Warcraft 3 Reforged: Geld und Management für Zustand verantwortlich

0
64

Missmanagement und finanzieller Druck haben die Entwicklung des Warcraft-3-Remasters bestimmt. Das Spiel ist damit auch ein Resultat geänderter Entwicklungsbedingungen und Wertehaltungen. Die Arbeitskultur bei der Traditionsschmiede wird deutlicher von Activision beeinflusst.

Warcraft 3 Reforged (Test) hat Flecken auf dem einst blütenweißen Image von Blizzard hinterlassen. Der verbesserten Version fehlten nicht nur Features des Originals, sondern auch versprochene Bestandteile wie überarbeitete Zwischensequenzen, dazu kamen zahlreiche Bugs. Ranglisten-Matches oder ein Clan-System fehlen bis heute, das letzte Update stammt vom August 2020. Zu einem Studio, das seine Spiele traditionell lange pflegte und stetig verbesserte, passt das kaum.

Missmanagement und Kostendruck

Ein Bericht von Bloomberg macht auf Basis von Insider-Informationen einen Wandel in der Unternehmenskultur dafür verantwortlich. Teams für die Klassiker aus dem Hause Blizzard seien quasi ignoriert worden, das ursprüngliche Team hinter Reforged acht Monate nach Veröffentlichung zerstreut worden. Ressourcen würden auf „potentielle Multi-Milliarden-Dollar-Spiele“ konzentriert.

Aus dem ambitionierten Projekt, Warcraft 3 mit dem Remaster inhaltlich an World of Warcraft anzugleichen, wurde nichts. Das Team war zu klein und habe nicht genug finanzielle Mittel für das Projekt erhalten, berichtet Bloomberg, Posten habe das Team nicht besetzen können oder behelfsweise füllen müssen. Die Personalreduzierung in der internen Supportabteilung habe das Projekt zusätzlich belastet. Darüber hinaus habe das Management unrealistische Zeitvorgaben gesetzt. Auch die interne Kommunikation wird ebenso als Problem benannt wie Streitigkeiten über den Umfang und Stil des Remasters, die zu unklaren Zielvorstellungen geführt hätten. Warnungen habe Blizzard ignoriert.

Strukturell war das Projekt demnach von vorneherein stark belastet. Der Zustand bei Veröffentlichung ist laut dem Bericht aber nicht darauf zurückzuführen: Blizzard habe keine Verschiebung akzeptieren wollen, weil trotz des unfertigen Zustands Vorbestellungen angenommen worden seien. Aus Angst, diese und damit bares Geld zu verlieren, habe das Unternehmen das Spiel zum kommunizierten Termin auf den Markt geworfen und zunehmend Features gestrichen.

Eine neue Sicht

In einer Stellungnahme gegenüber Bloomberg bestätigte Blizzard lediglich eine „unklare Vorstellung“ von der Natur des Projekts und interne Kommunikationsprobleme als Ursachen für den Zustand. Das Spiel werden nun von einem neuen Team weiterentwickelt. Was davon zu erwarten ist, ließ das Unternehmen offen.

Der stete Blick auf Kosten und die Angst um Gewinne sind ein neues Merkmal für das Studio, das bislang bei jedem Projekt „when it's done“ als Zeitfenster für die Fertigstellung genannt hatte. Im Prinzip bestätigt die Episode das, was schon Ende 2018 zirkulierte: Bei den Entscheidungen von Blizzard steht weniger das Spiel und mehr die finanzielle Seite in Form von kurzfristigen Gewinnen und Quartalsberichten im Vordergrund.