Im Test vor 15 Jahren: Corsairs XMS2 Dominator für extremes CPU-Overclocking

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Mit der Dominator-Produktlinie (Test) erweiterte Corsair vor 15 Jahren das eigene RAM-Portfolio um eine Edelserie für Übertakter und Enthusiasten. Im Test konnte der Speicher selbst zwar überzeugen, die Systemzusammenstellung war allerdings heikel.

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Das GHz-Rennen gab es auch bei Arbeitsspeicher
  2. Der beste RAM bringt nichts auf einem lausigen Mainboard
  3. In der Praxis gab es keinen Vorteil
  4. Fazit

Das GHz-Rennen gab es auch bei Arbeitsspeicher

Wie AMD und Intel lieferten sich auch Speicherhersteller vor 15 Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen, wer die höchsten Taktfrequenzen erzielen konnte. Einen Tag nachdem Corsair die XMS2 Dominator getauften DDR2-Module mit Taktraten von bis zu 1.111 MHz (effektiv) vorstellte, konterte OCZ mit der Ankündigung von Exemplaren mit bis zu 1.120 MHz. Bei den Timings hatte Corsair mit CL4-4-4-12 gegenüber OCZ mit CL5-5-5-15 die Nase vorne. Für zwei Module mit jeweils 1 GByte Kapazität wurden damals mindestens 580 Euro fällig – lieferbar waren sie ab 799 Euro erhältlich.

Bild 1 von 7

Corsair Dominator

Corsair Dominator – deutlich größerer als Standard-Module

Aufbau der Dominator-Module

Corsair Dominator: Wärmeabgabe über zwei Wege

Garantierte Settings der TWIN2X2048-8888C4DF

Dominator Airflow

Dominator Airflow

Um die hohen Taktraten bei niedrigen Latenzen zu ermöglichen, musste Corsair die Spannung der DRAM-Chips von den vorgesehenen 1,8 auf 2,4 Volt anheben. Da mit hoher Spannung steigende Temperaturen einhergehen, verfügten die Dominator-Module über einen ausladenden Kühlkörper. Der Kühler nahm die Wärme nicht nur direkt von den Chips auf, sondern war mit Wärmeleitpads mit dem PCB der Speichermodule verbunden – es sollte die Abwärme zusätzlich an den Kühler abführen. Der Hersteller führte aufgrund dieser zwei Kühlwege den marketingträchtigen Namen „Dual-path Heat Exchange“ (DHX) ein. Damit war der Kühlung aber noch nicht genug getan: Corsair legte den Topmodellen ein Lüftermodul mit drei 40-mm-Lüftern bei, die über dem RAM montiert werden konnten und für ausreichend Frischluft sorgen sollten. Der Hersteller ging so weit, dass die versprochenen Taktraten und Latenzen nur beim Einsatz des Lüftermoduls garantiert wurden.

Der beste RAM bringt nichts auf einem lausigen Mainboard

Ähnlich spezifisch wie zum Einsatz des Lüftermoduls war Corsair in Bezug auf kompatible Mainboards. Der Hersteller empfahl explizit das Asus M2N32-SLI Deluxe für Athlon-64-Prozessoren und das Asus P5B Deluxe für CPUs von Intel. Im Test offenbarte sich, dass diese Empfehlungen nicht ohne Grund ausgesprochen wurden – auf einem Mainboard mit Intels High-End-Chipsatz i975x konnten nicht mehr als 1.086 MHz erreicht werden. Selbst die empfohlenen Hauptplatinen garantierten keinen einwandfreien Betrieb der Dominator-Module: Ein Asus P5B Deluxe der Redaktion konnte zuerst problemlos 1.111 MHz erreichen, nur um nach einem Übertaktungsversuch anschließend nicht mehr stabil mit der gleichen Taktrate zu arbeiten. Zudem musste auf Intel-Systemen generell der „Front Side Bus“ (FSB) übertaktet werden, um den Speichertakt erreichen zu können – der Prozessor musste das in diesem Fall erlauben.

In der Praxis gab es keinen Vorteil

Im Test vor 15 Jahren wurde der Dominator-Speicher in Kombination mit einem Intel Core 2 Extreme X6800 und einem Asus P5B Deluxe betrieben. Da es sich um ein Intel-System handelte, bedingte der Speicher die Übertaktung des FSB, um die verschiedenen Taktraten zu erreichen. In den Benchmarks spielten dementsprechend nicht nur der Speichertakt und dessen Timings, sondern auch die CPU-Frequenz eine Rolle.

Corsair Dominator

Speichertakt (MHz)
RAM-Teiler
FSB-Takt (CPU-Takt)
Timings
Spannung

800
1:1
400 MHz (2,8 GHz)
3-3-3-9
2,1 V

1.001
2:3
334 MHz (3,002 GHz)
4-4-3-12
2,0 V

1.066
2:3
355 MHz (2,842 GHz)
4-4-3-12
2,25 V

1.112
2:3
371 MHz (2,966 GHz)
4-4-3-12
2,4 V

1.125
2:3
375 MHz (3,0 GHz)
5-5-5-18
2,45 V

In den theoretischen Benchmarks konnte der Dominator bei vollem Takt zwar bessere Ergebnisse erzielen als bei niedrigeren Taktraten, in der Praxis machte sich das aber nicht bemerkbar. In Quake 3 skalierte die Leistung mit der CPU-Frequenz, aber nicht mit dem RAM-Takt. In den theoretischen Benchmarks zeigte sich zudem, dass sich das manuelle Übertakten des Dominator-Speichers nicht lohnte: Mit 1.125 MHz war die Taktrate nur marginal höher, die Timings mit CL5-5-5-18 aber so viel schlechter, dass kein Leistungsgewinn gegenüber den Standardeinstellungen übrig blieb.

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Fazit

Die ersten Module der Dominator-Serie waren einige der schnellsten DDR2-Speicherriegel, die vor 15 Jahren erhältlich waren. Mit einem Preis von nahezu 800 Euro (lieferbar) ließ sich der Hersteller das fürstlich entlohnen, die Vorteile in der Praxis waren aber verschwindend gering. Vielmehr mussten sich Anwender mit Inkompatibilitäten in puncto Mainboard und CPU auseinandersetzen, um den teuren Speicher überhaupt mit voller Geschwindigkeit betreiben zu können. Für wen der RAM tatsächlich Vorteile bot, waren vor allem Extremübertakter, die CPUs aufgrund der größeren Flexibilität beim RAM-Takt höher übertakteten und in Benchmarks wegen der minimal höheren Leistung neue Rekorde verbuchen konnten. Normale Anwender konnten ihr Geld an vielen Stellen besser investieren.

In der Kategorie „Im Test vor 15 Jahren“ wirft die Redaktion seit Juli 2017 jeden Samstag einen Blick in das Test-Archiv. Die letzten 20 Artikel, die in dieser Reihe erschienen sind, führen wir nachfolgend auf:

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