“Klimahysterie” ist Unwort des Jahres 2019

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Diffamierend und irreführend: Die Wortneuschöpfung “Klimahysterie” stempele Klimaschützer als nervenschwach und aufbrausend ab, so die Jury. Grund genug, den Begriff zum Unwort des Jahres zu küren.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2019: Klimahysterie

    2018 lag das Klima zwar auch schon im Argen, aber seitdem Greta Thunberg die weltweite “Fridays for Future”-Bewegung ins Rollen brachte, ist der Klimawandel in aller Munde. Und zwar so oft, dass Spötter und Kritiker despektierlich das Wort “Klimahysterie” prägten.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2018: “Anti-Abschiebe-Industrie”

    Diesen Begriff prägte der CSU-Politiker Alexander Dobrindt im Mai 2018 in einem Interview zur Asyldebatte. Die Jury unter Leitung von Nina Janich (Foto) kürte den Ausdruck zum “Unwort des Jahres”, weil Dobrindt damit denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützten, die Absicht unterstelle, auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen zu wollen, um damit Geld zu verdienen.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2017: “Alternative Fakten”

    Wer kennt sie nicht – die “alternativen Fakten” von US-Präsident Trump. Erstmals nahm seine Beraterin Kellyanne Conway im Januar 2017 diese Worte in den Mund, um in der Polit-Talksendung “Meet the Press” eine falsche Aussagen des damaligen Pressesprechers des Weißen Hauses, Sean Spicer, zu rechtfertigen: Es ging darum, dass die Amtseinführung Trumps angeblich die bestbesuchte überhaupt war.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2016: Volksverräter

    Das Unwort des Jahres 2016 wurde aus 594 Vorschlägen ausgewählt. Diese Vokabel “ist ein typisches Erbe von Diktaturen, vor allem der Nationalsozialisten”, urteilte die Jury 2016. Als Vorwurf gegenüber Politikern (hier: Sören Herbst von Bündnis 90/Die Grünen) sei das Wort diffamierend und und würge die für die Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft ab.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2015: Gutmensch

    Im Jahr 2015 spaltete die Flüchtlingsdebatte die Nation. Der Duden definiert jemanden als “Gutmensch”, “der sich in einer als unkritisch, übertrieben oder nervtötend empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält”. Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer so zu beschimpfen, diffamiere “Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd”, urteilte die Jury.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2014: Lügenpresse

    Es gibt Begriffe, die nach Ansicht von Sprachkritikern niemand in den Mund nehmen sollte. Dazu gehört “Lügenpresse”: Das Wort diente bereits im Ersten Weltkrieg als Kampfmittel, die Nationalsozialisten diffamierten so unabhängige Medien, und zuletzt schrieben Anhänger der Pegida-Bewegung das Wort auf ihre Plakate. Eine solch pauschale Verurteilung gefährde die Pressefreiheit, befand die Jury.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2013: Sozialtourismus

    “Mit dem Begriff wird von einigen Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht”, war sich die Jury bei der Wahl des Unworts 2013 einig. Man unterstelle ihnen, Sozialleistungen abgreifen zu wollen. Die Kombination aus “sozial” und „Tourismus“ sei besonders polemisch, weil es suggeriere, die Zuwanderung aus Not sei eine Vergnügungsreise.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2012: Opfer-Abo

    Geprägt wurde der Begriff von dem prominenten Wetter-Moderator Jörg Kachelmann. Nachdem er in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen worden war, beklagte er sich in einem Interview, Frauen hätten in der Gesellschaft ein “Opfer-Abo”. Die Jury (Bild: Nina Janich) kritisierte, dass er damit Frauen “pauschal und in inakzeptabler Weise” unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2011: Döner-Morde

    Jahrelang kursierte das Wort, um die Morde an acht türkischen und einem griechischen Unternehmer zu benennen. Man ging man von einer internen Fehde aus und verkannte, dass die Mordserie von der rassistischen Terrorgruppe NSU verübt wurde. Mit dem Wort “Döner”, einer türkischen Speise, habe man rassistisch eine ganze Bevölkerungsgruppe bezeichnet und die Opfer diskriminiert, so die Jury.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2010: alternativlos

    Geprägt wurde der Begriff von Kanzlerin Angela Merkel in Bezug auf die Finanzhilfe für das bankrotte Griechenland. Später sei das Wort “alternativlos” von Politikern inflationär gebraucht worden, so die Jury. Es suggeriere fälschlicherweise, “dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation” gebe.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2009: betriebsratsverseucht

    In einer Fernsehsendung hatte der Angestellte eines Unternehmens öffentlich erklärt, dass Abteilungsleiter dieses Wort für Arbeitnehmer verwenden, die sich im Betriebsrat für ihre Interessen einsetzen. “Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen stört zwar viele Unternehmen, sie als ‘Seuche’ zu bezeichnen, ist indes ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen”, befand die Jury 2009.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2008: Notleidende Banken

    Der Begriff stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf, begründete die Jury 2008 ihre Wahl. Die Banken seien mit ihrer Finanzpolitik die Verursacher der Krise, die Last hätten aber die Steuerzahler zu tragen. Die Banken als notleidende Opfer zu stilisieren, entspreche nicht der Realität.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2007: Herdprämie

    Das Betreuungsgeld, das Eltern erhalten, die ihre Kinder zuhause erziehen, wurde von Kritikern der Finanzspritze in “Herdprämie” umgetauft. Damit degradiere man vor allem Frauen, auch solche, die der Kindererziehung zuliebe ihre Karriere unterbrechen oder aufgeben zu “Heimchen am Herd”, befand die Jury und kürte das Wort zum schlimmsten sprachlichen Missgriff des Jahres 2007.

    Autorin/Autor: Suzanne Cords


  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2019: Klimahysterie

    2018 lag das Klima zwar auch schon im Argen, aber seitdem Greta Thunberg die weltweite “Fridays for Future”-Bewegung ins Rollen brachte, ist der Klimawandel in aller Munde. Und zwar so oft, dass Spötter und Kritiker despektierlich das Wort “Klimahysterie” prägten.

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    2018: “Anti-Abschiebe-Industrie”

    Diesen Begriff prägte der CSU-Politiker Alexander Dobrindt im Mai 2018 in einem Interview zur Asyldebatte. Die Jury unter Leitung von Nina Janich (Foto) kürte den Ausdruck zum “Unwort des Jahres”, weil Dobrindt damit denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützten, die Absicht unterstelle, auch kriminell gewordene Flüchtlinge schützen zu wollen, um damit Geld zu verdienen.

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    2017: “Alternative Fakten”

    Wer kennt sie nicht – die “alternativen Fakten” von US-Präsident Trump. Erstmals nahm seine Beraterin Kellyanne Conway im Januar 2017 diese Worte in den Mund, um in der Polit-Talksendung “Meet the Press” eine falsche Aussagen des damaligen Pressesprechers des Weißen Hauses, Sean Spicer, zu rechtfertigen: Es ging darum, dass die Amtseinführung Trumps angeblich die bestbesuchte überhaupt war.

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    2016: Volksverräter

    Das Unwort des Jahres 2016 wurde aus 594 Vorschlägen ausgewählt. Diese Vokabel “ist ein typisches Erbe von Diktaturen, vor allem der Nationalsozialisten”, urteilte die Jury 2016. Als Vorwurf gegenüber Politikern (hier: Sören Herbst von Bündnis 90/Die Grünen) sei das Wort diffamierend und und würge die für die Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft ab.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2015: Gutmensch

    Im Jahr 2015 spaltete die Flüchtlingsdebatte die Nation. Der Duden definiert jemanden als “Gutmensch”, “der sich in einer als unkritisch, übertrieben oder nervtötend empfundenen Weise im Sinne der Political Correctness verhält”. Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer so zu beschimpfen, diffamiere “Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd”, urteilte die Jury.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2014: Lügenpresse

    Es gibt Begriffe, die nach Ansicht von Sprachkritikern niemand in den Mund nehmen sollte. Dazu gehört “Lügenpresse”: Das Wort diente bereits im Ersten Weltkrieg als Kampfmittel, die Nationalsozialisten diffamierten so unabhängige Medien, und zuletzt schrieben Anhänger der Pegida-Bewegung das Wort auf ihre Plakate. Eine solch pauschale Verurteilung gefährde die Pressefreiheit, befand die Jury.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2013: Sozialtourismus

    “Mit dem Begriff wird von einigen Politikern und Medien gezielt Stimmung gegen unerwünschte Zuwanderer, insbesondere aus Osteuropa, gemacht”, war sich die Jury bei der Wahl des Unworts 2013 einig. Man unterstelle ihnen, Sozialleistungen abgreifen zu wollen. Die Kombination aus “sozial” und „Tourismus“ sei besonders polemisch, weil es suggeriere, die Zuwanderung aus Not sei eine Vergnügungsreise.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2012: Opfer-Abo

    Geprägt wurde der Begriff von dem prominenten Wetter-Moderator Jörg Kachelmann. Nachdem er in einem Vergewaltigungsprozess freigesprochen worden war, beklagte er sich in einem Interview, Frauen hätten in der Gesellschaft ein “Opfer-Abo”. Die Jury (Bild: Nina Janich) kritisierte, dass er damit Frauen “pauschal und in inakzeptabler Weise” unter den Verdacht stelle, sexuelle Gewalt zu erfinden.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2011: Döner-Morde

    Jahrelang kursierte das Wort, um die Morde an acht türkischen und einem griechischen Unternehmer zu benennen. Man ging man von einer internen Fehde aus und verkannte, dass die Mordserie von der rassistischen Terrorgruppe NSU verübt wurde. Mit dem Wort “Döner”, einer türkischen Speise, habe man rassistisch eine ganze Bevölkerungsgruppe bezeichnet und die Opfer diskriminiert, so die Jury.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2010: alternativlos

    Geprägt wurde der Begriff von Kanzlerin Angela Merkel in Bezug auf die Finanzhilfe für das bankrotte Griechenland. Später sei das Wort “alternativlos” von Politikern inflationär gebraucht worden, so die Jury. Es suggeriere fälschlicherweise, “dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation” gebe.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2009: betriebsratsverseucht

    In einer Fernsehsendung hatte der Angestellte eines Unternehmens öffentlich erklärt, dass Abteilungsleiter dieses Wort für Arbeitnehmer verwenden, die sich im Betriebsrat für ihre Interessen einsetzen. “Die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen stört zwar viele Unternehmen, sie als ‘Seuche’ zu bezeichnen, ist indes ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen”, befand die Jury 2009.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2008: Notleidende Banken

    Der Begriff stelle das Verhältnis von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise auf den Kopf, begründete die Jury 2008 ihre Wahl. Die Banken seien mit ihrer Finanzpolitik die Verursacher der Krise, die Last hätten aber die Steuerzahler zu tragen. Die Banken als notleidende Opfer zu stilisieren, entspreche nicht der Realität.

  • “Opfer-Abo”, “Lügenpresse” oder Klimahysterie”: Unworte des Jahres von 2007 bis 2019

    2007: Herdprämie

    Das Betreuungsgeld, das Eltern erhalten, die ihre Kinder zuhause erziehen, wurde von Kritikern der Finanzspritze in “Herdprämie” umgetauft. Damit degradiere man vor allem Frauen, auch solche, die der Kindererziehung zuliebe ihre Karriere unterbrechen oder aufgeben zu “Heimchen am Herd”, befand die Jury und kürte das Wort zum schlimmsten sprachlichen Missgriff des Jahres 2007.

    Autorin/Autor: Suzanne Cords


Mit der Kürung des jährlichen Unworts spiegeln sich der Zeitgeist und die aktuelle politische Debatte wider. Kaum ein Thema bewegte die Menschen 2019 so sehr wie der Klimaschutz: Friday-for-Future-Demonstrationen, Greta Thunberg, Weltklimagipfel und verherrendere Klimakatastophen. Folgerichtig entschied sich die Jury der sprachkritischen Aktion für “Klimahysterie”, ein Wort, das “Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung diffamiert und Debatten diskreditiert”. Der Ausdruck würde “das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose” pathologisieren. “Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel ist das Wort zudem irreführend und stützt in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen”, sagte Nina Janich, Sprecherin der sprachkritischen Aktion. In der politischen Debatte des vergangenen Jahres war der Begriff häufig von AfD-Politikern genutzt worden.

Klimapolitische Wortneuschöpfungen

Wie in jedem Jahr waren alle Bürger dazu aufgerufen, Vorschläge für das “Unwort des Jahres” einzureichen. Dabei sei “Klimahysterie” neunmal eingesandt worden, wie überhaupt Einsendungen rund um Ökologie und Umweltschutz stark zugenommen hätten, so Janich. Zu den weiteren Vorschlägen zählten beispielsweise die Begriffe “Ökodiktatur”, “Ökofaschismus”, “Ökoterrorismus”, “Klimaabsolutismus”, “CO2-Gläubige”, “CO2-Jünger” oder “Klimakirche”. Insgesamt gab es 671 Einsendungen mit 397 Vorschlägen. 

Das jährliche Unwort wird seit 1991 gekürt. Die fünfköpfige Jury besteht aus Sprachwissenschaftlern der Technischen Universität Darmstadt und Journalisten, die im jährlichen Wechsel mit einem weiteren Sprachexperten ergänzt wird – in diesem Jahr war der in Deutschland sehr populäre Kabarettist Urban Priol mit von der Partie.

Die Aktion soll “in erster Linie als Anregung zu mehr sprachkritischer Reflexion” dienen. In den vergangenen Jahren waren beispielsweise “alternative Fakten” (2017), “Gutmensch” (2015) oder “Döner-Morde” (2011) zum Unwort des Jahres gekürt worden.

woy/suc (mit dpa/KNA)