Mord-Krimi in Lesotho: Der Premier und seine Frauen

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In Lesotho geht ein Polit-Thriller in die nächste Runde. Die Polizei erhebt Anklage gegen Premier Thabane – wegen Mordes an seiner Ex-Frau. Zuvor wurde bereits die First Lady angeklagt. Aus Maseru, Adrian Kriesch.

Der Amtssitz des Premierministers im Königreich Lesotho ist ein schicker, moderner Bau. Ein Geschenk Chinas – genau wie das Parlamentsgebäude und das Kongresszentrum. Am meisten los ist am Dienstagmorgen ganz klar am Amtssitz des Premierministers. Freunde und Unterstützer der First Lady Maesaiah Thabane haben sich versammelt, die Stimmung ist ausgelassen. Dabei ist die First Lady gerade vom Gericht zurückgekommen, wo sie auf der Anklagebank saß. Der Tatvorwurf: Mord.

Die Geschichte aus dem Jahr 2017 kennt in Lesotho so gut wie jeder. Am 14. Juni wird Lipolelo Thabane, die damalige Frau von Premierminister Thomas Thabane, auf dem Heimweg in ihrem Auto überfallen und erschossen. Schon lange hatten sie und ihr Ehemann getrennt voneinander gelebt, doch Lipolelo Thabane wollte sich nicht scheiden lassen.

Sehr zum Unmut ihres Mannes, der mittlerweile eine neue Frau geheiratet hatte: Maesaiah Thabane. Ein Gericht urteilte, dass die neue Ehefrau nicht alle Privilegien einer First Lady haben könne, wenn der Premierminister weiter mit einer anderen Frau verheiratet bleibe. Zwei Tage vor dessen zweiter Amtseinführung stirbt Lipolelo Thabane, seitdem brodelt die Gerüchteküche im Königreich.

Der Mord an der ehemaligen First Lady ist seit Monaten das große Thema in den Zeitungen des Landes

Die angerufene Nummer gehört ihnen”

Im Dezember 2019 schreibt der Polizeichef an den Premierminister, dass er unter anderem beim FBI nach Unterstützung bei den Ermittlungen gefragt habe. Und er schreibt: “Unsere Ermittlungen haben ergeben, dass vom Tatort telefonisch kommuniziert wurde. Die angerufene Nummer gehört ihnen.”

Thabane setzt alle Hebel in Bewegung, um den Polizeichef abzusetzen. Doch seine Versuche scheitern, ebenso wie eine Aufforderung an den Armeechef, ihn festzunehmen. Stattdessen stellt ein Gericht einen Haftbefehl gegen die neue First Lady aus – und die Polizei stürmt den Amtssitz des Premierministers.

“Das erste Mal reagiert die Polizei in so einer Art, was positiv ist”, sagt Francis Kopano Makoa. Der ehemalige Universitätsprofessor hat in seinem Heimatland schon viel erlebt: versuchte Staatsstreiche, massive Korruptionsfälle, Morde an Politikern und Armeechefs. “Vorher wurde die Polizei ständig eingeschüchtert und war nicht mutig genug, sich so eines Falles anzunehmen”, sagt der Politikwissenschaftler. “Viele Verbrechen werden nicht untersucht. Wenn alle Fälle hier verfolgt würden, müsste die gesamte Regierungselite von der Polizei verhört werden.”

First Lady Maesaiah Thabane am Dienstag vor Gericht in Maseru

Party im State House – mit dem Premierminister

Im Amtssitz des Premierministers wollen wir über die Vorwürfe sprechen – und zwar mit der First Lady selbst. Sie empfängt uns in der riesigen Eingangshalle, trägt einen Designer-Hut von Dior. Sie selbst möchte jedoch nicht sprechen, auf Anraten ihrer Anwälte. Aber es werde jemand für sie sprechen, wir sollen ihr folgen. Draußen, hinter dem Gebäude, läuft Musik von einem Lautsprecherwagen. Menschen in T-Shirts der Regierungspartei ABC unterhalten sich vergnügt, der kleine Hund der First Lady wuselt zwischen ihren Beinen.

An einer Hauswand, auf einem Campingstuhl, sitzt Premierminister Thomas Thabane und schaut in die Menge. Vor ihm stehen zwei schwere Motorräder, die man eher vor einem Rockerclub erwartet. Der 80-Jährige sieht müde aus – Ende Juli will er wegen seines hohen Alters zurücktreten. Er winkt nett zum Gruß, doch sprechen können wir auch mit ihm nicht. Stattdessen bringt die First Lady persönlich Gesprächspartner in einen Raum: einen politischen Verbündeten, eine Haus-Angestellte, zwei Söhne des Premierministers, eine gute Freundin und die Chefin ihrer Stiftung.

Der Prozess gegen Maesaiah Thabane wurde am Dienstag nach nur fünf Minuten vertragt – zur Freude ihrer Anhänger

Einer nach dem anderen erzählen sie, welch gute Arbeit sie als First Lady geleistet habe. Das sie unschuldig sei. Warum sie dann kurz nach dem Haftbefehl im Ausland abtauchte? “Ihr Sicherheitspersonal wurde einfach abgezogen. Da kann sich doch jeder vorstellen, was passieren wird”, sagt Potlako Thabane, ein Sohn des Premierministers.Sie hat nur versucht, sich selbst zu schützen.” Das sei alles eine politische Kampagne – und der Bösewicht der Polizeichef.

Totaler Blödsinn”

Mathibeli Mokhothu, Oppositionsführer in Lesotho

Politikwissenschafler Francis Makoa nennt das “totalen Blödsinn”. Am Freitag wurde nun auch Mord-Anklage gegen den Premierminister selbst erhoben, auf dem Kontinent einmalig. Thomas Thabane erschien allerdings nicht zum angesetzten Gerichtstermin. “Die Menschen haben doch kein Vertrauen in die Regierung mehr”, sagt der Chef der Opposition im Parlament, Mathibeli Mokhothu. “Die Regierungsparteien zerfallen, für die Menschen ändert sich nichts. Die Entwicklung des Landes ist im Stillstand.”

Der Gerichtsprozess am Dienstag wurde nach nur fünf Minuten auf den nächsten Monat verschoben. Die Polizei brauche mehr Zeit für Ermittlungen und will weitere Verdächtige festnehmen. Im Saal jubeln die Anhänger der First Lady. “Wenn du einen guten Job machst, landest du im heißen Wasser”, sagt Nteborose Ralekuku. Die Verhandlung dürfte sich monatelang hinziehen – und die Stabilität im Land bedrohen. Erst 2014 gab es in Lesotho einen versuchten Staatsstreich – gegen Premierminister Thomas Thabane.