Microsoft will Tiktok kaufen

0
73

Die Trump-Regierung will die App Tiktok in den USA eigentlich verbieten, doch nun bahnt sich eine Wende an. Microsoft hofft, die Videoplattform bald übernehmen zu können.

Video ansehen
01:31

Teilen

Microsoft will Tiktok

Versenden

Facebook

Twitter

google+

Tumblr

VZ

Xing

Newsvine

Digg

Permalink https://p.dw.com/p/3gK4h

Microsoft will Tiktok

Ein Übernahmemanöver des Software-Giganten Microsoft könnte das von US-Präsident Donald Trump angedrohte Verbot der Videoplattform Tiktok womöglich doch noch verhindern. Microsoft bestätigte am Sonntag (Ortszeit) erstmals, den Zukauf des US-Geschäfts von Tiktok anzustreben.

Konzernchef Satya Nadella und Trump hätten sich darüber ausgetauscht, nun wolle Microsoft weitere Gespräche mit dem chinesischen Tiktok-Eigentümer ByteDance führen. Ziel sei es, bis zum 15. September einen Deal zu vereinbaren.

“Microsoft ist sich der Bedenken des Präsidenten voll und ganz bewusst. Wir wollen TikTok erwerben, sofern eine vollständige Sicherheitsüberprüfung durchgeführt wird und der Deal den Vereinigten Staaten – einschließlich des US-Finanzministeriums – angemessene wirtschaftliche Vorteile bietet”, heißt es in einer Erklärung von Microsoft.

Das Unternehmen fügte hinzu, dass keine Gewissheit bestehe, dass eine Einigung erzielt werden könne.

Trump droht

Die US-Regierung befürchtet, Tiktok könne Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergeben. Trump hatte am vergangenen Freitag angekündigt, er wolle Tiktok in den USA verbieten – und werde womöglich schon Samstag zur Tat schreiten. Bis Sonntag passierte allerdings nichts; auch blieb unklar, wie ein Verbot durchgesetzt werden könnte.

In Ägypten wurden mehrere Tiktok-Nutzerinnen im Juli zu Haftstrafen verurteilt, weil ihre Tanz-Videos als “unzüchtig” eingestuft wurden

China wies die Vorwürfe zurück. “Die USA stellen eine Schuldvermutung auf und drohen chinesischen Unternehmen ohne Grund”, so ein Sprecher des Außenministeriums.

Auch in anderen Ländern gibt es Datenschutz-Bedenken und Zensur-Vorwürfe gegen Tiktok. Die Bundesregierung hat angekündigt, dem nachzugehen. In Indien sind der Dienst und 58 weitere Apps aus China bereits “zum Schutz der Sicherheit und der Souveränität des Cyberspace” des Landes verboten.

Trump will Pekings Einfluss in den USA zurückdrängen, auch andere chinesische Konzerne wie die Telekom-Riesen Huawei und ZTE bekamen dies schon zu spüren.

Erst LinkedIn, jetzt Tiktok?

ByteDance bemüht sich deshalb schon länger, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Über ein Interesse von Microsoft hatten US-Medien bereits am Freitag berichtet, danach hatte sich Trump jedoch zunächst ablehnend geäußert und bekräftigte seine Verbotsabsicht.

Microsoft will der Mitteilung nach nicht nur das US-Geschäft von Tiktok übernehmen, sondern auch das in Kanada, Australien und Neuseeland. Dabei sei der Konzern auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen.

Damit könnte sich eine Tür für eine Reihe bestehender amerikanischer Anteilseigner von ByteDance um den Wagniskapitalgeber Sequoia Capital öffnen, die wegen des drohenden Verbots der US-Regierung angeblich ebenfalls schon seit längerem eine Übernahme auf eigene Faust anstreben.

Der Technologie-Konzern Microsoft ist mit einem Börsenwert von rund 1,5 Billionen US-Dollar eines der wertvollsten Unternehmen der Welt und würde durch die Übernahme sein Social-Media-Geschäft ausbauen. 2016 hat der Konzern bereits das Job-Netzwerk LinkedIn für 27 Milliarden US-Dollar übernommen. 2014 zahlte Microsoft für das Open-World-Spiel Minecraft 2,5 Milliarden Dollar.

Video ansehen 02:34 Teilen

Wie verdient TikTok Geld?

Versenden Facebook Twitter google+ Tumblr VZ Xing Newsvine Digg

Permalink https://p.dw.com/p/3YaY9

Wie verdient TikTok Geld?

Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform, die besonders bei jüngeren Nutzern beliebt ist. Mit angeblich knapp einer Milliarde Nutzern gilt Tiktok als Konkurrenz für Facebook und Youtube.

Jung und erfolgreich

Hervorgegangen ist Tiktok aus der chinesischen Variante Douyin, die 2016 auf den Markt kam. In Festland-China existiert Douyin noch heute und läuft dort auf separaten Servern, während Tiktok in China nicht verfügbar ist. Tiktok entstand 2017 als eine internationale und unzensierte Variante von Douyin. Richtig erfolgreich wurde die Plattform nach der Fusion mit der chinesischen App musical.ly Mitte 2018.

Tiktok versichert, es gehe der Plattform um kreative Inhalte, bei der “Privatsphäre und Sicherheit” geschützt würden. Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Nutzerdaten würden in den USA gespeichert und verarbeitet.

In den USA hat Tiktok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer. In den vier Ländern, um die es bei den Kaufverhandlungen geht, sollen es insgesamt rund 230 Millionen sein. Wie viel Microsoft für Tiktok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen.

bea/tko (dpa, reuters, afp)