Die US-Armee in Deutschland: Zahlen und Fakten

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US-Präsident Trump droht damit, amerikanische Truppen aus Deutschland abzuziehen. Damit richtete er sich gegen eine seit über 70 Jahren bestehende Tradition. Die beiden Staaten haben seit Langem gemeinsame Interessen.

Lange Zeit war die Bundesrepublik Deutschland ein Frontstaat. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs grenzte sie direkt an einige der von der damaligen Sowjetunion beherrschten, kommunistisch regierten Staaten Osteuropas. So wurde Deutschland nach der Niederlage des “Dritten Reichs” zu einem wichtigen Bestandteil der US-Verteidigungsstrategie in Europa. Insbesondere während der von 1945 bis 1955 andauernden alliierten Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg waren rund 400.000 ausländische Soldaten in Deutschland stationiert, die Hälfte von ihnen Amerikaner.

Zwar ist die Truppenzahl seitdem drastisch gesunken, doch ist das US-Militär trotz des derzeitigen Streits um die Kosten der Stationierung in Deutschland weiterhin in bedeutender Zahl präsent. Auch besteht eine ganze Reihe von US-Militärbasen weiter.

Heute spiegelt sich die strategische Bedeutung Deutschlands für die USA in der Zentrale des “US European Command” (EUCOM), im Südwesten von Stuttgart gelegen. Sie ist die zentrale Koordinierungsstelle für alle amerikanischen Streitkräfte in 51 überwiegend europäischen Ländern.

Aufgabe des EUCOM ist es, die USA zu schützen und zu verteidigen. Dies geschieht, in dem die Kommandozentrale Konflikten so weit wie möglich vorbeugt, im Zweifel aber auch abschreckend wirkt. Außerdem unterstützt es das gemeinsame Verteidigungsbündnis NATO und wirkt transnationalen Bedrohungen entgegen. Unter dem Kommando von EUCOM stehen zudem die US Army Europe, die US Air Forces in Europa und die US Marine Corps Forces Europe, die alle über Niederlassungen in Deutschland verfügen.

Hoher Besuch: US-Präsident Donald Trump auf der Flugbasis Ramstein

Dimensionen eines Standorts

Insgesamt beherbergt Deutschland mit rund 38.600 Soldaten den größten Teil der US-Truppen in Europa. Allerdings variieren die Zahlen, da Truppenteile immer wieder in andere Länder verlegt werden. Dennoch ist Deutschland nach Japan das Land, in dem sich weltweit die größten Kontingente des US-Militärs aufhalten.

Allerdings sind die Zahlen in den letzten Jahren zurückgegangen. Angaben der Bundesregierung zufolge hat sich die Zahl der in Deutschland stationierten US-Truppen zwischen 2006 und 2018 von 72.400 auf 33.250 mehr als halbiert. Ursache des Rückgangs ist eine geänderte globale Sicherheitslage, auf die das US-Militär auch durch Truppenverlegungen reagiert hat.

Marinesoldaten, Soldaten und Luftstreitkräfte

Den vom US-Militär bekannt gegebenen Zahlen zufolge umfassen die fünf Garnisonen derzeit rund 29.000 Soldaten. Darin enthalten ist auch das “US Marine Corps of Europe and Africa” mit Sitz in Böblingen im Südwesten Deutschlands.

Darüber sind rund 9600 Angehörige der US-Luftwaffe an den verschiedenen Standorten in Deutschland präsent, so etwa an den beiden US-Luftwaffenbasen Ramstein und Spangdahlem.

Im Training: Soldaten auf dem US-Stützpunkt in Grafenwöhr

US-Militär in Deutschland: Mehr als nur Truppen

In den US-Militäreinrichtungen sind nicht nur Soldaten, sondern auch amerikanische Zivilisten beschäftigt. Außerdem bringen viele Armee-Angehörige ihre Familien mit nach Übersee. Auf diese Weise bilden sich um die US-Basen große zivile Gemeinschaften. Einige von ihnen, etwa die Flugbasis bei Ramstein, sind selbst zu kleinen Städten geworden. Zu ihnen gehören nicht nur Kasernen, Flugplätze, Trainingsgelände und Materialdepots, sondern auch eigene Einkaufszentren, Schulen, Postdienste und Polizei. Der US-Dollar ist das wesentliche gesetzliche Zahlungsmittel.

Auch die weltweit größte US Armee-Basis befindet sich in Deutschland, nämlich die Bavaria-Garnison bei Grafenwöhr, nahe der Grenze zu Tschechien. Mit einer Fläche von über 390 Quadratkilometern überragt sie alle anderen US-Basen. Auch leben dort mehr Menschen als in jeder anderen Einrichtung des US-Militärs, nämlich rund 4000 Soldaten und ihre Angehörigen.

Auf den Stützpunkten arbeiten oftmals auch viele Einheimische. So sind die Basen ein wirtschaftlicher Impulsgeber für die umliegenden deutschen Gemeinden, deren Unternehmen Waren und Dienstleistungen anbieten. Als einige Stützpunkte stillgelegt wurden, wie etwa die Armeegarnison in Bamberg im Jahr 2014, hatte dies beträchtliche Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft. Auch aus diesem Grund sprachen sich viele in der Nähe aktiver US-Militäreinrichtungen lebender Deutscher gegen einen möglichen Truppenabbau aus.

Kritik an den Stützpunkten

Doch die USA stationieren ihre Flugzeuge nicht allein auf ihren eigenen Stützpunkten. Eine ganze Reihe befindet sich auch auf nicht-amerikanischen Luftwaffenstützpunkten in Deutschland. Zudem sind auf Grundlage der militärischen Nuklearabkommen der NATO rund 20 Atomwaffen auf der deutschen Luftwaffenbasis Büchel in Westdeutschland stationiert – ein Umstand, den viele Deutsche scharf kritisieren.

Ebenso ist der Umstand umstritten, dass der Luftwaffenstützpunkt Ramstein als Kontrollzentrum für Drohnenangriffe im Jemen und anderswo genutzt wird. Auch das bringt viele Deutsche auf.

Das finanzielle Engagement Deutschlands

Die Bundesregierung hat in den letzten sieben Jahren rund 243 Millionen Euro zur Unterstützung der im Land stationierten US-Truppen bereitgestellt. Die Summe umfasst Rentenzahlungen für ehemalige Arbeitskräfte ebenso wie Ausgaben für die Instandhaltung von Gebäuden und Grundstücken.

Außerdem stellte die Bundesregierung weitere 480 Millionen Euro zur Deckung NATO-bezogener Baukosten in Deutschland bereit. Sie gingen “fast ausschließlich” an Grundstücke der US-Armee, wie die Antwort auf eine parlamentarische Antwort des Finanzministeriums an die Linkspartei ergab.