Usutu-Virus: Amselsterben in Deutschland wird immer schlimmer

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In diesem Jahr wurden in Deutschland so viele Verdachtsfälle des afrikanischen Usutu-Virus gemeldet, wie noch nie zuvor. Übertragen wird die Krankheit durch Stechmücken. Amseln sind am schlimmsten betroffen.

Das tropische Usutu Virus wird in diesem Jahr voraussichtlich zu einem noch stärkeren Amselsterben in Deutschland führen, als schon in den Jahren zuvor. Seit Jahresbeginn 2019 wurden dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) 1300 Verdachtsfälle gemeldet. Im Vergleichszeitraum des letzten Jahres waren es noch 800 Verdachtsfälle. 1380 Verdachtsfälle hatte der NABU noch für das ganze Jahr 2017 in Deutschland registriert.

Der Vogelkundler Lars Lachmann vom Naturschutzbund NABU schätzt die Dunkelziffer der tatsächlich verendeten Vögel viel höher ein, auf zwischen einer halben und einer Million. 

Der Erreger, der durch Mücken übertragen wird, führte in den letzten Jahren immer wieder zu einem Vogelsterben. Vor allem in den Sommermonaten treten Infektionsfälle gehäuft auf, weil sich die Mücken, die das Virus übertragen, schneller vermehren.

Bis in den Herbst 2019 könnte es noch zu einer Zunahme der Fälle führen, weil die Regenfälle seit Mitte August auch zu einem Anwachsen der Mückenpopulationen führen werden. “Daher könnte die diesjährige Usutu-Saison noch stärker ausfallen” sagte Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.  

Mehr dazu: Amselsterben: Wenn Waldemar nicht mehr zwitschert


  • Krankheiten auf Wanderschaft

    Usutu-Virus

    Mittlerweile hat sich das ursprünglich afrikanische Virus auch in Deutschland ausgebreitet. Tausende Amseln sind daran zugrunde gegangen. Noch ist ungeklärt wie sehr das Virus andere Vogelarten betrifft. Eine Usutu-Infektion beim Menschen ist in Deutschland bisher ein Mal nachgewiesen. Diese verlief ohne Symptome. Insgesamt gab es in Europa jedoch bisher fünf schwerwiegendere Verläufe.


  • Krankheiten auf Wanderschaft

    Vogelgrippe

    Vor zehn Jahren gab es die ersten Fälle von Vogelgrippe in Deutschland. Immer wieder ist das Virus seitdem in Deutschland festgestellt worden. Vermutet wird, dass die Vogelgrippe von Zugvögeln weitergetragen wird oder durch den internationalen Geflügelhandel nach Deutschland kommt.


  • Krankheiten auf Wanderschaft

    Feuersalamanderfresser

    Ein Hautpilz – “Feuersalamanderfresser” genannt – bedroht unseren heimischen Feuersalamander. Er ist vermutlich über aus Asien importierte Lurche nach Europa eingeschleppt worden. 2015 wurde der erste befallene Salamander in Deutschland gefunden. In den Niederlanden und Belgien hat die Infektion mit dem Pilz bereits zu einem Aussterben vieler Populationen geführt.


  • Krankheiten auf Wanderschaft

    Vogelmalaria

    Auch diese Art der Malaria wird durch Stechmücken übertragen. Die infizierten Vögel bekommen Fieber und Blutarmut. Ende des 19. Jahrhunderts gelangte die Vogelmalaria nach Hawaii und trug dort zum Aussterben vieler hawaiianischer Vogelarten bei. Jetzt droht den Vögeln der Galapagosinseln das gleiche Schicksal. Hier wurden die Stechmücken wohl mittels Passagierflugzeugen auf die Inseln gebracht.


  • Krankheiten auf Wanderschaft

    Mäuse

    Mäuse sind zwar keine Krankheit – aber eine sehr invasive Art. Aufgrund ihres großen Hungers und der schnellen Fortpflanzung breiten sie sich oft rasant aus. Auf der Insel Gough im Atlantik wurden eingeschleppte Mäuse verstärkt zu Fleischfressern: Sie fallen in Gruppen über die Küken von nur auf Gough heimischen Vogelarten her. Diese seltenen Arten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht.


  • Krankheiten auf Wanderschaft

    Hundehautwurm

    Die Larven des Hundehautwurms werden durch Stechmücken weiter getragen. Bisher kamen sie in Südeuropa, Afrika und Asien vor. 2015 wurden sie erstmals in Deutschland nachgewiesen. Durch Zufall kann auch der Mensch zum Wirt werden. Die Larve kann sich unter unserer Haut zwar meist nicht richtig entwickeln – im schlimmsten Fall führt eine Infektion jedoch zu einer Hirnhautentzündung.

    Autorin/Autor: Hannah Lesch


Erstmals 2001 in Europa aufgetreten

Das Usutu-Virus stammt aus der Region um den Usutu-Fluss in Swasiland, zwischen Südafrika und Mosambik. Dort wurde es erstmals 1959 entdeckt. In Europa trat es 2001 bei Vögeln in Österreich auf. In den folgenden Jahren gab es dann auch Infektionen in Ungarn, der Schweiz und Italien. 

Seit 2011 grassiert das Virus in Deutschland. Damals hatten Tiermediziner die erste große Erkrankungswelle festgestellt. Nach einigen Jahren mit wenigen Fällen gab es dann 2016 erneut eine Epidemie, die vor allem Amseln betraf. Etwa 600 tote Vögel wurden damals gefunden.

Das Usutu-Virus wird durch Stechmücken übertragen. Aufgrund der feuchten und warmen Witterung im Spätsommer vermehren sie sich dann besonders stark. Deshalb kam es bereits 2017 und auch 2018 vermutlich zu der weiteren Zunahme von Infektionen, sagen die Vogelschützer.

Die meisten Verdachtsfälle kamen 2017 aus Nordrhein-Westfalen. Dort gab es damals mehr als 500 tote Vögel. Weitere je 100 Meldungen stammten aus Baden-Württemberg und Sachsen. Jetzt zeichnet sich eine Ausbreitung des Virus nach Norden ab.

Auch Menschen können sich mit dem Usutu-Virus infizieren. Meist ist der Krankheitsverlauf glimpflich. Bei Menschen mit Immunschwäche kann es aber zu Fieber, Kopfschmerzen, Hautausschlag und in seltenen Fällen zu einer Gehirnentzündung führen. 

fs/gh (dpa)

Mehr dazu: Malaria, Dengue, Chikungunya & Co: Welche Rolle spielt der Klimawandel?


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Träger der Pest

    In Flöhen sind die Gesundheitsbehörden von zwei Countys in Arizona fündig geworden: Yersinia pestis – der Erreger der Beulenpest. Der Floh kann das Bakterium vom Nagetier auf den Menschen übertragen. Dort müssen die Menschen nun besondere Vorsicht walten lassen: sich von Wildtieren fernhalten und ihre Haustiere mit Medikamenten vor den Parasiten schützen.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Nicht ganz ungewöhnlich

    In den USA sind Pestfälle zwar selten, jedes Jahr kommen aber durchschnittlich sieben Infektionen beim Menschen vor. Erst im Juni hatten sich in New Mexico drei Menschen angesteckt. Medizinisch hat die Pest in entwickelten Ländern ihren Schrecken verloren. Mit Antibiotika lässt sie sich gut behandeln. Bleibt sie indes unbehandelt, verläuft sie oft tödlich.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Vorsicht, auch wenn sie niedlich aussehen!

    Im Yosemite-Nationalpark waren 2015 zwei Besucher an der Pest erkrankt. Übertragen wurden die Bakterien wahrscheinlich von solchen süßen Streifenhörnchen oder von Eichhörnchen. Mitte August sperrte die Parkbehörde einen Campingplatz, nachdem in zwei toten Eichhörnchen Pesterreger gefunden wurden. Weltweit gibt es jedes Jahr etwa 300 Pestfälle – die meisten in Madagaskar, der DR-Kongo und Peru.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Nicht nur die Pest ist gefährlich

    Es gibt viele andere Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können – sogenannte Zoonosen. Vor allem kleine Kinder, ältere und kranke Menschen und Schwangere sind durch Infektionen mit Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten gefährdet. Deshalb sollten Haustiere regelmäßig mit den nötigen Medikamenten behandelt werden.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Fieber dank Miezekatze

    Katzen und Hunde – die besten Freunde des Menschen – können zum Beispiel das Bakterium “Campylobacter jejuni” übertragen, das Durchfall verursacht. Katzen geben zudem verschiedene Bartonella-Bakterien weiter, die Fieber und Entzündungen hervorrufen können. Und eine Toxoplasmose, ausgelöst durch den Parasiten Toxoplasma gondii, kann bei einer Schwangerschaft zu gefährlichen Komplikationen führen.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Infektionsweg über mehrere Tiere

    Eine Virusinfektion, die fast nur auf dem Lande vorkommt, sind die Kuhpocken. Mäuse, die auf Kuhweiden leben, nehmen die Viren aus dem Kot der Rinder auf. Dann fressen Katzen die Mäuse und spielen abends mit den Menschen. Setzt es beim Raufen mal einen Kratzer infiziert sich der Mensch.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Krank durch Kriechtiere

    Amphibien und Reptilien dagegen sollen für eine Vielzahl von sporadischen Salmonellen-Infektionen bei ihren Besitzern verantwortlich sein. Rund elf Prozent dieser Infektionen bei Patienten unter 21 Jahren gehen einer Studie zufolge auf Tiere wie Leguane, Echsen, Schlangen oder Frösche zurück.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Papageienkrankheit

    Die Papageienkrankheit ist eine Zoonose, die vor allem für Kinder und geschwächte Personen gefährlich werden kann. Auslöser ist eine Chlamydien-Art. Sie trifft vor allem Papageie, Wellensittiche und Tauben. Der Mensch infiziert sich damit meist über den eingetrockneten Kot der Tiere. Der wird mit dem Staub in der Luft aufgewirbelt.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Krankheiten vorbeugen

    Für gesunde Menschen ist das Risiko jedoch gering, solange die Tiere geimpft und entwurmt werden und Hygiene-Regeln beachtet würden, betonen die Forscher. Trotzdem sollte sich jeder nach einer ausgiebigen Streicheleinheit die Hände waschen, oder beim Reinigen von Käfig oder Terrarium Handschuhe tragen.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Stechende Gefahr

    Aber nicht nur unsere Haustiere sind ansteckend. So kann es zum Beispiel passieren, dass gefährliche Tiere aus den Tropen versehentlich mit Handelswaren, meist auf Schiffen, auch in gemäßigte Zonen gelangen. Die asiatische Tigermücke überträgt beispielsweise das Dengue-Fieber.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Reineke Fuchs

    Bis zum Jahr 2008 gab es sie auch in Deutschland: Tollwut, übertragen vor allem von Füchsen. Durch großangelegte Impfaktionen aber ist diese gefährliche Krankheit ausgerottet. Für Menschen, die sich mit dem Tollwutvirus infiziert hatten, endete die Krankheit tödlich. Deutschland gilt heute als tollwutfrei.


  • Wie die Pest! – Wenn Tiere krank machen

    Entwarnung

    Im Allgemeinen – das betonen die Forscher – überwiegen die positiven Effekte, die die Beziehung zu einem Tier mit sich bringt. So sollen Kleinkinder, die mit einem Hund oder einem Vogel aufwachsen, seltener an Allergien und Atemwegsinfektionen erkranken. Außerdem sorgen Hunde dafür, dass wir uns mehr bewegen – und auch für die Psyche sind unsere tierischen Freunde gut.

    Autorin/Autor: Gudrun Heise, Fabian Schmidt