Handel: Koreanische Retourkutsche an Japan

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Eigentlich streiten sich Südkorea und Japan über Reparationszahlungen aus der Zeit der japanischen Besatzung. Doch der Streit ist inzwischen zum Handelsstreit geworden. Beide Länder erschweren nun bestimmte Exporte.

Südkoreas Handelsminister Sung Yun-Mo am 12. August 2019 in Seoul

Nachdem Japan Anfang Juli die Ausfuhr bestimmter Güter nach Südkorea erschwert hatte, zog die Regierung in Seoul nach und verkündete eine Verschärfung der Exportkontrollen nach Japan.

Nach Angaben des südkoreanischen Handelsministerium vom Montag werde Japan von einer “weißen Liste” gestrichen, auf der Länder stehen, die in den Genuss beschleunigter Exportverfahren kommen.

Stattdessen werde Japan als bisher einziges Land in eine neu geschaffene Handelskategorie aufgenommen, weil es seine Ausfuhrkontrollsysteme nicht im Einklang mit den “internationalen Exportkontrollgrundsätzen” betreibe.

Wie du mir, so ich dir

Die strengeren Exportregeln sollen im September in Kraft treten. Dann müssten südkoreanische Firmen mehr Dokumente als bisher einreichen, wenn sie als heikel oder sicherheitsrelevant eingestufte Produkte nach Japan ausführen wollen, so das Handelsministerium. Dieser Prozess könne bis zu 15 Tage dauern.

Es sei schwer, eng mit einem Land zusammenzuarbeiten, das “regelmäßig die Grundregeln verletzt”, sagte Handelsminister Sung Yun-Mo.

Japan hatte im Juli den Export von Produkten nach Südkorea eingeschränkt, die Konzerne wie Samsung für die Herstellung von Smartphone-Chips brauchen, und das Land Anfang August von einer “weißen Liste” privilegierter Handelspartner gestrichen.

Anti-Japan-Kundgebung nahe der japanischen Botschaft in Seoul am 3. August 2019

Hintergrund Kolonialzeit

Hinter dem Handelsstreit steckt ein seit langem anhaltender Konflikt um Japans brutale Kolonisierung Koreas von 1910 bis 1945, der sich kürzlich wieder verschärft hatte. Gerichte in Südkorea urteilten, japanische Firmen müssten Zwangsarbeiter entschädigen. Tokio erwiderte, diese Frage sei schon 1965 abschließend geklärt worden.

Südkoreas Präsident Moon Jae In sagte am Montag zu den jüngsten Entwicklungen, Südkorea sei “Opfer eines großen Leids durch den japanischen Imperialismus der Vergangenheit”. Daher müsse das Land die “wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen” Japans sehr ernst nehmen.

Gleichzeitig rief Moon seine Landsleute dazu auf, nicht emotional zu reagieren und an konstruktiven Beziehungen zu Japan festzuhalten. “Wir sollten tief durchatmen und in entschlossener, aber ruhiger Art über Gegenmaßnahmen nachdenken”, sagte Moon.

Damit schlug Moon versöhnlichere Töne an als noch Anfang August. Damals hatte er gesagt: “Wir werden uns nicht wieder von Japan besiegen lassen”. Viele Koreaner hatten dazu aufgerufen, japanische Produkte zu boykottieren.

bea/hb (reuters, afp, AP)