Xi verspricht Griechenland “neue Chancen”

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Warum besucht der Präsident Chinas, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, einen Staat, dessen Wirtschaftskraft kleiner ist als die des deutschen Bundeslandes Hessen? Weil das kleine Land großen Nutzen verspricht.

Begrüßung durch den griechischen Ministerpräsidenten Mitsotakis (links)

Wenn der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping über Safran über Schafskäse sprechen, dann ist dies kein Smalltalk zwischen den Gängen eines erlesenen Menüs. Die Südosteuropäer verbinden mit dem Besuch des Gastes aus Asien große Hoffnungen – und es geht um viel Geld. Der riesige chinesische Markt lockt für den Export landwirtschaftlicher Produkte, und das staatliche Elektrizitätswerk DEI, so eine weitere Erwartung, könnte im Reich der Mitte einen neuen Besitzer finden.

Peking hat weitaus mehr als Nahrungsmittel aus Europa im Blick: Es geht um eine feste Basis für die eigenen Wirtschaftsaktivitäten in der EU – eingebettet in eine globale Strategie, in deren Rahmen die Volksrepublik mit großer Voraussicht chinesische Claims in weiten Teilen der Welt, von der Arktis bis zu rohstoffreichen Gebieten Afrikas, absteckt.

Chinas Drehscheibe für EU-Exporte

Die Zusammenarbeit zwischen China und Griechenland werde vertieft, betonten Xi und Mitsotakis im Anschluss an ihr Treffen. “Es ist eine neue Ära in unseren Beziehungen”, so der Gastgeber. China sei wirtschaftsfreundlich und biete “allen Ländern neue Chancen”, erwiderte Xi.

Chinas Präsident Xi mit seinem griechischen Amtskollegen Pavlopoulos in Athen

Athen und Peking unterzeichneten im Rahmen des Besuchs 16 Abkommen in den Bereichen Energie, Tourismus, Justiz und Kultur. Kern der chinesischen Präsenz im EU-Land Griechenland ist der Hafen von Piräus, einem der größten Seehäfen im Mittelmeerraum. Der chinesische Transportriese COSCO hat dort bereits 800 Millionen Euro investiert und den Hafen zur Drehscheibe chinesischer Exporte in die EU gemacht – im Rahmen des chinesischen Projekts “Neue Seidenstraße”, das China mit dem Westen Eurasiens verbinden soll.

Geldfluss in schweren Zeiten

In den kommenden Jahren wollen die Chinesen weitere 600 Millionen Euro in Piräus investieren, den Containerhafen weiter ausbauen und verstärkt auch in Hotellerie und Kreuzfahrten einsteigen. Der griechische Premier zeigte sich dankbar: Er erinnerte daran, dass China einer der wenigen Staaten war, die während der schweren Finanzkrise der vergangenen Jahre in Griechenland investiert hatten.

Fest in chinesischer Hand: der Hafen von Piräus, der größte Seehafen Griechenlands (Archivbild)

Politische Beobachter in Athen vermuten, dass China in Griechenland nicht nur wirtschaftliche Erfolge anstrebt, sondern das südeuropäische Land noch aus einem anderen Grund hofiert: Ziel könnte es sein, die Regierung in Athen als Fürsprecher für die chinesischen Interessen innerhalb der Europäischen Union zu gewinnen.

jj/qu (dpa, afp)