APK: Suche nach Alternativen zu China

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Deutsche Unternehmen sollten in Asien mehr Alternativen zu ihrem Geschäft in China suchen. Das forderten hochrangige Vertreter der deutschen Politik und Wirtschaft zum Auftakt der Asien-Pazifik-Konferenz in Berlin.

“Wir wollen natürlich unser Lieferketten diversifizieren”, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vor der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft. Es habe sich in der Corona-Pandemie gezeigt, dass Lieferketten, die sehr einseitig ausgerichtet seien, zu Abhängigkeiten führten und anfällig für Unterbrechungen seien, sagte er mit Blick auf China.

Hintergrund waren Engpässe etwa bei der Bestellung medizinischer Schutzgüter, als sich China auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie befand. Hinzu kommt, dass die Gespräche über ein Investitionsabkommen zwischen China und der EU zuletzt ins Stocken geraten waren. 

Die EU hatte Mitte September von China weitreichende Zugeständnisse gefordert. Wenn es wie vorgesehen bis Ende des Jahres eine Einigung geben solle, müsse China bei den Themen Marktzugang und nachhaltige Entwicklung noch viel tun, hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nach Gesprächen mit Chinas Präsident Xi Jinping gesagt.

Siemens-Chef Joe Kaeser nannte Indien, aber auch Vietnam und Indonesien als wichtige Alternativen für Investitionen. “Viele multinationale Unternehmen haben sehr viel investiert in Vietnam”, sagte er. Deutschland habe dort die duale Ausbildung vorangetrieben, so dass qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stünden. Man könne “relativ zügig” in das Land ausweichen. 

In Indonesien mit seinen fast 300 Millionen Einwohnern gebe es eine wachsende Mittelschicht. Deutsche Firmen und Politik sollten die Qualifizierung von Mitarbeitern vorantreiben, wie man es früher auch in China gemacht habe, so Kaeser, der auch Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft ist, das die Konferenz organisiert.

Konferenz nur online

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte das Potenzial in den Wirtschaftsbeziehungen mit asiatischen Ländern. Allerdings wies sie darauf hin, dass die Rahmenbedingungen verbessert werden müssten. Dabei gehe es etwa um Gleichbehandlung und Transparenz, um Rechtssicherheit und den Schutz des geistigen Eigentums, sagte Merkel in einer Videobotschaft zur Eröffnung der Konferenz.

Gerade in der Corona-Pandemie zeige sich, wie wichtig internationale Zusammenarbeit sei und wie vordringlich es sei, sie zu stärken, sagte Merkel. Die Bundesregierung wisse um die wachsende globale Bedeutung der Märkte in der Asien-Pazifik-Region. Für den deutschen Außenhandel eröffneten sich neue Perspektiven, nicht alleine im Handel mit China.

Mit Blick auf das kräftige Wirtschaftswachstum in China im dritten Quartal sagte Altmaier, Deutschland und die EU müssten zeigen, dass die Pandemie mit einem Modell der offenen Gesellschaft genau so effektiv bekämpft werden könne wie in anderen Staats- und Gesellschaftsformen.

Die Asien-Pazifik-Konferenz gibt es seit 1986, sie soll Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Region Asien-Pazifik und Deutschland fördern. Neben Vertretern von Unternehmen und Verbänden nehmen auch die Wirtschaftsminister aus Deutschland, Japan, Australien und Indonesien teil.

Themen der Konferenz sind laut Veranstalter die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie, die Modernisierung der Handelspolitik, die Sicherung globaler Wertschöpfungsketten sowie Strategien für die Digitalisierung in Asien und Europa.

bea/hb (dpa, reuters, afp)