“Hard to get” lohnt sich beim Dating

Die Kennenlern-Phase lebt vom Nervenkitzel der Ungewissheit. Fragt sich: Lieber rarmachen oder sich interessiert zeigen? Wer andere Personen zappeln läßt, kommt laut einer neuen Studie eher zum Dating-Erfolg.

In der Phase des Kennenlernens beim Dating gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Interesse des potentiellen Partners zu wecken. Entweder zeigt man sich offen und interessiert. Oder man macht sich rar, beantwortet Nachrichten nur knapp und unregelmäßig, gibt kaum persönliche Informationen preis, verschiebt Treffen kurzfristig. Man ist “hard to get”- schwer zu kriegen. Man bleibt für den potenziellen Partner ein Mysterium.

Diese etwas ruppige Dating-Strategie ist tatsächlich sehr erfolgreich. Den wissenschaftlichen Beweis liefert eine neue Studie der University of Rochester und des Interdisciplinary Center Herzliya in Israel.

Laut Studie wirken Menschen, die “hard to get” sind und deren Eroberung eine Herausforderung ist, sexuell anziehender, sie strahlen ein höheres Partner-Potenzial aus und man will sie einfach öfter wiedersehen.

Schwer zu erobern

Für die Studie führten die Forscher drei verschiedene Experimente durch. Die Teilnehmer dachten, sie würden dabei mit Teilnehmern des jeweils anderen Geschlechts interagieren. Tatsächlich handelte es sich aber um Insider, die zum Forschungsteam gehörten.

Experiment 1: Die Teilnehmer interagierten mit Insidern, deren Online-Profile zwei verschiedene Richtungen aufzeigten: Schwer zu erobern oder leicht zu haben. Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Teilnehmer schwer zu erobernde und wählerische Insider als wertvoller und anziehender empfanden.

“Leicht zu habende Menschen wirken vermutlich verzweifelter”, sagt Studien-Autorin und Sozial-Psychologin Gurit Birnbaum vom IDC Herzliya.

Welche Dating-Strategie ist am erfolgreichsten und wie überlebt eine Beziehung die erste Kennenlernphase?

Der Reiz der Jagd

Experiment 2: Dieses Mal saßen sich die Teilnehmer und Insider persönlich gegenüber. Sie sollten ihre persönlichen Vorlieben diskutieren (z.B. “Kuscheln Sie gerne beim Schlafen mit Ihrem Partner?”). Die Insider widersprachen den Vorlieben der Teilnehmer bewusst.

Einige Teilnehmer hatten die Anweisung erhalten, nicht locker zu lassen, bis sie die Insider von ihrer Meinung überzeugt hatten. Andere sollten nur ihre Meinung präsentieren.

Auch hier war das Ergebnis eindeutig. Die Teilnehmer, die mehr Überzeugungsarbeit geleistet hatten, um den Insider zu erobern, schätzten ihr Gegenüber als sexuell anziehender ein.

Mühe lohnt sich

Experiment 3: Abschließend durften die Teilnehmer den Insidern per Chat eine letzte Nachricht hinterlassen. Die Forscher wollten herauszufinden, ob bei den Teilnehmern romantisches oder sexuelles Interesse vorhanden war.

Die “hard to get”-Insider bekamen wesentlich öfter Komplimente oder sogar konkrete Dating-Anfragen für die Zukunft. Dies bestätigte die Forscher in ihrer Annahme, dass die Teilnehmer jene Insider wiedersehen wollten, für deren Eroberung sie bereits Zeit und Mühe investiert hatten.

“Wir wollen alle Leute daten, die ein hohes Partner-Potenzial haben. Wir versuchen den bestmöglichen Deal für uns zu machen”, sagt Harry Reis, Professor für Psychologie an der University of Rochester.

Weg vom Handy

In Zeiten von Online-Dating findet die erste Kennenlern-Phase meistens digital statt. Die ersten Informationen und Anekdoten über den potenziellen Partner erfährt man im Chat.

Laut Paartherapeut Christian Hemschemeier ist es aber wichtig, möglichst schnell vom Telefon weg zu kommen. “Am besten kommuniziert man so analog wie möglich und trifft sich bald”, sagt er.

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Im Vorfeld ewig hin und her zu texten, sei nicht förderlich, so Hemschemeier. “Man kann eine potenzielle Beziehung auch zu Tode texten. Außerdem muss man sich ja beim ersten Date noch etwas zu erzählen haben”, so der Paartherapeut.

Dating-Strategien

Sich rar zu machen ist aber bei weitem nicht die einzige Strategie, die im komplexen Spiel der Liebe angewendet wird.

Man kann die andere Person auch mit Komplimenten überschütten. Aber Vorsicht beim sogenannten “Love Bombing”: Längst nicht alle Nettigkeiten sind dabei auch erst gemeint. Und oftmals kommt nach der stürmischen Anfangsphase voller Komlimente schon bald nicht mehr viel. 

Vorsicht bei zu großen Versprechen oder übertriebenen Komplimenten

Aufpassen sollte man beim Dating aber auch, wenn es langsam ernst wird und einem der Partner eine allzu traumhafte Zukunft ausmalt. “Future Faking” wird dieser Schwindel genannt. “Da werden dann Versprechen für die Zukunft gemacht, die niemals eingehalten werden”, warnt Hemschemeier.

Ach, du bist gar kein Single?

Wenn sich zum Beispiel plötzlich herausstellt, dass der potentielle Partner gar kein Single ist, wird hastig versprochen, dass man sich bald aus der alten Beziehung löst – auch wenn das meist nicht passieren wird.

Andere versuchen es nach zwei, drei schönen gemeinsamen Treffen mit plötzlicher Kritik. “Wenn gesagt wird, dass das zweite Date schöner war und man dieses Mal nicht so zufrieden war, dann versucht das Gegenüber, den guten Eindruck vom vorherigen Treffen wiederherzustellen”, sagt Hemschemeier.

Die Balance finden

Vor allem die “hard to get”-Methode ist nicht ohne Risiko. Einige haben Angst, sich rar zu machen, weil sie glauben, den potenziellen Partner abzuschrecken. “Wenn rarmachen als Arroganz oder Desinteresse gewertet wird, dann kann es nach hinten losgehen”, sagt Harry Reis, Professor für Psychologie an der University of Rochester.

Wo also liegt die goldene Mitte? Man solle potenziellen Partnern auf jeden Fall Interesse zeigen, um sie nicht direkt abzuschrecken, aber gleichzeitig nicht zu viel von sich preisgeben, rät Psychologin Birnbaum. “Bauen Sie eine Verbindung auf, die den Wunsch erweckt, den anderen besser kennenzulernen”, sagt sie.

Natürlich gibt es nicht die ultimative Datingformel. Aber sich etwas rar zu machen, dabei trotzdem Interesse zu zeigen und sich lieber im echten Leben zu treffen als sich ewig hinter dem Handy zu verstecken, scheint eine sehr vielversprechende Strategie zu sein.


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    Autorin/Autor: Samantha Baker (jv)



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