Freiheit, die ich meine …

0
41

Freiheit wird heute oft missverstanden als freier Zugang zu Wohlstandsgütern. Es gibt aber auch eine andere, völlig neue Freiheit.

Ich habe keine Vorurteile

Was ist Freiheit? 
Wie kann ich Jugendlichen im Konfirmandenalter verdeutlichen, was Freiheit ist?
Wie lernen sie, dass sie immer wieder gefährdet ist, beschränkt und missbraucht zu werden?
Wie begreifen sie, dass die eigene Freiheit nur sinnvoll ist, wenn ich sie meinem Gegenüber ebenso gewähre?

Wie nutzen die Jugendlichen heute ihre Freiheiten?
Computerspielend? Über den Bildschirm des Smartphones wischend mit Kopfhörern in den Ohren?
Beobachtungen im Bus oder in der Straßenbahn lassen Schreckliches ahnen.
Ich weiß, ich darf das nicht verallgemeinern. Aber dass es Manipulationen durch Werbung auf Facebook gibt, ist unbestritten. Dass Filme, speziell Serien, Fernsehshows und Computerspiele so gestaltet werden, dass sie uns möglichst lange von sinnvolleren Beschäftigungen abhalten, ist gewiss.
Auch die Begeisterung für scheußliche T-Shirt-Designs und zwei Tonnen schwere Fahrzeuge ist das Ergebnis subtiler Werbekampagnen.
Vorsicht – das betrifft gerade weniger die Jugendlichen. Das betrifft eher mich als Zielobjekt für Oldie-Musik, SUVs und Kreuzfahrten.
Ganz dünnes Eis also – wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Die wunderbaren Jahre

Aber gesetzt den Fall, ich habe diesen Bannkreis durchbrochen, was wäre dann eine sinnvollere Beschäftigung? Die Welt retten? 

Es wurde nur immer wieder als Generationenkonflikt abgetan. Meine Altersgenossen hatten sich Love, Peace und Happiness auf die bunten Fahnen geschrieben, um die Welt zu verbessern. Etwa 20 Jahre später hatte die Jugend den Punk und „No Future“ in die Welt hinaus geschrien, um etwas zu ändern.
Und heute ruft Greta Thunberg uns allen entgegen: „How dare you?!“ Wie könnt ihr es wagen, diesen Planeten zu zerstören!

Ich bin gerne mit Menschen im Gespräch, die diese entscheidenden Jahre zwischen 13 und 20 nicht vergessen haben. Wenn man rebellisch ist und alles auf die Goldwaage legt. Wenn man es sich wagt, Gedanken auszusprechen, die die Welt verändern sollen und andere damit vielleicht verletzt.
Bei aller Unbequemlichkeit ist das die große Chance, sich in dieser Welt zu positionieren.

Auch ich habe diese Chance genutzt, um zu fragen, was eine Grundlage für mein Leben sein kann. Und plötzlich sortierte sich alles neu.
Mich atheistisch aufgewachsenen Burschen hat damals ein Freund mit in den Jugendkreis der Kirchgemeinde eingeladen. Dort traf ich Gleichalterige, die mich neugierig machten. Am Ende begann ich sogar Bibel zu lesen. 
Obwohl ich mein naturwissenschaftliches Weltbild behalten wollte, ging mir die Frage: „Was würde Jesus dazu sagen?“ von Pastor Martin Niemöller nicht aus dem Kopf.

Die Freiheit eines Christenmenschen

Diesen Jesus stellte ich mir sehr menschlich vor. Geschichten hat er erzählt und Entscheidungen vorgelebt. Die waren mir wichtiger als der Streit um eine Jungfrauengeburt oder die Schöpfung in sieben Tagen.

Ich verstand, dass meine christlichen Werte mich herauslösen aus fremd bestimmten Lebensumständen. Sie machen mich kritisch gegen den Zeitgeist und parteipolitische Gedankengebilde. Ich hatte eine mächtige Freiheit gefunden.
Und die würde ich um nichts in der Welt wieder eintauschen.
Denn diese Art Freiheit nimmt mir die Angst und befreit mich etwas zu tun, dass meinem „Nächsten“, dem Ort in dem ich wohne, diesem Land und dem ganzen Erdball zu Gute kommt. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst und sei Täter des Wortes.
Das ist die Freiheit, zu der ich den jungen Leuten eine Tür öffnen möchte. 

Pfarrer Gerhard Richter war bis 2019 Referent für die Partnerschaften mit Tansania im Leipziger Missionswerk.