Powerfrauen aus Afrika in Berlin

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Acht Gründerinnen aus Ghana, Kenia and Südafrika sind derzeit in Berlin, um sich auszutauschen und dazu zu lernen. Ihr Ziel: Afrika soll digitaler werden. Die Bundesregierung unterstützt das Event.

Es ist ein pompöser Bau am Berliner Prachtboulevard Kurfürstendamm. Draußen ziehen graue Regenwolken auf, drinnen im fünften Stock sprechen acht Computerwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen, die afrikanische Start-up Ökosysteme mitgestalten und die Digitalisierung des Kontinents vorantreiben.

Im Rahmen des Programms “Female Tech Business in Africa” sprechen sie über ihre Herausforderungen. Sie wollen ihre Netzwerke ausbauen, Erfahrungen austauschen und andere Gründer und mögliche Investoren treffen. Finanziert wird das Programm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Da ist Naadiya Moosajee, Mitbegründerin von WomEng aus Südafrika. Sie ist Bauingenieurin und hat mit WomEng eine Plattform aufgebaut, die Frauen in Ingenieursberufen coacht und ihnen bei der Jobsuche hilft. Auch die Beratung von Unternehmen gehört dazu. WomEng ist bereits in 22 Ländern aktiv.

Gut ausgebildet

Moosajee, die auch einen Masterabschluss als Transportingenieurin hat, ist davon überzeugt, dass es gerade in Afrika viele gut ausgebildete und talentierte Frauen gibt. Aber diese Talente müssten die Firmen oft erst entdecken. “Sie müssen ihre Recruitingstrategien ändern, um für Ingenieurinnen attraktiver zu werden”, erzählt sie im Gespräch mit der DW.

Das sie selbst vom US-Magazin Forbes zu einer der “Top 20 Young Power Women in Africa” gekürt wurde, erzählt sie dagegen nicht. Ihr Auftritt ist freundlich und bescheiden.

Naadiya Moosajee aus Südafrika hilft Ingenieurinnen bei der Jobsuche

In Berlin will sie von den Erfahrungen anderer Unternehmerinnen lernen. Wichtig ist für sie, wie man als Gründerin an Risikokapital kommt. “Geld zu beschaffen ist ein Problem für viele Gründerinnen”, sagt sie.

Das Programm für die afrikanischen Gründerinnen wird von enpact e.V. organisiert, einer Nicht-Regierungsorganisation (NGO), die von der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) unterstützt wird. Berlin ist auch in Afrika als Zentrum für junge Unternehmensgründer bekannt.

Zu klein für Kapitalgeber?

An diesem Nachmittag treffen die afrikanischen Unternehmerinnen Mali Baum, die die WLOUNGE in Berlin gegründet hat, ein Netzwerk für Business und Technologie mit dem Fokus auf Frauen und Inklusion.

Sie erzählt, dass Start-ups von Frauen häufig zu klein seien, um Risikokapitalgeber zu interessieren. “Die Risikokapitalgeber verlassen nicht gerne ihren Komfortbereich”, sagt sie lachend. “Aber man muss sie aufklären. Man darf nicht vergessen: Technologie ist die Zukunft.”

Margaret Mutheu aus Kenia ist bei der Plattform “1millionstartups” für Ostafrika zuständig

Afrika ist mitten in einer digitalen Transformation, darüber sind sich die Experten einig. AfroBarometer, ein panafrikanisches Forschungsnetzwerk, hat ermittelt, dass auf dem afrikanischen Kontinent Mobilfunknetze in den letzten zehn Jahren um fast ein Viertel gewachsen sind – und damit schneller, als alle anderen wichtigen Bereiche der Infrastruktur.

Träume leben

Afrikanischen Gründerinnen bietet die Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten. Die Kenianerin Margaret Mutheu ist Teil der weltweiten Community “1MillionStartups”, die sich mit ihren Unternehmen an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientiert.

Mutheu ist Computerwissenschaftlerin und bei “1MillionStartups” für Ostafrika zuständig. “Unternehmerinnen arbeiten oft im Dienstleistungssektor, sie schaffen Arbeitsplätze, aber haben Probleme bei der Finanzierung”, erzählt sie. “Und sie kennen häufig nicht den Marktwert ihrer Dienstleistungen.”

Aktuell baut Mutheu ein Start-up Zentrum auf. Sie coacht Gründerinnen mit ihrem kleinen Team, vieles läuft digital. “Ich habe davon geträumt, Unternehmerin zu werden”, sagt sie und ihre Augen funkeln. “Jetzt lebe ich meinen Traum.”