Corona: Homeoffice schadet vielen Branchen

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Homeoffice könnte das Arbeitsmodell der Zukunft sein. Wenn aber Millionen Menschen deshalb nicht mehr täglich in die Metropolen pendeln, hat das dramatische Auswirkungen auf die unterschiedlichsten Geschäftszweige.

Die guten Erfahrungen in der Corona-Krise mit dem Homeoffice haben so manchen Firmenchef spürbar beeindruckt. “Aufgrund der neuen Erfahrungen und Erkenntnisse planen viele Unternehmen, Homeoffice auch nach der Krise intensiver zu nutzen”, sagt Daniel Erdsiek, Experte im Forschungsbereich Digitale Ökonomie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), zu den Ergebnissen einer entsprechenden Umfrage unter 1800 Unternehmen. 

Mehr Homeoffice heißt aber auch: weniger Berufspendler in die Innenstädte. Und das könnte Folgen haben, wie aus einer Analyse der Kreditversicherers Altradius hervorgeht. Die Zahl der Insolvenzen würde steigen, sagt Michael Karrenberg, Regionaldirektor Risikoservice bei Altradius.

Zwar habe durch das Homeoffice kaum ein Unternehmen selbst ernsthafte Produktivitätseinbußen erlitten, so Karrenberg. “Durch die Zunahme des mobilen Arbeitens werden sich die Geschäftsaktivitäten aber örtlich verschieben. Das führt vor allem in den Branchen zu zunehmenden Unsicherheiten, deren Umsätze von den zahlreichen Pendlern in die Städte und den Büroarbeitern abhängen.”

Mietausgaben werden überprüft

So hätten laut der Altradius-Studie die seit Monaten verwaisten Schreibtische in vielen Unternehmen das Controlling auf den Plan gerufen. Es stelle sich die Frage, ob es in Zukunft überhaupt noch notwendig sei, für jeden Mitarbeiter einen festen Arbeitsplatz bereitzustellen und hierfür Flächen anzumieten. In vielen Fällen würden sich die Kosten als zu hoch erweisen, gerade bei großen Unternehmen beliefen sich die jährlichen Mietausgaben häufig auf mehrere Millionen Euro.

In der Folge dürften zahlreiche Firmen ihre bestehenden Mietverträge in den kommenden Jahren nicht verlängern. Das wiederum würde – sofern kein profitables Nachnutzungskonzept für die leeren Flächen vorläge – die Erträge von Büroimmobilienfonds erheblich schmelzen lassen.

Kettenreaktion trifft auch Investoren

Leidtragende dieser Entwicklung seien außer Privatanlegern auch zahlreiche institutionelle Investoren, die auf die Anlagegewinne angewiesen seien. Zu ihnen zählten unter anderem Banken, Pensionskassen, Investment- und Kapitalgesellschaften, Versorgungswerke, Sozialversicherungsträger, Krankenkassen, Vermögensverwaltungen, Kirchen, Vereine und Stiftungen. Bei ihnen könnten teilweise erhebliche Einnahmeverluste entstehen.

Alttag in Corona-Zeiten: Leeres Büro

Dauerhaft leere Büros hieße auch dauerhaft geringere Umsätze für Kantinenbetreiber, vor allem, weil sie dann deutlich weniger Mittagsgerichte verkauften. Auch viele Gaststätten seien betroffen.

Papierindustrie, Gastronomie, Textilbranche

Weiterhin würden die Unsicherheiten bei Geschäften mit der Papierindustrie zunehmen, heißt es in der Altradius-Analyse. Das Homeoffice habe auch die Digitalisierung von Büroprozessen weiter beschleunigt, vor allem Druckerpapier werde in geringeren Mengen benötigt. Dadurch verstärke sich der Druck in dem Sektor weiter, der bereits im vergangenen Jahr beträchtliche Insolvenzrisiken hatte.

Die Corona-Pandemie und die Ausweitung der Arbeit von zu Hause hätten auch die Zahl der Geschäftsessen und -reisen erheblich reduziert. Dienstgespräche und Verhandlungen würden vermehrt über Videokonferenzen beziehungsweise am Telefon durchgeführt, weniger bei persönlichen Treffen. Setze sich dieser Trend fort, führe das wiederum zu erhöhten Unsicherheiten bei Restaurants und auch bei Hotels, die von den Geschäftsreisenden abhängen.

Businessdress kommt aus der Mode

Darüber hinaus sinke der Bedarf an Bürokleidung wie Anzügen, Krawatten oder Business-Kostümen. Dies wiederum wirke sich erheblich auf Anbieter aus, die einen hohen Umsatzanteil mit Büromode erzielen. Unter allen deutschen Branchen bewertet Atradius die Textilbranche derzeit als diejenige mit dem höchsten Insolvenzrisiko.

Automobilindustrie, Werkstätten Tankstellen

Bei einem flächendeckenden Homeoffice-Szenario würde sich auch die Zahl der Pendlerkilometer erheblich verringern. Das wiederum würde die Automobilbranche zusätzlich belasten, die sich seit rund zwei Jahren sowieso schon in einer schwierigen Situation mit erhöhtem Insolvenzrisiko bei zahlreichen Zulieferern befände. Auch auf Werkstätten und Tankstellen würde sich der Druck erhöhen.

Der Onlinehandel zählt zu den Gewinnern

Bei den Geschäften in den Innenstädten und Fußgängerzonen würde es erhebliche Folgen nach sich ziehen, sollten ein Großteil der Menschen künftig hauptsächlich von zu Hause arbeiten. Zusätzlich schwächen würde dies vor allem jene stationären Einzelhändler, die über keinen Online-Vertriebskanal verfügten und von den Lockdown-Maßnahmen bereits schwer getroffenen wurden.

Krisengewinner

Andere Branchen wiederum dürften laut der Altradius-Analyse von einer dauerhaften Homeoffice-Ausweitung profitieren. Hierzu zähle vor allem die Informations- und Kommunikationstechnologiebranche (IKT), die dann mit zusätzlichen Umsätzen durch mehr verkaufte Laptops, Handys, Telefone, Software und Datenübertragungslösungen rechnen könne. Zu den Gewinnern zählten zudem Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen für das eigene Zuhause anbieten, unter ihnen vor allem Möbelanbieter, da viele Homeoffice-Arbeitsplätze neu eingerichtet werden müssten.