Gericht untersagt Ligaspiel in Brasilien

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Es klingt wie eine Posse: Das Coronavirus legt in Brasilien eine halbe Fußballmannschaft lahm, trotzdem will der Fußballverband ein Ligaspiel nicht absagen. Erst ein zweites Gericht schiebt dem einen Riegel vor.

Werden warten müssen, bis die Gegner wieder fit sind: Spieler des SE Palmeiras in São Paulo

Das Ligaspiel zwischen dem brasilianischen Fußballmeister CR Flamengo aus Rio de Janeiro und SE Palmeiras aus São Paulo darf an diesem Sonntag nicht stattfinden – das hat ein Arbeitsgericht entschieden.

Laut heimischen Medien sind mittlerweile 19 Spieler beim Topklub CR Flamengo aus Rio de Janeiro mit dem Coronavirus infiziert. Mindestens 17 weitere Angestellte wurden ebenfalls positiv getestet, darunter der Trainer und der Präsident.

Das Gericht urteilte im Sinne der Gewerkschaft Sindeclubes, die Mitarbeiter von CR Flamengo vertritt und argumentiert hatte, das Spiel setze die Angestellten einem unangemessenem Gesundheitsrisiko aus. Laut Urteil darf die Partie erst nach vorgeschriebener Quarantäne der Betroffenen stattfinden. Bei Widersetzen gegen die Anordnung droht ein Strafgeld in Höhe von zwei Millionen Real, rund 310.000 Euro.

Doch um diese gerichtliche Absage musste der Verein kämpfen, denn der brasilianische Fußball Verband CBF wollte das Spiel stattfinden lassen. Auch das Oberste Sportgericht STJD lehnte zuvor die Absage des Spiels ab.

Nur zwölf Spieler übrig

Schon am Dienstag musste CR Flamengo wegen ein paar Corona-Infektionen in seinen Reihen mit einigen Ersatzspieler zum Match im Copa Libertadores in Ecuador antreten. Nach Vereinsangaben wären wegen der steigenden Infektionszahlen nur noch neun Feldspieler und drei Torhüter einsatzbereit gewesen.

Der Verband CBF argumentierte, da Vereine das Recht hätten, 40 Spieler zu registrieren, sollte Flamengo genügend Spieler zur Verfügung haben.

Ein Torhüter hätte als Feldspieler einspringen müssen, damit der CR Flamengo vollständig hätte auflaufen können

Und die gegnerische Mannschaft? Am Freitag noch teilte SE Palmeiras mit: “Wir verspüren im Zusammenhang mit der angesprochenen Partie in keiner Weise irgendeine Gefahr für unsere Gesundheit.”

Brasilien verzeichnet nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität weltweit die zweithöchste Zahl an Toten in der Pandemie: Mehr als 141.400 Menschen starben bisher an dem Virus. Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro hatte wiederholt die Gefahren der Pandemie verharmlost.

Keine Rückkehr von Fans – vorerst

Seit Juni finden in Brasilien wieder Fußballspiele statt. Am Samstag entschieden die Klubs der ersten Liga, weiter vor leeren Rängen spielen zu wollen. Zuvor hatte das Gesundheitsministerium erlaubt, dass Stadien bis zu 30 Prozent ihrer Kapazität mit Fans gefüllt werden könnten. Der Fußballverband CBF ist für eine langsame Rückkehr von Fans, erklärte sich mit dem Veto der Vereine aber einverstanden. Jedoch werde das Thema in zwei Wochen noch einmal besprochen

ust/fab (afp, sid, rtr, ap, Johns-Hopkins-Universität)