Nationales Roaming: Telekom und Vodafone teilen ihr LTE-Netz mit Telefónica

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Die Deutsche Telekom und Vodafone wollen sich ihre Infrastruktur an ausgewählten Antennenstandorten mit Telefónica Deutschland und umgekehrt teilen, um Graue Flecken im LTE-Mobilfunknetz in Deutschland zu erschließen. Eine Absichtserklärung für das aktive Network-Sharing haben die jeweils zwei Unternehmen jetzt unterzeichnet.

Die Absichtserklärung sieht vor, dass an mehreren hundert ausgewählten Antennenstandorten ein aktives Network-Sharing durchgeführt wird, um Graue Flecken zu beseitigen. Unter Grauen Flecken im Mobilfunknetz sind Flächen zu verstehen, in denen nicht alle Mobilfunkanbieter einen mobilen Zugang über – in diesem Fall – LTE ihren Kunden zur Verfügung stellen können. Dabei werden sich Telekom und Telefónica sowie Vodafone und Telefónica die Infrastruktur in beide Richtungen teilen, eine Kooperation von Telekom und Vodafone ist nicht vorgesehen. Effektiv handelt es sich also um nationales Roaming, wenngleich dieser Begriff nicht verwendet wird.

Netzbetreiber teilen sich aktive Infrastruktur

Konkret betrifft das Abkommen insbesondere Gegenden außerhalb von Wohngebieten und abseits größerer Verkehrswege, wo nach aktuellem Stand nicht alle Betreiber eine deckungsgleiche Netzversorgung anbieten können. An diesen Standorten wollen sich die Netzbetreiber ihre jeweils von dem einen oder anderen Anbieter bereits errichte aktive Infrastruktur teilen. Diese Herangehensweise steht im Gegensatz zu bisherigen Kooperationen wie dem Site-Sharing, wo sich nur der erschlossene Standort geteilt wurde, oder dem Betreiber-Abkommen zur Schließung Weißer Flecken, da keine zweite oder dritte separate Funktechnik oder zusätzliche Antennen installiert werden müssen.

LTE-Band 20 bei 800 MHz

Ein neuer technologischer Ansatz in den Netzen der Anbieter mache es möglich, dass die bestehende Infrastruktur von beiden jeweils kooperierenden Netzbetreibern verwendet werden kann. Im Ergebnis sollen den Kunden beider Anbieter LTE-Zugänge im Frequenzband 20 bei 800 MHz geboten werden. Dieses LTE-Spektrum zählt mit einer Betriebsdauer von teils mehr als zehn Jahren zum ältesten in Deutschland und ist für eine besonders hohe Reichweite und gute Gebäudedurchdringung bekannt. Ohne Carrier Aggregation sind zwar keine besonders hohen Geschwindigkeiten zu erwarten, bei dem Abkommen geht es den Anbietern aber primär um die Netzabdeckung.

„Kooperationen werden beim Netzausbau – egal ob Breitband oder Mobilfunk – immer wichtiger. Zusammen mit Telefónica/O2 können wir einen wichtigen Beitrag zu einer besseren und unterbrechungsfreien LTE-Versorgung in Deutschland leisten“, sagte Telekom Deutschland-Chef Srini Gopalan. „[…] Die kooperative Mitnutzung von Standorten ist ein wichtiger Schritt […] und ein gutes Signal an Deutschlands Mobilfunkkunden“, sagte Telefónica Deutschland/O2 CEO Markus Haas. „Wir schaffen mit weniger Masten noch mehr Netz: Kooperationen wie diese stärken Deutschlands Infrastruktur – und bringen Empfang auch dort, wo er bislang zu wünschen übrigließ“, sagte Vodafone Deutschland CEO Hannes Ametsreiter.

Weiße Flecken sollen ebenfalls geschlossen werden

Weiße Flecken, wo bislang überhaupt keine Mobilfunkversorgung besteht, gehen die drei Netzbetreiber Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Vodafone seit Herbst des letzten Jahres mit einer Grundsatzvereinbarung für knapp 6.000 neue Standorte an. Jeder Betreiber baut anteilig und gewährt den anderen Beteiligten ein Nutzungsrecht an der entstehenden passiven Netzinfrastruktur. Die eigentliche Mobilfunktechnik wie unter anderem die Antennen muss dann jeder Netzbetreiber eigenständig installieren.