Argentinien begeistert von “La Bundesliga”

0
52

Kaum ein Land auf der Welt ist so fußballverrückt wie Argentinien. Da die heimische Liga wegen der Corona-Pandemie ruht, greifen die Fans kurzerhand zu einer Ersatzdroge: Sie konsumieren stattdessen deutschen Fußball.

Der argentinische Sportjournalist Ezequiel Daray berichtet seit Jahren über die deutsche Bundesliga

Was macht eine Fußball-Nation, in der seit dem 16.März, dem Spiel zwischen Rosario Central und Colón, auf unbestimmte Zeit der Ball ruht? Eine Fußball-Nation, die so fanatisch ist, dass das Finale der Copa Libertadores zwischen River Plate und Boca Juniors aus Sicherheitsgründen im fernen Madrid stattfinden musste? Eine Fußball-Nation, in der Fans den Titel ihres Vereins mit dem Schädel des verstorbenen Großvaters feiern, damit der den einzigartigen Triumph auch miterleben kann?

Sie tut das, was man in der Not halt tut. In diesem Fall: “La Bundesliga” schauen.

Hohe Einschaltquoten für deutschen Fußball

Fußball ist für die Argentinier Leidenschaft, Religion und Droge zugleich. Und weil sie diese Droge auch am vergangenen Wochenende in Buenos Aires, Córdoba und Rosario nicht bekommen konnten, schalteten viele am Samstagmorgen die argentinischen Sportsender ESPN und Fox Sports ein und bewunderten das erste Corona-Tor von Dortmunds Stürmer Erling Haaland im Revierderby gegen Schalke bei einem Schluck Mate-Tee vor der Glotze. Die Einschaltquoten gingen durch die Decke: Bei ESPN waren sie zehnmal so hoch wie am Wochenende zuvor, als Fußball noch friedlich aus der Konserve lief.

“Von den 20 führenden Twitter-Trends am Samstag ging es bei 15 um die Bundesliga”, bestätigt Ezequiel Daray das enorme Interesse in Argentinien am deutschen Fußball. Daray muss es wissen. Gäbe es diesen Posten, wäre der Sportjournalist Argentiniens Bundesliga-Botschafter. Kein Argentinier kennt sich so gut mit dem “futból alemán” aus wie der Mann aus Buenos Aires. Daray moderiert und produziert für Fox Sports seit Januar 2016 die TV-Sendung “Das Ligahaus” – 30 kompakte und kurzweilige Minuten vor jedem Bundesliga-Spieltag.

Bundesliga-Nachhilfe im argentinischen Fernsehen

“Wir haben mittlerweile 205 Episoden abgedreht. Und zeigen dort neben den Traditionen der Klubs und Spieler- und Faninterviews alles, was Deutschland ausmacht”, sagt Daray, der sich dann unter die Feiernden beim Karneval in Köln mischt, eine Maß beim Münchner Oktoberfest trinkt oder aber in die Zechen im Ruhrgebiet hinabfährt.

Die Verbindung zum Fußball steht immer im Vordergrund, der Sportjournalist bringt seinen Zuschauern sogar in einer Rubrik sogar Fußballbegriffe wie Abseits und Fallrückzieher bei. “Mittlerweile ist mein Deutsch so gut, dass ich auch ‘Mönchengladbach’ unfallfrei aussprechen kann”, berichtet der Argentinier mit einem Lachen.

Argentinische Stars spielen nicht in Deutschland

Weil Spitzenspieler wie Lionel Messi, Kun Aguero oder Paulo Dybala in Spanien, England oder Italien kicken, in der Bundesliga aber nur die zweite Garde wie die beiden Leverkusener Lucas Alario und Exequiel Palacios oder Santiago Ascacibar von Hertha BSC Berlin, ist das Interesse in Argentinien an der Bundesliga grundsätzlich niedriger. “In Spanien zum Beispiel liegt der Fokus auch viel mehr auf den Spielern, in Deutschland dagegen zählt der Klub und die Liga mehr”, betont Ezequiel Daray.

Leverkusens Lucas Alario lief bisher sieben Mal für Argentinien auf und erzielte dabei drei Treffer

Für den Argentinier ist der deutsche Fußball ein Spiegelbild der Gesellschaft, eine einzigartige Kombination aus Ordnung und Leidenschaft. “Wir Lateinamerikaner denken ja bei den Deutschen immer an den Ingenieur aus Stuttgart, der um 8 Uhr abends ins Bett geht und den ganzen Tag arbeitet. Aber wir haben gemerkt, dass das nicht so ist, und dies versuchen wir auch, in unserer Sendung zu zeigen.”

Anders als das Klischee vom “Deutschen”

Natürlich sei der Deutsche ordentlich, diszipliniert und sparsam, aber gleichzeitig auch leidenschaftlich und jederzeit bereit, viel Geld auszugeben für etwas, für das er Feuer fängt. Das Fazit des Argentiniers: “Der Fußball hier vereint die einzigartige Infrastruktur der Stadien, die exzellente Organisation durch die Deutsche Fußball-Liga und die verrückten und frenetischen Fans, die sich fantastische Choreografien ausdenken und ihren Verein 90 Minuten lang nach vorne peitschen.”

Nicht nur Fox Sports machte vor dem Bundesliga-Spieltag, der in sage und schreibe 211 Länder übertragen wurde, mächtig Werbung für den deutschen Fußball. Auch die größten Tageszeitungen wie “Clarín” und “La Nación” oder das Online-Portal “Olé” trommelten für Manuel Neuer, Mats Hummels, Timo Werner und Co.

Interesse nicht nur bei Top-Spielen

Der argentinische Sportjournalist Eduardo Eschoyez ließ sich gerne mitreißen. Zum einen berufsbedingt, weil er seit 34 Jahren über die beiden größten Fußballklubs in Córdoba, Talleres und Belgrano, mit allen Details berichtet und den Fußball liebt. Aber auch, weil Eschoyez sehen wollte, wie die Deutschen das wohl mit dem Fußball in Zeiten von Corona hinbekommen.

“Durch den Kontakt können sich die Spieler natürlich trotzdem anstecken” – Eduardo Eschoyez

“Der jetzige Fußball rollt ja vor allem wegen finanzieller Interessen, die TV-Rechte bestimmen über das Spiel”, erklärt Eschoyez, der Anblick der Leere war allerdings auch für ihn mehr als gewöhnungsbedürftig. “Ein Stadion ohne Zuschauer ist natürlich außerordentlich kalt. Aber es ist doch so: Einerseits sind zwar keine Zuschauer auf den Tribünen, andererseits hat sich das virtuelle Interesse mit Millionen vor den Bildschirmen multipliziert.”

Und so erzielt in Corona-Zeiten selbst eine Partie aus der unteren Tabellenhälfte wie Köln gegen Mainz, die sonst nur die wenigsten Argentinier hinter dem Ofen hervorlocken würde, fantastische Einschaltquoten. Und sogar die 2. Bundesliga flimmert in diesen Tagen über die Bildschirme der argentinischen Wohnzimmer.

Blaupause Deutschland

Wie viele Argentinier schätzt Eduardo Eschoyez das hohe Niveau der Bundesliga, die perfekte Infrastruktur und den respektvollen Umgang der Fans – in Argentinien dürfen die Auswärtsfans seit 2013 nach Dutzenden Toten nur mit wenigen Ausnahmen zu den Spielen im fremden Stadion pilgern. Vom deutschen Fußball angesteckt wurde Eschoyez durch die Fußball-Weltmeisterschaft 1974, sagt er: “Meine Mutter hat sich erschrocken, weil ihr neunjähriger Sohn lieber Stunden vor dem Fernseher verbringen wollte als draußen mit den anderen Kindern zu spielen.”

Claudio Fabián Tapia, Präsident des Argentinischen Fußball-Verbandes AFA

Auch die verbliebenen acht Spieltage der Bundesliga werden wohl zum Quotenrenner in Argentinien werden. Der argentinische Fußballverband AFA hat die eigene Saison nämlich in allen Kategorien für beendet erklärt. Spekuliert wird noch mit einer Rückkehr zum Spielbetrieb im August oder September, obwohl sich der Tourismus- und Sportminister Matías Lammens jüngst für eine Wiederaufnahme der Superliga in den Provinzen stark machte. Denn 90 Prozent der Corona-Infektionen treten im Großraum Buenos Aires auf.

Doch die Blaupause Deutschland für Fußball in Corona-Zeiten wird in Argentinien in einem Punkt sowieso nicht funktionieren, da ist sich Eschoyez sicher: “Die Leidenschaft hier ist so groß, dass die Fans sich scharenweise vor den Stadien versammeln werden. Und das natürlich, ohne den nötigen Abstand zu wahren.”


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    1. Gerd Müller – 365 Tore

    Der Torrekord des “Bombers” ist und bleibt unerreichbar. Zwischen 1965 und 1979 lief er in der Bundesliga ausschließlich für den FC Bayern auf. Er gewann dabei viermal die deutsche Meisterschaft. Gleich siebenmal war Müller Torschützenkönig. In fünf Spielzeiten schoss er mehr Tore, als er Spiele absolvierte. In der Saison 1971/72 erzielte Müller 40 Treffer – auch das bis heute ein Rekord.


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    2. Klaus Fischer – 268 Tore

    Mit mehr als 100 Bundesliga-Spielen mehr, aber 97 Toren weniger auf dem Konto als Müller, ist Klaus Fischer die Nummer zwei. Die meisten seiner Treffer erzielte Fischer im Trikot des FC Schalke 04 (182). Außerdem war er für den TSV 1860 München, den 1. FC Köln und den VfL Bochum aktiv. Fischers Bundesliga-Karriere dauerte 20 Jahre (1968 – 1988).


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    3. Robert Lewandowski – 228 Tore*

    Zwar träumte der Pole lange Zeit von einem Wechsel zu Real Madrid, doch da der Transfer nie zustande kam, ist Lewandowski mittlerweile zu einer Institution in der Bundesliga geworden. Seinen 74 Treffern in vier Spielzeiten für Borussia Dortmund (2010-2014) fügte er seit seinem Wechsel zum FC Bayern 154 weitere Tore hinzu. Und seine Torejagd ist noch nicht zu Ende. (*Stand: 18.05.2020)


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    4. Jupp Heynckes – 220 Tore

    Bevor Heynckes als Trainer große Erfolge feierte, war er einer der besten deutschen Stürmer. Vierzehn Jahre lang spielte er in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach (1965-1967 und 1970-1978) und Hannover 96 (1967-1970). Heynckes ist mit 195 Toren der Rekordschütze der Mönchengladbacher. Hier erlebte er als Teil der “Fohlen-Elf” seine erfolgreichste Zeit und wurde viermal deutscher Meister.


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    5. Manfred Burgsmüller – 213 Tore

    Zwischen 1967 und 1990 beschäftigte das Schlitzohr “Manni” Burgsmüller die gegnerischen Verteidiger mit seinen Dribblings. Er spielte für Essen, Dortmund, Nürnberg und Bremen in der Bundesliga und ist mit 135 Toren Rekordschütze des BVB. Nach seiner Fußball-Karriere war Burgsmüller sechs Jahre lang Kicker des American-Football-Teams Rhein Fire. Im Mai 2019 starb er im Alter von 69 Jahren.


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    6. Claudio Pizarro – 197 Tore*

    1999 kam der Peruaner als 20-Jähriger zu Werder Bremen. Mit Ausnahme eines kurzen Intermezzos beim FC Chelsea, ist “Pizza” der Bundesliga seitdem treu geblieben. Zweimal wechselte er von Bremen zum FC Bayern (2001 und 2012). Nach einer Saison in Köln schloss der heute 41-Jährige sich 2019 zum insgesamt fünften Mal dem SV Werder an, wo seine Karriere im Sommer 2020 endet. (*Stand 18.05.2020)


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    7. Ulf Kirsten – 181 Tore

    “Der Schwatte”, wie er genannt wurde, war schon bei Dynamo Dresden in der DDR-Oberliga ein gefährlicher Torjäger. 1990 wechselte Kirsten zu Bayer 04 Leverkusen. Er hielt der Werkself bis zum Karriereende im Jahr 2003 die Treue und lief insgesamt 350 Mal für Leverkusen in der Bundesliga auf. Kirsten gewann dreimal die Torjäger-Kanone der Liga.


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    8. Stefan Kuntz – 179 Tore

    Bochum, Uerdingen, Kaiserslautern, noch einmal Bochum und schließlich Bielefeld – Stefan Kuntz spielte nie für einen der großen Bundesliga-Klubs. Trotzdem war der heutige U21-Nationaltrainer 1986 in Bochum Torschützenkönig. 1994 sicherte er sich in Diensten des FCK seine zweite Torjägerkanone. Mit Kaiserslautern feierte Kuntz auch seine größten Erfolge: DFB-Pokalsieg 1990 und Meisterschaft 1991.


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    9. Dieter Müller – 177 Tore

    Dieter Müller hält bis heute einen Bundesliga-Rekord: Am 17. August 1977 erzielte er beim 7:2-Sieg des 1. FC Köln gegen Werder Bremen sechs Tore. Außer mit dem FC, war Müller auch für Offenbach, Stuttgart und Saarbrücken in der Bundesliga aktiv, die längste Zeit jedoch in Köln. Zwischen 1977 und 1986 machte Müller insgesamt 303 Bundesliga-Spiele.


  • Die Top-Torjäger der Bundesliga

    10. Klaus Allofs – 177 Tore

    Als Klaus Allofs 1981 als Nachfolger von Dieter Müller aus Düsseldorf zum 1. FC Köln wechselte, bedeutete seine Ablösesumme von 2,25 Millionen Mark (1,15 Millionen Euro) einen Bundesliga-Rekord. Er erzielte mit 177 genauso viele Bundesliga-Tore wie sein Vorgänger, benötigte aber 121 Spiele mehr als Müller. Nach einigen Jahren in Frankreich, spielte Allofs auch noch für Bremen in der Bundesliga.

    Autorin/Autor: Andreas Sten-Ziemons