Luca-App: Der Nutzen für Gesund­heitsämter bleibt gering

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Mit einem neuen Geschäftsmodell will der Luca-App-Betreiber Cultur4Life die Bundesländer vom weiteren Einsatz der App überzeugen. Doch mit Berlin kündigte nun das nächste an, den Vertrag nicht zu verlängern. Zu gering ist der Nutzen der App, wie eine aktuelle Recherche des Spiegels nochmals verdeutlicht.

Inwieweit die rund 380 Gesundheitsämter in Deutschland von der Luca-App profitieren, hat der Spiegel jeweils bei den Ämtern abgefragt. Rund die Hälfte antwortete, das Ergebnis ist ernüchternd. 54 forderten demnach nicht ein einziges Mal Luca-Daten an, obwohl dies möglich gewesen wäre. Von 121 Behörden liegen dem Spiegel detaillierte Angaben vor. Den Antworten zufolge wurden in rund 1.000 Fällen Luca-Daten angefordert, die knapp 280 Fällen halfen, die Infektionsketten nachzuverfolgen. In diesen Regionen wurden allerdings allein von Mai bis November rund 390.00 Neuinfektionen registriert.

Hilfe in überschaubarer Fallzahl

Regional besteht ohnehin ein großer Unterschied. In Baden-Württemberg werden Luca-Daten kaum noch verwendet, berichtete zuletzt auch der SWR. Am aktivsten ist derweil Hamburg, doch selbst dort sind laut den Spiegel-Zahlen die Ergebnisse mit 44 aufgedeckten Infektionen unter Kontaktpersonen überschaubar. Im Kern entspricht das aber den Berichten vom letzten Jahr.

„Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Luca-App für uns wenig Sinn macht“, sagt Eike Hennig, Sprecher der Gesundheitsämter in Sachsen-Anhalt, dem Spiegel. Demnach sind die Daten nicht genau genug, zudem passen diese nicht zum Vorgehen der Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung. Ein Problem, das auch die Informatikerin Bianca Kastl auf dem rc3 2021 in einem Vortrag über die Digitalisierung der Gesundheitsämter beschrieb. Eine ihrer Kernaussagen: Um Prozesse erfolgreich zu digitalisieren, müsse erst die Infrastruktur stehen – und dann die App kommen. Andernfalls sei es schwierig, die Daten sinnvoll zu verwenden.

Berlin und Brandenburg beenden Luca-Einsatz

Hinzu kommen die aktuell enorm hohen Fallzahlen durch die Omikronwelle, durch die die Gesundheitsämter bei der Kontaktnachverfolgung ohnehin überlastet sind. Daher will auch Berlin den Vertrag mit den Luca-App-Betreibern nicht über den März hinaus verlängern. „Wir sind politisch der Meinung, dass wir Luca in Zukunft nicht brauchen werden“, sagt der Berliner Gesundheitsstaatssekretär Thomas Götz am Donnerstag dem RBB. Von Brandenburg und Bremen wird ähnliches erwartet, ebenso hat Schleswig-Holstein die Verträge bereits gekündigt. Länder wie Hessen prüfen derzeit noch das weitere Vorgehen. Umstritten ist die App ohnehin, der Ruf litt vor allem unter den Sicherheitslücken und Schwachstellen.

Insgesamt waren es 13 Bundesländer, die die Luca-App verwendeten. Und die Betreiber werben weiterhin für den Einsatz. Zuletzt verkündete man in einem Blog-Beitrag, die App habe 40 Millionen Nutzer, die insgesamt an über 450.000 Standorten mehr als 330 Millionen Check-in-Vorgänge durchgeführt haben. So hätten Gesundheitsämter „in mehr als 550.000 Fällen nach einer individuellen Risikobewertung des Infektionsgeschehen vor Ort Warnungen ausgespielt“. Wie der Spiegel anmerkt, hat die Corona-Warn-App aber allein in diesem Januar 6,6 Millionen Warnungen versendet.

An dieser Stelle zeigt sich der Vorteil der Corona-Warn-App, die Warnungen ohne Umweg über das Gesundheitsamt versendet. Für die Vielzahl an Warnungen, die derzeit versendet werden, gibt es aber auch Kritik.

Die Luca-App-Betreiber planen derweil schon für die Zeit nach der Pandemie. Wenn die Kontaktnachverfolgung an Bedeutung verliert, will Cultur4Life die App als Service für die Gastronomie- und Veranstaltungsbranche etablieren, indem die Identitätskontrolle vereinfacht wird.