AMD Cezanne: Mit Zen 3 und bis zu 90 Watt zur besten Notebook-CPU

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Mehr Leistung durch Zen-3-CPU-Kerne und größeren TDP-Spielraum: AMDs neue APU-Generation Cezanne will im Notebook die Krone und greift dabei auf Mittel und Wege zurück, die von Intel bekannt sind. Fortan dürfen nämlich auch AMD-Notebook-CPUs bis zu 90 Watt aufnehmen, ein Wert, der von Intel kein Unbekannter im Notebook ist.

Der Star ist Zen 3

Der CPU-Part von Cezanne basiert wie Ryzen 5000 im Desktop auf Zen 3, das macht AMD mehr als deutlich. Auf die integrierte Grafikeinheit kommt der Hersteller quasi gar nicht zu sprechen. Kein Wunder, sie ist mit Vega nicht neu und im Fokus steht zum Auftakt die H-Serie, also die Klasse der stärksten Prozessoren mit 35, 45, 54 und noch mehr Watt, die in der Regel mit einer dedizierten GPU kombiniert wird. Der Fokus wird auch im Startaufgebot deutlich: Lediglich zwei echte neue U-Prozessoren stehen mindestens acht H-Modellen gegenüber.

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AMD Ryzen 5000 Mobile

AMD Ryzen 5000 Mobile

Die Zen-3-Kerne und ein verdoppelter L3-Cache sind das Aushängeschild der neuen Lösungen. AMD verzichtet in der neuen Generation auf Modelle ohne SMT, jede APU darf die doppelte Anzahl an Threads bieten. Das gilt auch für die drei Zen-2-Refresh respektive Rebrandts in Form von Ryzen 7 5700U, Ryzen 5 5500U und Ryzen 3 5300U: Deren direkte Vorgänger boten bisher kein SMT. Genau über diese Änderung dürfte AMD die Weiterführung in neuer Serie auch rechtfertigen.

H-Modelle mit mehr TDP-Spielraum im Fokus

Mobiles Gaming boomt und AMD passt sich nicht nur mit dem neuen Portfolio dem Markt an. Damit die neuen Cezanne-Prozessoren ihre Leistung voll ausspielen können, dürfen sie in neuen Notebooks ferner fast immer mehr Leistung aufnehmen als zuvor, auch wenn auf dem Papier in den bekannten Klassen vorerst alles beim Alten bleibt. Wie bei Renoir steht dort „HS“ für 35 Watt und „H“ für 45 Watt. Beide Klassen können auf 54 Watt angehoben werden, einige Notebook-Hersteller kündigen ihre Geräte direkt mit 54-Watt-CPUs an.

HX als neues Aushängeschild (Bild: AMD)

Mit der neuen HX-Klasse geht aber auch mehr. Mit dem Ryzen 9 5900HX hat AMD eine CPU mit freiem Multiplikator im Bestand, die je nach Notebook statt mit dauerhaft 54 Watt mit 80 oder gar bis zu 90 Watt betrieben werden kann. Das liefert etwa 200 MHz zusätzlich in Multi-Core-Lasten, wie Notebook-Hersteller erklären – die letzten Megahertz sind immer teuer erkauft.

Bei der „Special Edition“ AMD Ryzen 9 5980HS wird hingegen nur der Single-Core-Takt angehoben. Dies ist dann eher Binning denn mehr Verbrauch respektive OC geschuldet. Der 5980HX kombiniert beides, maximalen Single- und maximalen Multi-Core-Takt, als absolutes Flaggschiff in einer SKU.

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AMD Cezanne

AMD Cezanne

AMD Cezanne

Für verlässliche und aussagekräftige Tests der entsprechenden CPUs bedeutet dies in den kommenden Monaten Herausforderungen wie selten zuvor, zumal Intels Tiger-Lake-Familie zuletzt ähnlich weit gefasste Grenzen gezogen hat: Auch dort ist der TDP-Rahmen auf offiziell 12 bis 36 Watt und PL2-Spitzen auf bis zu 64 Watt angewachsen, die CPUs können sich je nach Notebook deutlicher unterscheiden denn je zuvor.

LPDDR4X-4266 ist auch bei AMD Cezanne die bevorzugte Lösung, in Gaming-Lösungen darf es auch wechselbarer DDR4-3200 als SO-DIMM sein.

Modellübersicht noch unvollständig

Sechs Acht-Kerner mit ziemlich ähnlichen Spezifikationen stehen an der Spitze des Portfolios, die H-Serie dominiert ganz klar den Start von Cezanne. Die U-Serie bekommt deshalb quasi nur zwei echte neue Lösungen. Wie erwartet sind einige Vertreter quasi ein Renoir-Refresh mit dem Codenamen Lucienne mit bekannter Zen-2-Architektur, aber jetzt aktivem SMT.

Einige Notebook-Hersteller haben allerdings bereits APUs angekündigt, die AMD nicht genannt hat. Erst die kommenden Wochen werden das komplette Bild zeigen. Zu Vega-Grafikeinheit macht AMD überhaupt keine Aussagen, hier können deshalb ebenfalls noch Korrekturen folgen.

AMD Ryzen 5000 in der H- und U-Serie

Serie
Modell
Codename
Kerne/
Threads
Basistakt
Turbotakt
Grafik
Grafiktakt
L3-Cache
TDP

Ryzen 5000H
Ryzen 9 5980HX
Cezanne (Zen 3)
8/16
3,30 GHz
4,80 GHz
Vega8

16 MByte
45+ Watt

Ryzen 9 5980HS
3,00 GHz
4,80 GHz
35 Watt

Ryzen 9 5900HX
3,30 GHz
4,60 GHz
45+ Watt

Ryzen 9 5900HS
3,00 GHz
4,60 GHz
35 Watt

Ryzen 7 5800H
3,20 GHz
4,40 GHz
45 Watt

Ryzen 7 5800HS
2,80 GHz
4,40 GHz
35 Watt

Ryzen 7 5700H*

45 Watt

Ryzen 5 5600H
6/12
3,30 GHz
4,20 GHz
Vega6
45 Watt

Ryzen 5 5600HS
3,00 GHz
4,20 GHz
35 Watt

Ryzen 5000U
Ryzen 7 5800U
Cezanne (Zen 3)
8/16
1,90 GHz
4,40 GHz
Vega8
2.000 MHz
16 MByte
15 Watt

Ryzen 7 5700U
Lucienne (Zen 2)
1,80 GHz
4,30 GHz
1.900 MHz
8 MByte
15 Watt

Ryzen 5 5600U
Cezanne (Zen 3)
6/12
2,30 GHz
4,20 GHz
Vega7
1.800 MHz
16 MByte
15 Watt

Ryzen 5 5500U
Lucienne (Zen 2)
2,10 GHz
4,00 GHz
1.800 MHz
8 MByte
15 Watt

Ryzen 3 5400U*
Cezanne (Zen 3)
4/8
2,60 GHz
4,00 GHz
Vega6
1.600 MHz
16 MByte
15 Watt

Ryzen 3 5300U
Lucienne (Zen 2)
2,60 GHz
3,80 GHz
1.500 MHz
4 MByte
15 Watt

*unbestätigt, von Notebook-Herstellern aber bereits benannt

Herstellerbenchmarks

Auch erste Benchmarks hat AMD mitgebracht. An der Stelle muss allerdings derselbe Hinweis wie am gestrigen Tage bei Intel erfolgen, dass die Informationen in der Regel korrekt sind, sie jedoch stets die eigene Lösung in bestem Licht darstellen.

Vor allem in der 15-Watt-Klasse kann AMD über die Kerne profitieren. Überraschend stellt AMD Intels Tiger Lake sogar stärker als den Vorgänger Renoir dar, doch gegen das Zen-3-Paket hat er nun nur noch geringe Chancen. Gegenüber dem Vorgänger Renoir kommt es ganz darauf an: Im Multi-Core-Test sieht es stets gut aus, in Single Core stechen die Zen-2-Refresh-Chips klar hervor, weil sie nahezu auf der Stelle stehen bleiben.

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Herstellerbenchmarks: AMD Ryzen 7 5800U zu Renoir und Tiger Lake

Herstellerbenchmarks: AMD Ryzen 5000 zu Ryzen 4000

Herstellerbenchmarks: AMD Ryzen 5000 zu Ryzen 4000

Weitere Benchmarks sehen Cezanne als H-Modell dann im Single-Core-Test gleichauf mit Intels Tiger Lake-U – hier kommt es einmal mehr auf das Notebook an. Intels Behauptungen vom Montag, mit den neuen Tiger Lake-H35 und H45 in Single Core wieder in Führung gehen zu können, da sie 200 MHz mehr Takt bieten, ist also weiterhin nicht unwahrscheinlich. Gegenüber Comet Lake-H ist Zen 3 wiederum genau so gut aufgestellt wie im Desktop gegenüber Comet Lake und gewinnt auch im Zusammenspiel mit diskreter Grafikkarte.

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Herstellerbenchmarks: AMD Ryzen 9 5980HS in Cinebench R20 vs. Intel

Herstellerbenchmarks: AMD Ryzen 9 5900HX mit RTX 2080 vs. Intel

Auch an der Akkulaufzeit hat AMD eigenen Angaben zufolge gearbeitet, nennt für ein Ryzen 9 5800U bis zu 21,4 Stunden Video-Wiedergabe in einem nicht näher spezifizierten Referenz-Notebook mit 53-Wh-Akku. Im Mobile Mark soll der gleiche Akku für 17,5 Stunden Laufzeit ausreichen.

Herstellerbenchmarks: AMD Ryzen 7 5800U im Akkutest (Bild: AMD)

Erste Systeme ab Februar 2021

Der Vorteil liegt bei AMD. Noch im ersten Quartal sollen die ersten Notebooks mit neuen APUs ausgeliefert werden, AMD nennt den Februar als Starttermin. Tiger Lake-H45 soll erst Ende des 1. Quartals in Produktion gehen.

Auch bei AMD wird der Start jedoch gestaffelt ablaufen, nicht jeder Hersteller darf gleich, einigen Notebook-Hersteller nennen deshalb auch erst März oder April als Termin, wenn es um die Verfügbarkeit geht. Bisher sieht es jedoch nach einem etwas schnelleren Start aus als bei Renoir vor einem Jahr. Weitere Details inklusive Tests werden in den kommenden Wochen folgen.

Die Fußnoten zur Präsentation von AMD (Bild: AMD)

RDNA 2 kommt im „1. Halbjahr“ ins Notebook

Im Anschluss an die Vorstellung der neuen APUs hat AMD auch erstmals über RDNA-2-GPUs für Notebooks gesprochen, lies aber Details zur Modellpalette und einen genauen Termin offen. „Im 1. Halbjahr“ war alles, was Dr. Lisa Su derzeit zu diesem Thema sagen wollte.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von AMD unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühest mögliche Veröffentlichungszeitpunkt.