Weitere Anklagen gegen Ex-Nissan-Chef Ghosn

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Die Staatsanwaltschaft in Tokio hat zwei weitere Anklagen gegen den in U-Haft sitzenden Automobil-Topmanager Ghosn eingereicht. Neben Finanzverstößen wird dem 64-Jährigen nun auch schwerer Vertrauensbruch vorgeworfen.

Seit November sitzt Carlos Ghosn  in Japan bereits in Untersuchungshaft. Bislang war der früheren Verwaltungsratschef des Renault-Partners Nissan angeklagt, weil er seine Einkünfte in den Jahren 2010 bis 2014 nicht vollständig angegeben haben soll. An Freitag reichte die Staatsanwaltschaft in der japanischen Hauptstadt zwei weitere Klagen gegen den Manager ein.

Persönliche Verluste auf Nissan übertragen

Demnach soll Ghosn auch in den drei Geschäftsjahren 2015 bis 2017 sein Einkommen zu niedrig angegeben haben. Zudem warfen die Strafverfolger dem Chief Executive Officer von Renault-Nissan-Mitsubishi nun auch schweren Vertrauensbruch vor. Dabei geht es seinem Anwalt zufolge um die vorübergehende Übertragung von Verlusten aus persönlichen Anlagen auf Nissan im Jahr 2008.

Neben Ghosn klagte die Staatsanwaltschaft auch dessen inzwischen auf Kaution freigelassenen ehemaligen engen Mitarbeiter bei Nissan, Greg Kelly, sowie den Autokonzern selbst wegen Verstoßes gegen das Gesetz für Finanzinstrumente und Finanzhandel an. Kelly war mit Ghosn am 19. November wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen in Tokio festgenommen worden.

Keine Haftverschonung für Ghosn

Während Kelly kürzlich auf Kaution aus der U-Haft entlassen wurde und derzeit in einem japanischen Krankenhaus liegt, kommt Ghosn auf absehbare Zeit wohl nicht frei. Zu Wochenbeginn war der 64-Jährige erstmals seit seiner Festnahme vor Gericht erschienen und hatte dabei seine Unschuld beteuert. Seinen Antrag auf Freilassung hatte das Gericht jedoch abgelehnt. Es bestünden Fluchtgefahr und das Risiko, dass Ghosn Beweismittel vernichten könnte, hieß es zur Begründung.

Greg Kelly, der ehemalige Stellvertreter von Carlos Ghosn, nach seiner Freilassung aus der U-Haft

Für den Fall einer erneuten Anklage hatten seine Anwälte angekündigt, Antrag auf Freilassung auf Kaution zu stellen. Gleichzeitig erklärten sie, dass es möglich sei, dass Ghosn noch für mindestens sechs weitere Monate in U-Haft bleiben könnte, bis sein Prozess beginnt. Einen Termin gibt es jedoch noch nicht.

Auto-Allianz wankt

Seit Ghosns Festnahme wankt die Auto-Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. Der Manager war die treibende Kraft hinter dem Bündnis. Während Ghosn wegen des Finanzskandals bei Nissan und Mitsubishi seiner Ämter enthoben wurde, muss er seinen Chefposten bei Renault bisher dagegen nur ruhen lassen.

ww/kle (afp. ap, dpa, rtr)