegeneinander antraten.

Trotz der Popularität des Fußballs und der Unterstützung durch die Regierung ist der FIFA eWorld Cup ein relativ kleiner Fisch in der eSport-Welt. Das hat mehrere Gründe: Zum einem befindet sich das Spiel FIFA noch in den Kinderschuhen und wird von den meisten Gamern als “Casual”-Spiel wahrgenommen. Zudem erheben Teile der Community den Vorwurf, dass man im beliebten Spiemodus “Ultimate Team” sich den Erfolg mit Echtgeld erkaufen könne. Somit ist es noch immer weit weg vom Prestige, Preisgeld und den Massen der eSport-Giganten wie League of Legends oder Counter-Strike.

In einer Podiumsdiskussion vor dem Halbfinale sagte Christian Volk, FIFA-Chef für Digitales Marketing, er sei mit dem Wachstum des Spiels im eSport-Bereich zufrieden, räumte aber ein, dass “es noch zu früh sei, um zu wissen, ob dies ein Zuschauersport werden könne”.