I­čĺŚNY: US-Designer Milton Glaser mit 91 Jahren gestorben

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Man konnte ihn als Haus-Designer der US-Metropole bezeichnen. Daf├╝r steht vor allem sein weltber├╝hmtes New-York-Logo. Doch die Kreativit├Ąt von Milton Glaser blieb nicht auf seine Heimatstadt beschr├Ąnkt.

Mehr New York als Milton Glaser geht wohl nicht: Der Designer erfand das weltber├╝hmte “l Iove New York”-Logo, war Mitgr├╝nder des “New York Magazine” und entwarf das Emblem f├╝r die Brooklyn-Brauerei. Geboren wurde der Designer 1929 – nat├╝rlich in New York, genauer: in der Bronx. “Es ist eine fantastische Stadt, der einzige Ort, an dem ich sein will.” Schon als kleiner Junge begann Glaser, Zeichenunterricht zu nehmen. Sp├Ąter studierte er an der Cooper Union-Universit├Ąt in New York und legte dazwischen Auslandsaufenthalte in Italien ein. Gemeinsam mit Freunden gr├╝ndete er ein Design-Studio und bekam erste Auftr├Ąge. Sp├Ąter machte er sich mit seinem eigenen Studio selbstst├Ąndig.

Das Logo wurde weltweit kopiert – f├╝r andere St├Ądte

Glasers weltweiter Durchbruch geschah in den 1970er Jahren. Der Bundesstaat New York – nicht die Stadt – beauftragte ihn damit, den Slogan “I love New York” zu visualisieren. Gerade einmal 2000 Dollar bekam der junge Designer daf├╝r. “Ich habe etwas Typografisches eingereicht, das wurde dann akzeptiert, aber ein paar Tage sp├Ąter war ich in einem Taxi und dachte, es muss noch besser gehen”, erz├Ąhlte Glaser einmal. “Ich habe eine kleine Skizze gemacht und den Typ noch mal angerufen. Er hat gesagt: “Nerv mich nicht, das ist doch schon akzeptiert”, aber ich habe darauf bestanden, es ihm zu zeigen. Also bin ich in sein B├╝ro gegangen, er mochte es. Und die Kommission hat dann das abgelehnt, was sie schon angenommen hatten, und das neue akzeptiert. Das Logo h├Ątte also beinahe nie das Licht der Welt erblickt.”

Werbeplakat Glasers von 1967 f├╝r WOR-FM, die erste alternative Radiostation New Yorks

Die Design-Ikone ist heute nicht mehr wegzudenken – trotzdem sagte Glaser immer: “Es war ein Job wie jeder andere auch. Ich wei├č, das ist eine oberfl├Ąchliche Beschwerde, aber ich w├╝rde mir w├╝nschen, dass einige Menschen w├╝ssten, dass ich auch etwas anderes getan habe, und dass, wenn man es aus der gro├čen Perspektive betrachtet, das Logo eine banale Arbeit ist.” Unter anderem Theater, Bars, Geschirr, Stoffe, dutzende Firmenlogos, Plakate f├╝r die Erfolgsserie “Mad Men” und ein weltbekanntes Bob Dylan-Plakat, auf dem der S├Ąnger im Profil als schwarze Silhouette mit bunten Haaren zu sehen ist, entwarf Glaser w├Ąhrend seiner langen Karriere. 2009 bekam er die National Medal of Arts, die bedeutendste Kunstauszeichnung der US-Regierung.

Milton Glaser bei der National Awards Gala in New York im Jahr 2010

Bis zuletzt hatte Glaser in seinem B├╝ro nahe dem Empire State Building gearbeitet – und sich nach Jahrzehnten am Zeichenblock sogar noch am Computer versucht, allerdings mit Hilfe. “Mit dem Computer arbeiten ist etwas, von dem ich nie gedacht h├Ątte, dass ich es mal machen w├╝rde”, sagte er bei einer Veranstaltung im Fr├╝hjahr 2018. “Ich fasse den Computer aber nie an. Diese H├Ąnde haben noch nie einen Computer angefasst.” Stattdessen hatte er einen Assistenten, der neben ihm am Computer sa├č und seine Anweisungen befolgte. “Das ist ein sehr ungew├Âhnliches Arbeiten, aber die Ergebnisse sind gut.”

Gibt es Menschen auf dieser Welt, die das Logo “I love New York” NICHT kennen?

Immer wieder erkl├Ąrte Glaser daher in Gespr├Ąchen auch, am liebsten ewig weiterarbeiten zu wollen. “Ich sage immer, dass die Pensionierung eine furchtbare Verschw├Ârung ist, gemacht, damit die Menschen nicht am Leben bleiben. Mein Gott, wer hat das erfunden?”, fragte er 2019 zum seinem 90. Geburtstag in der “New York Times”. Der Zeitung erz├Ąhlte er auch, dass all seine Entw├╝rfe nicht prim├Ąr der Werbung gedient h├Ątten. Es sei viel mehr darum gegangen, dass ihm selbst die Gestaltung all der Entw├╝rfe Kraft gegeben habe. Die Betrachter seiner Werke sollten eine einfache Botschaft daraus mitnehmen: “Dinge zu machen, h├Ąlt dich am Leben.” Glaser starb am Freitag – exakt an seinem 91. Geburtstag –  in Manhattan an den Folgen eines Schlaganfalls.  

sti/qu (ap, dpa)