“Deutsche bringen die Sache auf den Punkt”

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Die Etikette-Expertin Linda Kaiser erklärt im DW-Gespräch, warum Direktheit in Deutschland als höflich gilt – und sie gibt Tipps, wie man sich in einer internationalen Runde verhalten sollte.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Entschuldigen Sie, bitte!

    Bei Zusammenstößen oder wenn man eine fremde Person nach einer Auskunft bittet, kommt ein “Entschuldigen Sie!” zum Einsatz. Oder in Kurzversion “Entschuldigung”. Möchte man sich für kleinere Störungen entschuldigen, hört man häufiger auch ein schlichtes “Sorry”. Deutsche nutzen das englischsprachige Wort aber eher informell und nicht so exzessiv wie in vielen englischsprachigen Ländern.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Händedruck

    Deutsche geben sich derart oft die Hand, dass es fast schon wie ein Nationalsport daherkommt. Zum Einsatz kommt der Händedruck beim ersten Kennenlernen, bei einer offiziellen Gratulation oder zur Vertragsbesiegelung. Deutsche schütteln sich aber auch einfach nur zur Begrüßung die Hand oder um sich zum Geburtstag zu gratulieren. Selbst Kinder geben sich manchmal untereinander die Hand.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Küsschen oder Umarmung?

    Wird es informeller oder persönlicher, folgen auf den Händedruck noch Küsschen – manchmal eines, manchmal zwei. Dies aber wirklich nur, wenn man sich gut kennt. Da die Wangenküsschen, wie man sie auch aus Frankreich kennt, mit einem Händedruck kombiniert werden, wirken sie eher formell. In den Genuss einer Umarmung hingegen kommen nur enge Freunde und Familie.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Du? Oder Sie?

    Die persönliche Anrede hängt in Deutschland davon ab, ob man sich förmlich oder privat begegnet. Grundsätzlich wird man mit einem höflichen “Sie” angesprochen, im Gegensatz zum universellen “you” im Englischen. Das informelle “Du” kommt hingegen im privaten Umfeld zum Einsatz, aber nur unter Gleichaltrigen oder Jüngeren. Denn ältere Personen siezt man auch hier – bis das “Du” angeboten wird.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    “Wer ist da am Apparat?”

    Das höfliche “Sie” kommt auch beim Telefonieren zum Einsatz. Zunächst gilt es, sich vorzustellen: “Guten Tag, mein Name ist…” Daher bitte nicht wundern, wenn der Gesprächspartner nicht mit einem “Hallo?” den Hörer abnimmt, sondern sich ebenfalls mit vollen Namen vorstellt. Praktisch! So weiß man gleich, ob man die richtige Nummer gewählt hat.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Klopf, klopf

    Den Türklopfer, um die eigene Ankunft zu verkünden, haben die Deutschen sicherlich nicht erfunden. Aber sie haben ihre eigene Nuance. Klopft man an eine Haustür, wartet man, bis der Bewohner diese öffnet. Wartet man aber zum Beispiel in einem Behandlungszimmer auf den Arzt, so klopft dieser nur kurz an und betritt sogleich den Raum. Ähnliches Klopfverhalten zeigt auch so mancher Bürokollege.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Sag es mit Blumen…

    Deutsche machen sich gerne Geschenke, besonders wenn sie eingeladen werden. Dann bringen sie dem Gastgeber gerne mal eine Flasche Wein, Pralinen oder einen Blumenstrauß mit. Letzterer kommt auch sonst häufig zum Einsatz, selbst wenn man sich nicht besonders gut kennt. Zum Beispiel als Dankeschön oder als Geburtstagsgeschenk.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Entdeckung der Pünktlichkeit

    Pünktlichkeit ist wohl Deutschlands bekanntestes Exportgut und ein absolutes Muss für formale Treffen und Besprechungen. Im privaten Umfeld verzeihen Freunde die ein oder andere Unpünktlichkeit. Wer sich jedoch länger als 15 Minuten verspätet, gilt als unhöflich. Dann sollte man lieber schon einmal per Anruf oder Textnachricht die Verspätung ankündigen und sich bereits vorab entschuldigen.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Ihr bleibt draußen!

    Deutsche ziehen gerne ihre Schuhe aus – natürlich nur im privaten Kreis, zum Beispiel bei Hausbesuchen. Dann bleiben die Treter gleich im Eingangsbereich oder – wenn es draußen gerade matschig und nass ist – auf der Fußmatte vor der Eingangstür zurück. Also unbedingt auf die richtige Wahl der Socken achten. Derweilen freut sich der Hausherr, seine Wohnung anschließend nicht reinigen zu müssen.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Heimatgefühle

    Sobald Deutsche nach Hause kommen, schlüpfen sie von einem Paar Schuhe ins nächste – und zwar in ihre Pantoffeln. Dieses Ritual hat zwei Komponenten. Zum einen bleiben die Böden sauber. Zum anderen stehen die Puschen für das Gefühl, sich zuhause zu fühlen. Deutsche nehmen sogar, vor allem wenn sie Kinder haben, ihre Hausschuhe mit – und zeigen damit ihren Respekt vor ihrem Gastgeber.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Tischmanieren

    Beim Essen die Hände (und auf keinen Fall die Ellenbogen) auf dem Tisch abzulegen, gilt als höflich. Außerdem haben Gabel und Messer eine klare Rolle: Die Gabel gehört in die linke und das Messer in die rechte Hand. Das Weinglas sollte am Stiel gehalten werden, dann klingt es beim Anstoßen besser.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Auch Besteck hat seine Ordnung

    Macht man beim Essen eine Pause, so ist die Gabel auf dem Teller nach diagonal links und das Messer nach diagonal rechts unten zu legen, sprich die Gabel auf 8 und das Messer auf 4 Uhr. Klare Ansage: Hier geht das Essen noch weiter. Ist man hingegen satt, rutscht die Gabel zum Messer, siehe Bild. So weiß der Kellner Bescheid: Hier geht nichts mehr.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Sag es mit Stil

    Deutsche haben einen prägnanten Ausdruck für den gemeinsamen Essensstart. Statt eines sperrigen “Enjoy your meal”, wie es im Englischen geläufig ist, heißt es hier kurz “Guten Appetit”. Das kommt einem leicht und gerne über die Lippen.

    Autorin/Autor: Louisa Schaefer (woy)


  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Entschuldigen Sie, bitte!

    Bei Zusammenstößen oder wenn man eine fremde Person nach einer Auskunft bittet, kommt ein “Entschuldigen Sie!” zum Einsatz. Oder in Kurzversion “Entschuldigung”. Möchte man sich für kleinere Störungen entschuldigen, hört man häufiger auch ein schlichtes “Sorry”. Deutsche nutzen das englischsprachige Wort aber eher informell und nicht so exzessiv wie in vielen englischsprachigen Ländern.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Händedruck

    Deutsche geben sich derart oft die Hand, dass es fast schon wie ein Nationalsport daherkommt. Zum Einsatz kommt der Händedruck beim ersten Kennenlernen, bei einer offiziellen Gratulation oder zur Vertragsbesiegelung. Deutsche schütteln sich aber auch einfach nur zur Begrüßung die Hand oder um sich zum Geburtstag zu gratulieren. Selbst Kinder geben sich manchmal untereinander die Hand.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Küsschen oder Umarmung?

    Wird es informeller oder persönlicher, folgen auf den Händedruck noch Küsschen – manchmal eines, manchmal zwei. Dies aber wirklich nur, wenn man sich gut kennt. Da die Wangenküsschen, wie man sie auch aus Frankreich kennt, mit einem Händedruck kombiniert werden, wirken sie eher formell. In den Genuss einer Umarmung hingegen kommen nur enge Freunde und Familie.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Du? Oder Sie?

    Die persönliche Anrede hängt in Deutschland davon ab, ob man sich förmlich oder privat begegnet. Grundsätzlich wird man mit einem höflichen “Sie” angesprochen, im Gegensatz zum universellen “you” im Englischen. Das informelle “Du” kommt hingegen im privaten Umfeld zum Einsatz, aber nur unter Gleichaltrigen oder Jüngeren. Denn ältere Personen siezt man auch hier – bis das “Du” angeboten wird.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    “Wer ist da am Apparat?”

    Das höfliche “Sie” kommt auch beim Telefonieren zum Einsatz. Zunächst gilt es, sich vorzustellen: “Guten Tag, mein Name ist…” Daher bitte nicht wundern, wenn der Gesprächspartner nicht mit einem “Hallo?” den Hörer abnimmt, sondern sich ebenfalls mit vollen Namen vorstellt. Praktisch! So weiß man gleich, ob man die richtige Nummer gewählt hat.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Klopf, klopf

    Den Türklopfer, um die eigene Ankunft zu verkünden, haben die Deutschen sicherlich nicht erfunden. Aber sie haben ihre eigene Nuance. Klopft man an eine Haustür, wartet man, bis der Bewohner diese öffnet. Wartet man aber zum Beispiel in einem Behandlungszimmer auf den Arzt, so klopft dieser nur kurz an und betritt sogleich den Raum. Ähnliches Klopfverhalten zeigt auch so mancher Bürokollege.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Sag es mit Blumen…

    Deutsche machen sich gerne Geschenke, besonders wenn sie eingeladen werden. Dann bringen sie dem Gastgeber gerne mal eine Flasche Wein, Pralinen oder einen Blumenstrauß mit. Letzterer kommt auch sonst häufig zum Einsatz, selbst wenn man sich nicht besonders gut kennt. Zum Beispiel als Dankeschön oder als Geburtstagsgeschenk.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Entdeckung der Pünktlichkeit

    Pünktlichkeit ist wohl Deutschlands bekanntestes Exportgut und ein absolutes Muss für formale Treffen und Besprechungen. Im privaten Umfeld verzeihen Freunde die ein oder andere Unpünktlichkeit. Wer sich jedoch länger als 15 Minuten verspätet, gilt als unhöflich. Dann sollte man lieber schon einmal per Anruf oder Textnachricht die Verspätung ankündigen und sich bereits vorab entschuldigen.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Ihr bleibt draußen!

    Deutsche ziehen gerne ihre Schuhe aus – natürlich nur im privaten Kreis, zum Beispiel bei Hausbesuchen. Dann bleiben die Treter gleich im Eingangsbereich oder – wenn es draußen gerade matschig und nass ist – auf der Fußmatte vor der Eingangstür zurück. Also unbedingt auf die richtige Wahl der Socken achten. Derweilen freut sich der Hausherr, seine Wohnung anschließend nicht reinigen zu müssen.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Heimatgefühle

    Sobald Deutsche nach Hause kommen, schlüpfen sie von einem Paar Schuhe ins nächste – und zwar in ihre Pantoffeln. Dieses Ritual hat zwei Komponenten. Zum einen bleiben die Böden sauber. Zum anderen stehen die Puschen für das Gefühl, sich zuhause zu fühlen. Deutsche nehmen sogar, vor allem wenn sie Kinder haben, ihre Hausschuhe mit – und zeigen damit ihren Respekt vor ihrem Gastgeber.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Tischmanieren

    Beim Essen die Hände (und auf keinen Fall die Ellenbogen) auf dem Tisch abzulegen, gilt als höflich. Außerdem haben Gabel und Messer eine klare Rolle: Die Gabel gehört in die linke und das Messer in die rechte Hand. Das Weinglas sollte am Stiel gehalten werden, dann klingt es beim Anstoßen besser.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Auch Besteck hat seine Ordnung

    Macht man beim Essen eine Pause, so ist die Gabel auf dem Teller nach diagonal links und das Messer nach diagonal rechts unten zu legen, sprich die Gabel auf 8 und das Messer auf 4 Uhr. Klare Ansage: Hier geht das Essen noch weiter. Ist man hingegen satt, rutscht die Gabel zum Messer, siehe Bild. So weiß der Kellner Bescheid: Hier geht nichts mehr.

  • Benimm Dich! Über die Tücken deutscher Manieren

    Sag es mit Stil

    Deutsche haben einen prägnanten Ausdruck für den gemeinsamen Essensstart. Statt eines sperrigen “Enjoy your meal”, wie es im Englischen geläufig ist, heißt es hier kurz “Guten Appetit”. Das kommt einem leicht und gerne über die Lippen.

    Autorin/Autor: Louisa Schaefer (woy)


DW: Frau Kaiser, in unserer Reihe “Meet the Germans” versuchen wir immer wieder deutsche Eigenschaften einem internationalen Publikum zu erklären. Dieses Mal geht es um Manieren…

Ja, wobei Manieren eher ein britisches Thema ist.

Warum? 

Weil die Briten, so wie sie sich den Deutschen präsentieren, besonders besonnen, höflich, zurückhaltend, freundlich und sehr diszipliniert sind. Und dann haben sie natürlich auch noch die Beziehung zum Königshaus. Da werden Etikette und Manieren eben noch besonders gelebt. 

Aber Sie implizieren damit, dass die Deutschen nicht so viel mit Manieren am Hut haben. Würden Sie das wirklich sagen?

Manieren-Expertin Linda Kaiser

Es ist hier einfach anders [lacht]. Seit 100 Jahren haben wir kein Königshaus, keine Monarchie, keinen offiziellen Adel mehr in Deutschland. Darum sind Manieren eine gesellschaftliche Angelegenheit geworden und Gesellschaft bewegt oder entwickelt sich ja schneller als Tradition. Daher sind Manieren doch schon auch ein deutsches Thema, aber eben ohne eine herausragende Persönlichkeit wie eine Königin als Vorbild. 

Gibt es bestimmte Manieren, die typisch deutsch sind? 

Spezifisch für die Deutschen sind sicherlich so Sachen wie Pünktlichkeit oder direkte Kritik äußern zu können. Also menschliche Wesenszüge, die dann für viele verbindlich sind, und die viele Deutsche anwenden können, obwohl man das auch nicht so pauschal sagen kann. 

Sie haben die besondere Höflichkeit der Briten erwähnt. Halten Sie die Deutschen für höflich? 

Ja. Jeder Mensch ist auf seine Art und Weise höflich. Das kann man von der Landeszugehörigkeit gar nicht so abhängig machen, denn Höflichkeit hilft uns, einfach besser in einer Gruppe klar zu kommen, besser mit dem anderen klar zu kommen. Deswegen bemühen wir uns, in welcher Form auch immer, uns bestmöglich darzustellen und, wenn man es denn wirklich verinnerlicht hat, auch den anderen gut dastehen zu lassen. 

Pünktlichkeit und nette Gesten sind klassische Beispiele für deutsche Manieren

Was würden Sie Menschen raten, die nach Deutschland kommen: Wie können sie sich am besten verhalten? 

Das, was ich eigentlich jedem in jedem Land empfehle: offen zu sein, aufmerksam zu sein, zuzuhören und das eigene Verständnis von guten Manieren in die Gesellschaft einzubringen. Und dann funktioniert es, egal wo man ist, mit dem Miteinander. Man sollte vielleicht auch noch folgendes unterscheiden: Wir sprechen jetzt von Manieren. Manieren sind eigentlich das Handwerkszeug. Das “Wie mache ich was?”. Noch wichtiger sind eigentlich die Umgangsformen, auf die sich auch Adolph Freiherr Knigge (1752 bis 1796, Anm. d. Red.) bezieht, und die er in seinem Werk 1788 “Über den Umgang mit Menschen” beschrieben hat, nämlich der Umgang miteinander, also quasi die Idee dahinter. Wie trete ich dem anderen gegenüber? Wie nehme ich ihn auf? Und die Manieren sind quasi das Handwerkszeug, also wie setze ich diesen guten Gedanken und diese gute Absicht auch tatsächlich in Taten um? 

Haben Sie ein paar Beispiele? 

Nehmen wir mal das ganz klassische Beispiel Tischkultur. Wir setzen uns zusammen an einen Tisch, um gemeinsam zu essen und eine gute Zeit miteinander zu verbringen. Das ist der Hauptanspruch. Der zweite Aspekt, der aber untergeordnet ist, ist, dass man Nahrung zu sich nimmt, um zu überleben. Jetzt haben wir diesen guten Gedanken “Wir setzen uns zusammen, um gemeinschaftlich etwas zu tun und uns dabei kennenzulernen und auszutauschen”, und das muss ja irgendwie umgesetzt werden. Dafür gibt es jetzt Manieren, sprich: Wir haben eine bestimmte Verabredung, wie wir mit Messer und Gabel essen, dass wir den Teller nicht ablecken, dass wir das Glas am Stiel anfassen, dass wir nicht so viel auf den Teller auflegen, sondern nur das, was wir auch tatsächlich essen möchten, damit für alle ungefähr eine gleiche Basis da ist und man nicht vom Wesentlichen abgelenkt wird. Und dafür sind dann Manieren gut. 

Bleiben wir beim Weinglas, das man am Stiel halten soll. In den USA zum Beispiel macht man das nicht, wenn man anstößt. Warum wird ausgerechnet das als höflich angesehen? 

Man kann zumindest für den deutschsprachigen europäischen Raum eigentlich fast alle Regeln auf irgendeine sachliche Bedeutung oder Erklärungen zurückführen. Man greift das Glas am Stiel, um das Getränk darin nicht durch die Hände zu erwärmen und keine Fingerabdrücke am Glaskörper zu hinterlassen. Das hat also sowohl einen ästhetischen als auch praktischen Grund. Wenn die Amerikaner das nicht tun, bringt das, glaube ich, niemanden um. Es gibt für viele Dinge verschiedene Lösungsmöglichkeiten. 

Mehr zum Lesen: Überlebensratgeber für den deutschen Supermarkt

Was schlagen Sie Menschen vor, die in Deutschland zusammenkommen, aber verschiedene Nationalitäten haben? Meine Erfahrung ist, dass die Deutschen sehr gerne Hände schütteln. Das macht man in den USA natürlich auch, aber nicht bei jeder Gelegenheit. Das würde man auch nicht in Japan machen. An welche Regeln hält man sich? 

In so einer Situation orientiert man sich immer am Gastgeber. Haben wir jetzt einen deutschen Gastgeber, gelten die deutschen Regeln. Das würde bedeuten, man würde sich die Hand geben. Wenn Sie aber einen vorausschauenden, offenen, höflichen Gastgeber haben, dann geht der Gastgeber auf jeden individuell so zu, wie es ihm gut tut. Das heißt, er würde dem Japaner nicht das Händeschütteln aufdrängen. Er würde den Franzosen mit Küsschen links und rechts begrüßen und er würde dem Amerikaner, der ihm gegenüber steht, natürlich die Hand schütteln. 

Sie haben vorhin etwas zur Direktheit gesagt: dass die Deutschen das Gefühl haben, sie können ihre Meinung äußern. Als gebürtige US-Amerikanerin erlebe ich persönlich die Deutschen manchmal als sehr direkt. Warum wird das hier in Deutschland als höflich angesehen oder akzeptiert? 

Weil es in Deutschland für Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit steht. Wir reden nicht um irgendetwas herum, sondern bringen die Sache einfach auf den Punkt und das ist in Ordnung und höflich und allgemein akzeptiert. Das ist aber eine kulturelle Geschichte. Wir sind einfach so erzogen und aufgewachsen, darum reflektieren wir das gar nicht. Wenn wir aber dann mit Briten zu tun haben, ist das etwas ganz anderes und wenn wir uns in Großbritannien etablieren möchten, müssen wir eben auch die dortigen Manieren kennenlernen und anwenden. 

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Das Wichtigste über Small Talk mit Deutschen

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Das Wichtigste über Small Talk mit Deutschen

Wie verhalten sich die Deutschen im Internet oder den sozialen Medien, sind sie da auch so direkt? 

Dadurch, dass das Internet sehr international ist, fühlen sich viele Deutsche vielleicht dazu verleitet, vermeintliche Nachlässigkeiten einfach aus anderen Kulturen zu übernehmen. Zum Beispiel verzichtet man gerne im Internet auf die deutsche Rechtschreibung oder die Groß- und Kleinschreibung. Im Englischen wird ja alles klein geschrieben bis auf ein paar Ausnahmen. Das übernimmt man dann schon mal ganz gerne. Aber das ist sicherlich falsch und unhöflich, denn wir haben nun mal eine Sprache mit bestimmten Regeln und die sollten dann auch in den sozialen Medien oder im Internet, wenn man in dieser Sprache kommuniziert, eingehalten werden. Oder dass man sich im Internet schneller duzt. Deutschland ist eigentlich keine Duz-Kultur, aber wir beneiden immer die Engländer und Amerikaner, die sich vermeintlich duzen.  

Das Gespräch führte Louisa Schaefer.

Linda Kaiser gibt als stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft Etikette-Seminare für Unternehmen und arbeitet als Stil- und Imageberaterin.

Noch mehr Inhalte über Deutsche und ihre Traditionen, ihre Alltagskultur und Sprache finden Sie auf YouTube und unserer Seite www.dw.com/MeettheGermans_de.