beyerdynamic M 70/M 90 Pro X im Test: Mikrofone ohne Firlefanz, dafür mit hoher Qualität

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Die Mikrofone beyerdynamic M 70 Pro X und M 90 Pro X bieten im Test eine gute Klangaufnahme und Verarbeitung. Das hat seinen Preis: 250 respektive 300 Euro ruft der Hersteller auf. Mit Störgeräuschen gehen beide unterschiedlich um, die Handhabung ist teilweise umständlich.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Mikrofone ohne Firlefanz, dafür mit hoher Qualität
    1. Design und Verarbeitung
    2. Preise, Funktionsumfang und Zubehör
    3. Technische Basis
  2. 2 Klangqualität und Fazit
    1. Sehr gute Klangqualität
    2. Fazit

Design und Verarbeitung

Sowohl beim M 70 Pro X wie auch bei seinem großen Bruder M 90 Pro X ist die Handschrift vom Kopfhörer- und Mikrofonspezialisten beyerdynamic sofort erkennbar, denn bei den beiden neuen Klangaufnehmern treffen wie gehabt hochwertige Materialien auf eine hohe Verarbeitungsqualität ohne jeden Schnörkel. LED-Lichtspiele, die besonders bei Videos einen „modernen“ Eindruck erwecken und dabei jedoch meist doch nur durchschnittliche Technik überstrahlen sollen, werden hier vergeblich gesucht.

Das M 70 Pro X und M 90 Pro X von beyerdynamic

Für den schlichten und dennoch professionellen Eindruck sorgt nicht zuletzt das komplett in Schwarz gehaltene matte Aluminiumgehäuse, was beiden Mikrofonen zwar eine gewisse Kühle verleiht, sie aber ebenso sehr stabil und robust macht. Das verwendete graue Metallgewebe setzt sich dabei gut vom Rest ab, ohne zu dominant zu wirken. Während andere Hersteller durch große Aufdrucke werbewirksam zeigen müssen, von wem das jeweilige Mikrofon hergestellt ist (damit es in einem Stream ja nicht übersehen wird), setzt beyerdynamic hier auf Understatement und druckt den Namen des Mikrofons nur ganz klein auf die Vorderseite und seinen Firmennamen samt Logo nur ein klein wenig größer auf die Rückseite des Produktes. Hier soll die Qualität eben für sich selbst sprechen.

Am unteren Ende des Mikrofons ist der Anschluss angebracht, bei dem der Hersteller auf das XLR-Format setzt. Damit können beide Exemplare nicht einfach an einen Rechner angeschlossen werden, sondern benötigen ein entsprechendes Audio-Interface.

Das beyerdynamic M 90 Pro X

Preise, Funktionsumfang und Zubehör

Mit einem UVP von 250 Euro für das M 70 Pro X beziehungsweise 300 Euro für das M 90 Pro X richten sich beide Klangaufnehmer nicht primär an Einsteiger im Segment Video oder Podcast, sondern vielmehr an eine bereits professionellere Zielgruppe. Für die ersten Gehversuche in dem Bereich dürften beide Mikrofone in den meisten Fällen doch zu teuer sein.

Die Einsatzmöglichkeiten der beiden Modelle sind dabei vielfältig: Angefangen bei den bereits erwähnten Sprachaufnahmen in Streams, Podcasts und Videos sowie der Vertonung letzterer, sollen sich die Klangaufnehmer auch für Gesang eignen. Das M 90 Pro X geht dabei sogar noch einen Schritt weiter, laut Hersteller ist es auch für akustische Instrumente wie Gitarre, Klavier oder sogar Streicher ebenso zu verwenden wie für Schlagzeug- oder Orchester- und Choraufnahmen.

Das M 70 Pro X von beyerdynamic

Verschiedene Ausgangspunkte

Die Arbeitsweise beider Mikrofone und somit die Zielgruppe fallen unterschiedlich aus, auf die technischen Auswirkungen wird zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingegangen. Diese Unterschiede sorgen aber auch für eine unterschiedliche äußerliche Gestaltung der beiden Vertreter. So wird beim ersten Betrachten schnell deutlich, dass das kleinere M 70 Pro X von oben besprochen werden will, während das großflächigere Drahtgitter auf der Vorderseite beim M90 Pro X schnell deutlich macht, wo hier der Schall ankommen soll. Das spiegelt sich auch in der Größe und im Gewicht wider. Während das M 70 Pro X eine Größe von 185 mm und einen Durchmesser von 52 mm bei einem Gewicht von 320 g aufweist, fallen die Werte beim M 90 Pro X mit 192 mm bei ebenfalls 52 mm Durchmesser etwas größer, das Gewicht mit 296 g dagegen etwas kleiner aus.

Beim M 90 Pro X wird von vorne gesprochen
Beim M 70 Pro X wird von oben gesprochen

Viel Zubehör, das wichtigste fehlt aber

beyerdynamic legt beiden Mikrofonen zudem eine Spinne für ein entkoppeltes Anbringen am Mikrofonständer sowie einen Popschutz und eine Tasche für den sicheren Transport bei. Die Spinne kann mittels Adapter an einen Ständer mit 3/8''- oder 5/8''-Gewinde geschraubt werden, die Handhabung der Kombination Spinne und Mikrofon ist dabei etwas umständlich konzipiert: Im Gegensatz zu vielen Lösungen anderer Hersteller werden beide Mikrofone nicht einfach durch verschiedene Mechanismen festgeklemmt, sondern in die Halterung gesteckt und von unten mit einem Ring festgeschraubt – was ein schnelles Anbringen und Lösen verhindert. Die professionelle Ausrichtung sorgt zudem dafür, dass sich Käufer selbst um ein entsprechendes Kabel kümmern müssen.

Ein Popschutz gehört ebenfalls zur Ausstattung

Eine Stummschaltfunktion lassen die Probanden vermissen. Hier muss also entweder das jeweilige Audio-Interface, Mischpult oder die verwendete Software bemüht werden – eventuell mit damit verbundenen Nebengeräuschen.

Komponenten wechselbar

beyerdynamic setzt bekanntermaßen bei seinen Produkten auf Nachhaltigkeit. Viele Produkte des Herstellers sind dafür bekannt, über viele Jahre hinweg genutzt werden zu können. Das liegt nicht selten am nutzerfreundlichen Aufbau, bei dem beyerdynamic Komponenten wie Kapsel, Platine, Stecker oder Gehäuseteile über eine lange Zeit als Ersatzteile vorhält, die bei einem Defekt schnell und einfach ausgetauscht werden können.

Technische Basis

Auch wenn beide Mikrofone ihre Abstammung von derselben Produktreihe nicht verleugnen können, setzt der Hersteller dennoch auf verschiedene Konzepte, was auch Unterschiede in der technischen Basis und daraus resultierend ebenso unterschiedliche Anwendungsszenarien nach sich zieht.

Das M 70 Pro X und M 90 Pro X werden über einen XLR-Stecker angeschlossen

So stellt das M 70 Pro X ein dynamisches Mikrofon mit einer Nieren-Charakteristik dar, das im Nahfeld einen Frequenzgang von 25 Hz bis 18 kHz bieten soll. beyerdynamic gibt zwar keinen Abstand für einen optimalen Wirkungsgrad bei Aufnahmen an, im Fernfeld, also bei einer Entfernung von rund einem Meter, soll sich der Frequenzumfang jedoch mit 40 Hz bei weiterhin 18 kHz leicht verringern.

Beim M 90 Pro X setzt beyerdynamic dagegen auf ein 34 mm großes Echtkondensatormikrofon mit Druckgradientenempfänger. Dadurch benötigt das Mikrofon im Gegensatz zum M 70 Pro X eine Phantomspannung von 20 bis 52 V – im Test funktionierte das M 90 Pro X an einem Behringer UMC204HD mit einer Phantomspeisung von 48 V tadellos. Die Nennimpedanz beläuft sich bei der kleineren Ausführung auf 350 Ohm, beim großen Bruder dagegen auf lediglich 180 Ohm.

Auch wenn der Klangaufnehmer ebenfalls eine Nieren-Charakteristik besitzt, werden von den Seiten oder von hinten kommende Signale etwas mehr aufgenommen, als es beim kleinen Bruder der Fall ist. Der vom Hersteller angegebene Frequenzumfang fällt mit 20 Hz bis 20 kHz etwas größer aus. Generell ist der Unterschied hierbei lediglich bei Instrumentenaufnahmen bemerkbar, für die Abbildung der menschlichen Stimme reichen beide aus.

Die Befestigung an der Spinne fällt beim M 70 Pro X und M 90 Pro X unhandlich aus

Verschiedene Funktionsweisen, verschiedene Ergebnisse

Durch die unterschiedlichen Technologien besitzen beide Mikrofone auch verschiedene Einsprechrichtungen: Während beim M 70 Pro X der von oben kommende Schall aufgenommen wird, muss beim M 90 Pro X direkt von vorne in den Klangaufnehmer gesprochen werden. Das erfordert ebenso ein anderes Aufstellen der beiden Modelle, was zudem einen nicht zu verkennenden Einfluss auf die jeweiligen Einsatzszenarien hat. Auch wenn bei beiden Mikrofonen die Aufnahmeeinheiten aufgehängt, damit ebenso vom Gehäuse entkoppelt und unempfindlicher gegen Körperschall sowie Plosivlaute sind, sitzt die Aufnahmeeinheit des M 90 Pro X näher an entsprechenden Störquellen.

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