Shaun White – Nerven aus Eis

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Snowboard-Star Shaun White überbietet in Pyeongchang mit einer großen Show noch einmal alle. In einem spannenden Finale muss er allerdings lange zittern. Bis er im letzten Lauf seine Extraklasse beweist.

Als es geschafft war, riss Shaun White die Arme nach oben und weinte. Das Finale der Snowboarder in der Halfpipe war zur Nervenschlacht mutiert und hatte dem US-Amerikaner alles abverlangt. Der Superstar der Snowboardszene wollte unbedingt seine dritte Olympische Goldmedaille einfahren, nachdem er vor vier Jahren in Sotschi mit Platz 4 noch knapp am Podest gescheitert war. Eigentlich lief im Bokwang Snow Park alles nach Plan. Schon die Qualifikation am Dienstag hatte er mit der Traumnote von 98,50 Punkten dominiert und auch nach dem ersten Lauf im Finale schleuderte er vor Freude seinen schwarzen Helm weg und feierte die 94,25 Punkte.

Dreimaliger Olympiasieger, 100. Gold für die USA

Doch White hatte die Rechnung ohne die Konkurrenz gemacht. Im zweiten Durchgang begeisterte sein japanischer Konkurrent Ayumu Hirano die Zuschauer. Mit seinem stylischen Lauf mit zwei 1440-Grad-Sprüngen nacheinander, Sprüngen mit jeweils vierfacher Umdrehung, übernahm der Japaner die Führung. Und White zeigte Nerven. Der 31-jährige Snowboard-Millionär patzte und fiel vor dem finalen Lauf im Ranking auf Platz 2 zurück.

Der Druck war enorm, die Spannung bis auf den letzten Zuschauerplatz zu spüren. Doch als es um die Entscheidung ging, konnte White sich mit zwei Sprüngen mit vierfacher Drehung noch einmal steigern. 97,75 Punkte erhielt der Top-Favorit und verdrängte den Japaner Hirano (95,25) auf den zweiten Platz. Bronze ging an den australischen Weltmeister Scotty James (92,00). White krönte sich damit zum dritten Mal nach 2006 und 2010 zum Olympiasieger. In der Geschichte der Sportart, ist er der erste Snowboarder mit drei Olympiasiegen und das 100. Gold für die USA bei Winterspielen. 

Sinnkrise nach Sotschi

“Er hat mal wieder allen gezeigt, dass er noch da ist”, sagte der Passauer Snowboarder Johannes Höpfl. Und bezog sich damit auf die Sinnkrise, in die der aus San Diego stammende Superstar, nach dem enttäuschenden Ergebnis von Sotschi 2014 gestürzt war. White hatte das Snowboarden eine halbe Ewigkeit geprägt und immer wieder erneuert, mit seinen Tricks und seiner Prominenz.

Doch nach dem Tiefschlag von Sotschi musste auch er sich neu erfinden. Zeitweise reduzierte er seine Aktivitäten auf dem Board. Und langsam schien die Lust auf seine geliebte Sportart wieder zu kommen. Das er wieder der alte war, bewies er spätestens Anfang Januar beim Weltcup in Aspen, als er die Traumnote von 100 abräumte. In Pyeongchang krönte er jetzt seine einzigartige Karriere. 

Die übrigens noch nicht zu Ende sein soll. 2022 in Peking will er wieder dabei sein. Vielleicht auch schon 2020 in Tokio, falls Skateboarden olympisch werden sollte. Dann müsste der Kalifornier nur eben kurz das Brett wechseln.