Android 12: Developer Preview 1 für Pixel-Smartphones steht bereit

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Zu einer ähnlichen Zeit wie letztes Jahr bei Android 11 hat Google am Abend die erste Developer Preview von Android 12 für Pixel-Smartphones freigegeben. Für die Installation ist das Flashen eines Systemabbilds notwendig, die öffentliche Betaphase mit OTA-Option hat noch nicht begonnen. Kompatibel sind das Pixel 3 bis Pixel 5.

Die erste Vorschau von Android 12 richtet sich mit ihrer etwas aufwendigeren manuellen Installation eindeutig an Entwickler. Diese können Android 12 Developer Preview 1 auf dem Pixel 3, Pixel 3 XL, Pixel 3a, Pixel 3a XL, Pixel 4, Pixel 4 XL, Pixel 4a, Pixel 4a 5G und Pixel 5 installieren und die Veränderungen am Betriebssystem in Kombination mit ihren Apps testen. Wie Google erklärt, sei die heutige Veröffentlichung nur der erste Schritt auf dem Weg zur Fertigstellung von Android 12, viele weitere Neuerungen sollen im weiteren Verlauf des Betaprogramms angekündigt werden. Mit dem finalen Release von Android 12 ist im Spätsommer bis Herbst zu rechnen.

Dass es sich in erster Linie um einen Release für Entwickler (und risikoaffine Nutzer) handelt, damit diese ihre Apps testen können, zeigen auch die für das Betriebssystem vorgestellten Neuerungen, die zunächst nicht die bahnbrechenden Veränderungen etwa an der Benutzeroberfläche mitbringen, die vielleicht mit einer neuen Version erwartet wurden.

Google will Datenschutz größer schreiben

Den Fokus legt Google zunächst auf die Bereiche Vertrauen und Sicherheit. Android 12 soll dem Anwender gegenüber transparenter sein, wo welche Daten hinfließen und dies gegebenenfalls unterbinden. Die Android-Komponente WebView für die Darstellung von Web-Inhalten außerhalb des Browsers nutzt jetzt standardmäßig das ziemlich genau vor einem Jahr mit Chrome 80 eingeführte SameSite-Cookie-Verhalten, damit weniger Cookies von Drittanbietern respektive mit passenderen Attributen gesetzt werden. Google will außerdem das Tracking über eindeutig den Nutzer identifizierende und nicht von diesem veränderbare Eigenschaften des Smartphones wie etwa die MAC-Adressen unterbinden. Erstmals mit Android 11 eingeführt, betraf die Maßnahme letztes Jahr nur für das API Level 30 entwickelte Apps, ältere Apps oder explizit nicht für das neue API-Level entwickelte mussten sich nicht daran halten. Mit Android 12 greift die Tracking-Restriktion der MAC-Adressen bei allen Apps unabhängig vom API-Level.

Android 12 regelt außerdem strikter, welche Komponenten des Systems eine App außerhalb ihrer eigenen Umgebung starten kann. Das zugehörige Attribut „android:exported“ ist dabei jetzt standardmäßig so ausgelegt, dass eine Aktivität ausschließlich von Komponenten der eigenen App oder von Anwendungen mit derselben Anwender-ID ausgeführt werden können. Über die Funktion „PendingIntent“ kann bei Android einer App über eine andere App das Recht gegeben werden, dieselben Operationen auszuführen, als wäre sie diese Anwendung. Hier müssen App-Anbieter nun explizit vorab definieren, ob von diesen Attributen bei der Weitergabe abgewichen werden darf oder nicht.

Android 12 unterstützt AVIF und MPEG-H

Im Bereich Multimedia bringt Android 12 einen neuen Media-Transcoder mit, der sich vor allem an Anwendungen richtet, die nicht mit HEVC (H.265) umgehen können. Zwar sind immer mehr Smartphones mit Encodern und Decodern für HEVC ausgestattet, doch manche Apps unterstützen den Codec immer noch nicht. In diesem Fall bietet Android 12 eine automatische Konvertierung zu AVC (H.264) über den neuen Media-Transcoder an. Auf einem Pixel 4 getestet, benötigt der Transcoder für eine Minute 1080p30-Video von HEVC zu AVC 9 Sekunden. Entwickler können auf den Transcoder zugreifen, indem sie in ihrer App deklarieren, welche Medientypen diese unterstützt. Google legt Entwicklern aber dringend nahe, HEVC direkt in der App zu unterstützten.

Für Fotos erhält Android 12 Support für AVIF, was für AV1 Image File Format steht und somit AV1 für das Encoding von Fotos nutzt. AVIF liefert bei gleicher Dateigröße eine deutlich bessere Bildqualität als JPEG oder dieselbe Qualität bei deutlich reduzierter Dateigröße. AVIF wird zum Beispiel von Netflix für die Darstellung von Filmplakaten und anderen Vorschaubildern getestet und zeigt dort in einer Reihe von Vergleichen bemerkenswerte Verbesserungen. Im Audiobereich ist die Unterstützung von MPEG-H 3D Audio neu, außerdem können die Audiomixer, Resampler und Effekte jetzt mit bis zu 24 statt 8 Kanälen umgehen. Entwickler haben außerdem die Option, die Audioausgabe um Effekte über den Vibrationsmotor des Smartphones zu erweitern. In einem Rennspiel könnten zum Beispiel Rempler oder das Fahren über eine holprige Straße entsprechende Effekte passend zum Ton auslösen.

Vergleich von AVIF und JPEG bei 18,2 KB und 20,7 KB (Bild: AVIF has landed (Jake Archibald))

Android 12 bietet zudem eine neue universelle API für Rich Content, also Bilder, Videos und andere expressive Inhalte. Die neue API soll es App-Entwicklern einfacher machen, Rich Content aus beliebiger Quelle zu unterstützen, sei es über die Zwischenablage, die Tastatur oder Drag and Drop aus einer anderen App, wie es etwa bei mehreren App-Fenstern, faltbaren Smartphones oder mit mehreren Bildschirmen vorkommen kann.

Vereinfachte Gestensteuerung und schnellere Benachrichtigungen

Die Gestensteuerung des Betriebssystems hat Google mit Android 12 dahingehend überarbeitet, dass diese nun einfacher bei der Betrachtung von Inhalten mit nur einem Wisch über das Display ausgelöst werden kann. Standardmäßig schützte Android bisher bei der Vollbildansicht etwa von Videos, Büchern oder Spielen diese Apps vor der versehentlichen Bedienung mittels Wischgesten. Dieser Schutz gilt jetzt nur noch für Spiele, aus allen anderen Inhalten lässt sich mit nur noch einem Wisch navigieren.

Im Bereich Benachrichtigungen führt Android 12 eine überarbeitete Benutzeroberfläche ein, zudem will Google den Umgang mit Benachrichtigungen beschleunigen. Der Redaktion liegen zwar noch keine Bilder vor, doch die Benachrichtigungen sollen moderner werden und einfacher zu bedienen sein. Schneller sollen die Benachrichtigungen werden, indem sie beim Antippen sofort in die zugehörige App führen, anstatt zunächst andere optionale Zwischenschritte auszuführen, unabhängig davon, ob sie für den Anwender sichtbar sind oder im Hintergrund ausgeführt werden. Diese sogenannten „Trampolines“, bevor die eigentliche vom Anwender initiierte Aktivität ausgeführt wird, unterbindet Google mit Android 12, allerdings nur, sofern die App für für die neue Version entwickelt wurde. Ist das nicht der Fall, erscheint ein Toast-Hinweis, damit ersichtlich ist, dass vorher noch ein anderer Prozess ausgeführt wird.

Android 12 regelt außerdem neu, wie Vordergrund-Services ausgeführt werden können. Vordergrund-Services sind grundsätzlich alle Aktivitäten, die für den Nutzer auf Anhieb durch einen Hinweis in der Statusleiste sichtbar sind. Eine Musik-App, die Musik spielt und das in der Statusleiste signalisiert, kann zum Beispiel ein Vordergrund-Service sein. Auch eine Fitness-App, die nach der Freigabe durch den Nutzer Schritte zählt, kann ein Vordergrund-Service sein, ohne dass die App selbst in dem Sinne „offen“ ist, dass sie für den Anwender auf dem Bildschirm sichtbar ist. Werden die Vordergrund-Services vom Entwickler überbeansprucht, können sie die Leistung des Smartphones negativ beeinflussen oder gar Apps beenden. Bei Android 12 können keinen Vordergrund-Services mehr aus dem Hintergrund gestartet werden, sondern nur noch aus dem Vordergrund – jedoch erneut mit der Einschränkung, dass die App für Android 12 oder neuer entwickelt wurde. Benachrichtigungen für einen Vordergrund-Service verzögert Android 11 um 10 Sekunden, damit kurzzeitige Tasks im Hintergrund abgeschlossen werden können, ohne den Anwender mit einer Benachrichtigung zu stören.

Android 12 gibt es auch für Android TV

Das Update auf Android 12 soll eine hohe App-Kompatibilität mit sich bringen, weshalb viele der Veränderungen zunächst als Opt-in von Google umgesetzt wurden, um den Entwicklern mehr Zeit für die neue Plattform zu geben. In den Entwickler-Einstellungen des Betriebssystems lassen sich die Neuerungen aber forcieren, um deren Auswirkungen auf Apps zu testen. Entwicklern rät Google, ihre Apps zum einen für Android 12 und zum anderen für neue Geräteklassen zu optimieren. Smartphones mit großen Bildschirmen, faltbaren Displays, Fernseher und Tablets seien bei der Entwicklung mehr denn je zu beachten. Vor allem für faltbare Smartphones und Tablets sollen Anwendungen stärker als bisher optimiert werden. Für den Fernseher und Android TV bietet Google ebenfalls eine erste Vorschau von Android 12 an. App-Entwickler können diese auf dem ADT-3 Developer Kit installieren, um ihre Apps anzupassen.

Entwickler können die Neuerungen auf Wunsch forcieren (Bild: Google)

Mehr Updates mittels Project Mainline

Zu guter Letzt lagert Android 12 wieder mehr Komponenten zu Google Play aus, um diese im Rahmen des Project Mainline über diesen Weg statt System-Updates zu aktualisieren. Google kann so größere Updates über Google Play anbieten, ohne zunächst den Weg über den Smartphone-Hersteller gehen zu müssen, der wiederum jedes Update für seine vielzähligen Geräte anpassen muss. In Android 12 gehört das Android-Runtime-Modul (ART) zu den neu ausgelagerten Komponenten. Bisherige Module sollen in ihrer Funktionalität erweitert werden, darunter etwa der neue Media-Transcoder, der es demnach auch auf Smartphones ohne Android 12 schaffen wird.

Geplante Timeline für Android 12 (Bild: Google)

Über die kommenden Wochen und Monate stehen weitere Developer Previews für Android 12 an, bevor mit der „Platform Stability“ nach aktueller Planung im August der letzte größere Meilenstein vor dem finalen Release für Endverbraucher erreicht werden soll. Erst zu diesem Zeitpunkt sind SDK- und NDK-APIs, interne APIs und systemrelevante Verhaltensweisen von Android 12 final. Entwicklern sollen ab diesem Meilenstein mehrere Wochen für letzte Tests bis zur finalen Veröffentlichung bleiben.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Google unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.