Berlin und das “etwas andere Derby” zwischen Hertha BSC und Union

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Vor dem Derby zwischen Hertha und Union kommt in Berlin kaum Vorfreude auf. Während sich die Fans abwenden bemühen sich die Klubs, die Brisanz des Duells zu betonen. Geklärt ist indes die Frage der TV-Übertragung.

Es flogen Pyros und Fäuste, es drohten Spielabbruch und Platzsturm: Das Berliner Stadtduell in der Fußball-Bundesliga zwischen Hertha BSC und Union Berlin geriet in der Hinrunde zum Skandal-Derby. Dass es zu ähnlichen Szenen wie damals kommt, ist in dieser Form bei der Neuauflage am Freitag (20.30 Uhr MESZ) definitiv ausgeschlossen. Angesichts von über 74.000 unbesetzten grauen Sitzschalen im Berliner Olympiastadion, und scharfer Kritik aus der aktiven Fanszene steht das Hauptstadt-Derby dennoch unter keinem guten Stern.

Die Vorfreude hält sich nahezu überall in Grenzen. “Die Rahmenbedingungen sind andere, deshalb ist es ein anderes Derby”, sagte Bruno Labbadia, der nach dem Sieg bei seinem Debüt in Hoffenheim gegen den Stadtrivalen Union einen perfekten Start als Hertha-Trainer feiern könnte. Und die Herthaner haben etwas gutzumachen, die desolate Leistung und das 0:1 beim Rivalen aus dem Osten Berlins im Hinrunden-Derby wirkten nach. “Wir erinnern uns alle an den Auftritt in der Alten Försterei. Das war ein rabenschwarzer Tag. Jetzt haben wir die Chance, das ein Stück weit vergessen zu machen”, sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Auf den Rückhalt der Fans kann dabei aber nicht gesetzt werden – und das liegt nicht nur an den Rahmenbedingungen. Herthas Ultras, wie zum Beispiel die Gruppierung Harlekins Berlin ’98, übten scharfe Kritik an der Fortsetzung der Bundesliga und forderten dazu auf, “Geisterspiele nicht mittels Zaunfahnen, Spruchbändern oder anderen Stilmitteln von Fankultur aufzuwerten”. 

Derby wird übertragen 

“Dieses ganze Schauspiel hat nichts mit dem Fußball zu tun, den wir lieben und unterstützen”, schrieb zuletzt der Förderkreis Ostkurve und stellt fest, dass der Fußball sich “von seinen Wurzeln entfernt” habe. Inwieweit die Anhänger das Duell im heimischen Wohnzimmer verfolgen können, war lange Zeit offen. Nach dem Rückzieher von Eurosport und dem Einspringen des Streamingdienstes DAZN sei nun   eine langfristige Lösung gefunden, teilte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Donnerstag mit.

Damit ist auch die Übertragung des Berlin-Derbys gesichert. Wegen Unstimmigkeiten zwischen DFL und Rechteinhaber Eurosport, der 2019 seine TV-Rechte an 45 Spielen pro Saison an den Streamingdienstleister DAZN verkauft hatte, war die Übertragung der betroffenen Spiele bis zuletzt ungewiss. Schon vor der Coronakrise hatte DAZN Bundesliga-Spiele gezeigt, am vergangenen Montag war dort das Duell Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen zu sehen gewesen

Nachbarschafts-Duell in mehrfacher Hinsicht

Heimpremiere im Derby: Hertha-Trainer Bruno Labbadia

Sportlich ist das Spiel für beide Klubs nicht nur wegen des Prestiges wichtig. Die Tabellennachbarn können mit einem Sieg beide einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Bruno Labbadia betonte, dass man die Punkte “sehr gut gebrauchen” könne. Der neue Trainer sieht seine Mannschaft, die ohne die verletzten Karim Rekik und Marius Wolf auskommen muss, nicht als Favoriten. “Union macht das sehr gut, spielt eine starke Saison”, sagte der 54-Jährige und lobte Trainer-Kollege Urs Fischer: “Er hat tolle Arbeit geleistet. Sie sind sehr gut organisiert. Das wird ein intensives Spiel, man bekommt wenig Chancen.”

Auch Fischer fand anerkennende Worte für die Arbeit seines Kollegen. “Ich glaube, dass Bruno eine Handschrift hat. Seine Mannschaften sind sehr kompakt und aggressiv, versuchen aber auch Fußball zu spielen”, sagte Fischer, der am Sonntag beim0:2 gegen Bayern München noch gefehlt hatte. Beim Aufsteiger ist man heilfroh, dass der Cheftrainer wieder auf der Bank sitzt. Der Schweizer hatte in der vergangenen Woche das Quarantäne-Camp wegen eines Todesfalls in der Familie verlassen. Nach zwei negativen Corona-Tests ist er wieder dabei.

dvo (SID)