5G Standalone: Deutsche Telekom testet reines 5G-Netz ohne LTE-Anker

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Die Deutsche Telekom testet an einem ersten Antennenstandort mit 5G Standalone, kurz 5G SA, die nächste Ausbaustufe des 5G-Netzes. Während das aktuell genutzte 5G Non-Standalone (5G NSA) noch auf das LTE-Netz angewiesen ist und einen „Anker“ im älteren Standard benötigt, ist das bei 5G SA mit 5G-SA-Kernnetz nicht mehr der Fall.

Der erste Antennenstandort für 5G SA soll in Garching nördlich von München in Kürze an ein 5G-Standalone-Kernnetz angebunden werden. Das Kernnetz werde über eine Cloud-Infrastruktur der Telekom realisiert, erklärt der Netzbetreiber. Kennzeichen von 5G Standalone sei es, dass auch die Infrastruktur im Kernnetz vollständig auf eine neue, Cloud-basierte 5G-Architektur umgerüstet wird. Ziel der Deutschen Telekom ist es, in den kommenden Wochen verschiedene Verbindungen und Anwendungen zu testen, die komplett eigenständig und ohne die Unterstützung von LTE funktionieren.

In diesem Punkt unterscheidet sich 5G SA von 5G NSA und ist Voraussetzung für neue Einsatzmöglichkeiten. Das bisher angebotene 5G NSA stellt für Anwender einen zusätzlichen Datenkanal zur Verfügung, auch eMBB (enhanced Mobile Broadband) genannt. Große Downloads oder Streaming mit sehr hoher Bitrate, etwa beim Cloud-Gaming oder 4K- und 8K-Videos, lassen sich über diesen Datenkanal im Idealfall deutlich schneller respektive zuverlässiger abwickeln. Anbieter wie die Deutsche Telekom oder Vodafone bieten im neu erworbenen Frequenzspektrum im C-Band bis zu 1 Gbit/s im Downlink.

5G SA ermöglicht Network Slicing

Alle anderen Dienste sowie die Einbuchung ins Netz erfolgen aber noch über die älteren Standards. Telefonie ist aktuell zum Beispiel maximal über LTE mit VoLTE (Voice over LTE) möglich. In einem 5G-SA-Netz würde das Telefonieren über VoNR (Voice over New Radio) abgewickelt werden. 5G SA verschiebt aber nicht nur bestehende Anwendungen in den neuen Standard, sondern erlaubt auch vollständig neue Einsatzmöglichkeiten. In erster Linie ist dabei das Network Slicing zu nennen, das ein physisches Netz in mehrere virtuelle Netze mit unterschiedlichen Anforderungen, garantierten Bandbreiten und Latenzen unterteilen kann. Die Deutsche Telekom will bisherigen Planungen zufolge bei 5G SA zum Beispiel einen IoT-Slice, einen MBB-Slice (Mobile Broadband) und einen Low-Latency-Slice anbieten. In der genannten Reihenfolge spielen Bandbreite und Latenz eine weniger wichtige bis hin zu einer sehr wichtigen Rolle.

Dass jetzt 5G SA aufgebaut und getestet wird, sieht die Deutsche Telekom als nächsten logischen Schritt, nachdem mit 5G NSA bereits 68 Prozent der Bevölkerung in Deutschland versorgt werden. „Uns ist es wichtig, auch bei den weiteren Innovationsschritten von 5G ganz vorne dabei zu sein“, sagte Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation bei der Telekom. „Die Netz-Innovation in Garching ist für uns zunächst der erste Schritt in das 5G SA-Live-Netz. Es hilft uns, notwendige und wichtige Erfahrungen mit 5G SA zu sammeln“, so Walter Goldenits, Technikchef der Telekom Deutschland.

Bisher keine Endgeräte für 5G SA

Smartphones, die bereits 5G SA unterstützen, gibt es laut Deutscher Telekom bisher nicht. Die ersten Tests führt das Unternehmen deshalb mit spezieller Entwicklungs-Software auf kommerziell verfügbaren Geräten durch. Die in den aktuellen Smartphones verbaute Hardware ist grundsätzlich aber bereits für 5G SA geeignet, etwa die Snapdragon-X55- und Snapdragon-X60-Modems von Qualcomm oder die neuesten Exynos-Modems von Samsung. Auch HiSilicon und MediaTek bieten zu 5G SA kompatible Basebands an. Letztlich bedarf es also Firmware-Updates, um diese Fähigkeiten freizuschalten. Inwiefern das künftig möglich sein wird oder ob wieder neue Endgeräte angeschafft werden müssen, wird sich erst in Zukunft zeigen.