Argentinien wendet Staatsbankrott ab

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Argentinien hat sich mit seinen Gläubigern auf eine Umschuldung geeinigt. Damit wendet das einst reichste Land Lateinamerikas den dritten Staatsbankrott in 20 Jahren kurz vor Ablauf der Frist ab.

Hochhäuser am Rio de la Plata in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires

Seit Mai war klar, dass Argentinien seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Damals hatte das Land eine fällige Zinszahlung ausgesetzt und den ausländischen Gläubigern ein Angebot zur Umschuldung gemacht. Seitdem wurde verhandelt, an diesem Dienstag lief die Frist für eine Einigung ab.

Kurz vor deren Ablauf konnte die argentinische Regierung nun einen Erfolg verkünden. Man habe mit den Gläubigergruppen eine Vereinbarung getroffen, die es ihnen ermögliche, den argentinischen Umschuldungsvorschlag zu unterstützen und dem Land einen erheblichen Schuldenerlass zu gewähren, teilte das Wirtschaftsministerium in Buneos Aires mit.

Dazu habe Argentinien die Konditionen seines ursprünglichen Angebots an die Gläubiger verbessert, hieß es. Die Details der Einigung sollen bis zum 24. August unter Dach und Fach gebracht werden.

Deutlicher Schuldenschnitt

Die Schulden der zweitgrößten Volkswirtschaft in Südamerika galten zu den aktuellen Bedingungen als nicht mehr tragfähig. Deshalb hatte Argentinien von seinen privaten Gläubigern gefordert, auf einen Teil ihrer Forderungen von rund 65 Milliarden US-Dollar (rund 56 Mrd. Euro) zu verzichten. Ohne eine Einigung hätte eine erneute Staatspleite gedroht – es wäre die insgesamt neunte gewesen und die dritte seit 2001.

Unter den Gläubigern sind große US-amerikanische Investmentfonds wie Blackrock, Ashmore und Fidelity. Sie haben sich nun bereit erklärt, auf rund 45 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten, berichten die Finanzmedien Bloomberg und Wall Street Journal unter Berufung auf Insider.

Argentinien steckt in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Inflationsrate betrug zuletzt mehr als 50 Prozent.

Zusätzlich verstärkt werden die Probleme des Landes durch die Corona-Pandemie. Für das laufende Jahr rechnen Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit einem Rückgang der Wirtschaftskraft um mehr als zehn Prozent. Auch in den beiden Vorjahren ist die Wirtschaftsleistung geschrumpft.

Auch Ecuador schuldet um

Gespräche mit dem IWF, bei dem Argentinien mit 44 Milliarden Dollar verschuldet ist, könnten als nächstes anstehen. Argentiniens Präsident Alberto Fernandez, der seit Dezember regiert, hat eine Reduzierung der öffentlichen Schulden in Höhe von 323 Milliarden Dollar zur Priorität erklärt.

Gerade in Corona-Zeiten könne das Land nicht weiter 20 Prozent seiner Staatseinnahmen für Zinszahlungen ausgeben, hatte Wirtschaftsminister Martin Guzman im Mai gesagt. Der IWF stimmt dem grundsätzlich zu und hat die Schuldenlast Argentiniens bereits als untragbar bezeichnet. Allerdings ist davon auszugehen, dass der IWF im Gegenzug für eine Umschuldung wirtschaftliche Reformen sehen will, die von den regierenden Peronisten abgelehnt werden.

Einen Tag vor Argentinien hatte sich auch Ecuador mit seinen Gläubigern auf eine Umschuldung geeinigt. Das südamerikanische Land hat Staatsschulden in Höhe von 65 Milliarden Dollar erwartet in diesem Jahr einen Wirtschaftseinbruch von 6,5 Prozent.

bea/hb (dpa, reuters, afp, WSJ, Bloomberg)