TheA500 Mini im Test: Der Kult-Computer für Retro-Nostalgiker

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Mit dem TheA500 Mini veröffentlicht Retro Games nach dem TheVIC20 und dem TheC64 die dritte Emu-Konsole, die neben dem Amiga 500 noch weitere Modelle unterstützt. Die technische Umsetzung überzeugt in vielen Belangen, die kaum vorhandene Joystick-Unterstützung schmälert das Retro-Gefühl jedoch stark.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Der Kult-Computer für Retro-Nostalgiker
    1. Der Amiga – eine Geschichte, die beinahe anders ausgegangen wäre
    2. TheA500 Mini – Design, Verarbeitung und Inhalt
  2. 2 Technik des TheA500
    1. Kein Motorola-SoC wie im Original
    2. Mit HDMI für moderne Displays
    3. Amiga 500, 600 und 1200 werden emuliert
  3. 3 Ersteinrichtung
    1. Ausgewogene Spieleauswahl – nicht für jeden
    2. Externe Spiele möglich, aber umständlich
  4. 4 Spielen und Fazit
    1. Spielen auf dem TheA500 Mini
    2. Ohne Joystick leidet die Nostalgie
    3. Fazit

Der Amiga – eine Geschichte, die beinahe anders ausgegangen wäre

Die Entstehungsgeschichte des Amiga ist nicht minder verworren und spannend wie die des „Überbruders“, dem Commodore C64, und reicht weit in die frühen 1980er-Jahre zurück. Zu dieser Zeit versammelte sich eine Gruppe von Enthusiasten rund um den Chipdesigner Jay Miner, der erst kurz zuvor seine Stellung bei Atari aufgegeben hatte. Dort war er bis dato maßgeblich an der Entwicklung der Spielkonsole Atari VCS 2600 in Form des TIA, der bis zu 150 der damals in den Spielhallengeräten verbauten Chips auf einen einzigen Prozessor zusammenfasste, beteiligt. Auch an den Heimcomputern Atari 400 und Atari 800 wirkte er mit.

Nach seinem Ausstieg 1981 und einem Umweg über Zymos, die Chips für Herzschrittmacher fertigten, gründete er das Unternehmen „Hi-Toro“, die erst später in „Amiga“ umbenannt werden sollte. Ziel war es, mit diesem einen leistungsfähigen, aber dennoch erschwinglichen Computer sowohl für den Heimgebrauch wie auch für den Büroalltag zu kreieren, der sich durch zahlreiche Peripherie erweitern lassen würde. Um die nötigen Mittel für die Entwicklung aufbringen zu können, stellte Hi-Toro Zubehör in Form von Spielemodulen und Controllern für das VCS 2600 her. Als die Kosten für das Projekt „Lorraine“, wie der Amiga intern genannt wurde, jedoch immer höher stiegen, konnte Atari als Geldgeber gewonnen werden. Mit den erhaltenen 500.000 US-Dollar sollte die Chip-Entwicklung des Prototyps weiterfinanziert werden. Die Abmachung besaß jedoch eine kleine, aber entscheidende Randnote: Konnte die geliehene Summe nicht bis zum 30. Juni 1984 zurückbezahlt werden, würden die Chips und deren Technik in den Besitz von Atari übergehen – für das Unternehmen also ein durchaus lohnendes Geschäft. Damit das Projekt weiterlaufen konnte, wurde Amiga schließlich an Commodore verkauft und die fällige Summe am Stichtag beglichen.

Schließlich erfolgte im Jahr 1985 der Marktstart für den Amiga 1000, dem wegen des eher unklar umrissenen Anwendungsgebietes und Fehlern beim Marketing kein großer Erfolg beschienen war. Dies änderte sich erst, als Commodore 1987 die Modelle Amiga 500 und Amiga 2000 vorstellte. Ersterer sollte dabei die Nachfolge des C64 antreten und war damit eher auf Spiele und leichte Anwendungen ausgelegt, während letzterer sich an professionelle Anwender richtete.

Wer mehr über die Geschichte des Commodore Amiga erfahren möchte, dem sei die Dokumentation „Die Amiga-Story“ ans Herz gelegt, die auf YouTube und immer wieder einmal auch in der ZDF-Mediathek zu finden ist und einen deutlich tieferen Einblick in die Entstehung bietet, als es hier in dem kurzen Abschnitt möglich ist.

TheA500 Mini – Design, Verarbeitung und Inhalt

Wird der für aktuell 130 Euro UVP angebotene neue Sprössling aus dem Hause Retro Games aus seiner Verpackung entnommen, dürfte in so manchem Käufer ein „ist der niedlich“-Gefühl aufkommen. Mit seinen 21 × 14,5 cm (B × T) ist das Modell weniger als ein Viertel so groß wie sein großes Vorbild mit noch 47 × 33 cm. Dennoch sieht es dem Original zum Verwechseln ähnlich. Selbst an die Pseudo-Kühlrippen wurde gedacht, auch wenn sie auf der Unterseite etwas anders angeordnet sind als beim Original. Der größte Unterschied fällt bei dem im Gehäuse eingelassenen Schriftzug auf, der beim Commodore-Rechner noch die Bezeichnung „AMIGA“ beinhaltete und vermutlich aus Lizenzgründen bei der Mini-Version in „TheA500“ geändert wurde. Auch das darunter angebrachte Logo und der Schriftzug „Commodore A500“ entfallen und wurden durch das Logo des Mini ersetzt. Die darunter platzierten LED-Leuchten verleihen der neuen Version wiederum den Flair des Originals. So begrüßt die Power-LED den Nutzer nach dem Einschalten im gefühlt gleichen Rot wie bei der Erstauflage des Amiga 500.

TheA500 Mini im Test

Bei der Tastatur handelt es sich wie bereits bei der Mini-Ausgabe des TheC64 um eine Attrappe – keine der Minitasten besitzt eine Funktion. Dies entspricht der US-amerikanischen Variante mit QWERTY-Layout. In Deutschland wurden entsprechende Geräte mit Umlauten, also in QWERTZ-Anordnung, verkauft. Es kann jedoch eine Tastatur an den TheA500 angeschlossen und genutzt werden.

Weniger Anschlüsse

Auf der rechten Gehäuseseite ist das Diskettenlaufwerk angedeutet, das alleine der Größe geschuldet ebenfalls keine Funktion beinhaltet. Dennoch wäre es interessant gewesen, wenn der Hersteller die Möglichkeit genutzt und an dessen Stelle einen Slot für Speicherkarten im SD-Format eingebaut hätte, um die USB-Anschlüsse zu entlasten. Von diesen sind drei Stück vorhanden, die sich allesamt auf der Rückseite des Mini befinden. Darüber lässt sich externe Peripherie wie das beiliegende Gamepad oder die sich ebenfalls im Set befindliche Tank-Maus anschließen. Letztere ist die der „Freundin“ zwar nachempfunden, fällt aber ebenfalls kleiner aus und ist zudem nicht mehr mit einer Kugel, sondern mit einem optischen Sensor zur Bewegungserkennung ausgestattet.

Dem angedeutete Diskettenlaufwerk hätte ein Kartenslot gut zu Gesicht gestanden

Wer den TheC64 Mini oder den größeren TheC64 (Test) mit funktionierender Tastatur sein Eigen nennt, kann auch den Nachbau des klassischen Competition Pro oder eigene Controller anschließen. Dabei sollen die meisten Eingabegeräte anderer Hersteller ebenso funktionieren, lediglich bei der Xbox One soll es zu Problemen kommen. Aus Ermangelung eines entsprechenden Pads kann hierzu keine nähere Auskunft gegeben werden.

Zum Sortiment gehört eine Nachbildung der Tank-Maus und ein Gamepad

Die Rückseite beherbergt ebenso den Einschalter und den USB-Stromanschluss. Während der Hersteller beim TheC64 noch auf einen Anschluss im Micro-Formfaktor setzte, kommt beim neuen Vertreter USB-C zum Einsatz. Ein entsprechendes Kabel liegt dem Set zwar bei, für ein Netzteil muss der Nutzer jedoch selbst sorgen – 5 V und 1 A sollen laut Hersteller ausreichend sein. Für den Anschluss an einen Monitor oder an ein TV-Gerät darf natürlich auch die HDMI-Schnittstelle samt Kabel nicht fehlen. Einen separaten Audio-Ausgang besitzt der TheA500 Mini nicht, was unter Umständen zu Problemen führen kann. Dazu ebenso später mehr.

TheA500 Mini bietet als Anschlüsse 3 × USB- und einmal HDMI

Gamepad-Abweichung

Dem kundigen Retro-Fan wird der von Retro Games einfach als „TheGamepad“ betitelte Controller aufgefallen sein, der seinerzeit jedoch weder dem Amiga 500 noch den ebenfalls emulierten Amiga 600 und Amiga 1200 beilag, sondern in einem ähnlichen Design zum CD³² von Commodore gehörte. Diese vielversprechende Konsole, die aber aufgrund des sich zum damaligen Zeitpunkts bereits abzeichnenden Niedergangs von Commodore und des daher kaum erfolgten Marketings mit einem kurzen Leben beschienen war, basierte wiederum auf dem Amiga 1200, womit sich ein eventueller Kreis schließt. Warum dem Set allerdings ein solcher Controller und kein Joystick beiliegt, wird an späterer Stelle geklärt.