Merkel: Wirtschaft muss den Menschen dienen

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Vor 100 Jahren entstand die Internationale Arbeitsorganisation. Ihre Aufgabe: für eine humane Arbeitswelt sorgen. Die Kanzlerin würdigte ihr Wirken – scheute aber auch nicht den ernüchternden Ausblick in die Zukunft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor der Internationalen Arbeitskonferenz für weltweite soziale Gerechtigkeit geworben. “Die Wirtschaft hat den Menschen zu dienen, und nicht umgekehrt”, sagte Merkel in Genf. Die Aussage sei zentral für die Globalisierung. Notwendig sei ein verstärkter globaler Einsatz für menschenwürdige Arbeit.

Der Alptraum der Kinderarbeiter

Merkel sprach bei der Feier zum 100-jährigen Bestehen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Diese wurde 1919 gegründet, um bessere Bedingungen für die Beschäftigten länderübergreifend festzulegen. Merkel betonte, dass es auch 100 Jahre später “noch wahnsinnig viel zu tun gibt”. Sie erinnerte an die Millionen Kinderarbeiter, deren Leben ein Alptraum sei. Die ILO setze sich für die Rechte der Jungen und Mädchen ein, betonte die Kanzlerin.

Die schwache Stellung der Frauen

Merkel forderte auch, die Stellung von Frauen zu stärken. Besonders in den Entwicklungsländern müsse deren berufliche Qualifikation vorangetrieben werden. Sie forderte alle Länder auf, die sogenannten Kernarbeitsnormen der ILO zu ratifizieren und umzusetzen. Diese Normen haben universellen Charakter und regeln etwa die Abschaffung der Zwangsarbeit. Die Christdemokratin warb auch für eine enge wirtschafts- und sozialpolitische Zusammenarbeit, die unverzichtbar sei. Neben der Kooperation in der ILO hob sie die Welthandelsorganisation, die Gruppe der führenden Wirtschaftsmächte G20 und die EU hervor.

Eine Gruppe von ILO-Delegierten, die sich zur Internationalen Arbeitskonferenz 1920 in London eingefunden haben

Die Grundlage des Weltfriedens

Die Regierungschefin erinnerte an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die ILO entstand. Damals hätten ihre Gründer erkannt, dass der Weltfrieden nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden könne. Die Organisation wurde mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28. Juni 1919 geschaffen. Seit 1946 ist die ILO mit Sitz in Genf eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen.

Die Vorzüge des Multilateralismus

Nach Merkel ergriff der französische Präsident Emmanuel Macron das Wort. Auch er hob die Vorzüge der multilateralen Zusammenarbeit hervor, um die vielen wirtschaftlichen und sozialen Probleme zu lösen. Die Internationale Arbeitskonferenz der 187 ILO-Mitgliedsländer dauert noch bis Freitag nächster Woche.

sti/jj (dpa, epd)