German-American Day: So viel Deutsches steckt in den USA

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45 Millionen US-Amerikaner haben deutsche Vorfahren. In New York gibt es Chinatown und Little Italy, aber kein “Little Germany”. Warum? Eine Spurensuche zum German-American Day – abseits von Brauhaus und Oktoberfest.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Hollywood-Helena aus Deutschland: Diane Kruger

    Eigentlich heißt sie Diane Heidkrüger und wurde 1976 in Deutschland geboren. Der Film “Troja” mit Orlando Bloom machte sie 2004 berühmt. Seit 2013 ist Kruger US-Bürgerin. Sie steht stellvertretend für prägende deutsche Filmschaffende in den USA heute: wie Troja-Regisseur Wolfgang Petersen oder Roland Emmerich, der mit “Independence Day” den patriotischen Blockbuster schlechthin drehte.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Organisierte die Kolonisten-Armee: Preußen-General von Steuben

    Dass die militärisch unerfahrene Kolonisten-Armee die Weltmacht Großbritannien im Unabhängigkeitskrieg besiegen konnte, hatte sie auch dem ehemals preußischen Offizier Friedrich Wilhelm von Steuben zu verdanken. Mit Disziplin, Drill und Ordnung machte er aus Freischärlern eine schlagkräftige Truppe. Seine Ausbildungsmethoden beschrieb er in einem Buch, das zum militärischen Standardwerk wurde.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Malte das berühmteste Bild der USA: Emanuel Leutze

    Das Original des Gemäldes “Washington überquert den Delaware” hängt im New Yorker Metropolitan Museum. Es zeigt einen entscheidenden Moment im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775 bis 1783), als die bisher wenig erfolgreichen aufständischen Kolonisten unter General Washington einen Gegenangriff auf die Briten starteten. Gemalt hat es Emanuel Leutze (1816-1868), der als Kind in die USA kam.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Vorbild für Dagobert Duck: Amerikas erster Millionär John Jacob Astor

    Seine Nachfahren gründeten das weltberühmte Hotel Waldorf-Astoria, doch davon war nichts zu ahnen, als der Metzgerssohn Johann Jakob Astor aus Walldorf bei Heidelberg 1784 in die USA kam. Mit Pelzhandel und Immobiliengeschäften wurde er zu Amerikas erstem Multimillionär – und stand Pate für die literarischen Legenden Ebenezer Scrooge und Dagobert Duck.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Kämpferin für Frauenrechte: Mathilde Franziska Anneke

    Mit ihrem Mann Fritz floh Mathilde Franziska Anneke aus Westfalen nach Milwaukee in Wisconsin, nachdem 1848 die demokratische Revolution in den deutschen Staaten gescheitert war. Sie arbeitete als Journalistin, gab eine Frauenzeitschrift heraus und kämpfte für Frauenwahlrecht und gleiche Bildungschancen – und wurde so zu einer der führenden US-amerikanischen Frauenrechtlerinnen.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Erfand die amerikanische Kult-Hose: Levi Strauss aus Franken

    Löb Strauß, ein junger Jude aus Buttenheim bei Bamberg, wanderte 1847 als 18-Jähriger mit Mutter und Schwestern in die USA aus. Der Goldrausch zog ihn gen Westen, wo er Goldsuchern Zeltplanen verkaufen wollte – und sah, dass sie strapazierfähige Hosen brauchten. Die “Jeans” war geboren – und machte Levi Strauss, wie er jetzt hieß, und seinen Geschäftspartner Jacob Davis reich.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Hollywood-Pionier der ersten Stunde: Carl Laemmle aus Laupheim

    Geboren 1867 als Sohn eines jüdischen Viehhändlers im süddeutschen Laupheim, ging Karl Lämmle mit 17 in die USA. 20 Jahre lang schlug er sich mit Hilfsjobs durch. 1906 besuchte er ein kleines Filmtheater – eine Initialzündung. Er eröffnete ein eigenes Kino, einen erfolgreichen Filmverleih und gründete 1915 die Universal Studios – eine der ersten großen Traumfabriken Hollywoods.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Aus Berlin nach Hollywood: Marlene Dietrich singt gegen die Nazis an

    Der Film “Der blaue Engel” (1930) machte Marlene Dietrich zum Weltstar, mit Regisseur Wilhelm von Sternburg ging sie daraufhin nach Hollywood – und blieb. Als 1933 in Deutschland die Nazis an die Macht kamen, unterstützte sie geflohene Juden und Exil-Deutsche. Und sang zur Aufmunterung der US-Truppen “Lili Marleen” – das wohl berühmteste Lied des Zweiten Weltkrieges.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Von den Nazis vertrieben: Die Philosophin Hannah Arendt

    Von den Nazis verhaftet und ausgebürgert, floh Hannah Arendt 1941 nach New York. Schnell lernte die 35-jährige Publizistin und Philosophin Englisch und wurde 1951 amerikanische Staatsbürgerin. Als Reporterin berichtete sie über den Eichmann-Prozess und prägte den viel diskutierten Begriff der “Banalität des Bösen”. Eines ihrer Lebens-Anliegen: zu erklären, wie es zum Holocaust kommen konnte.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Vom Nazi-Ingenieur zum Raumfahrt-Idol: Wernher von Braun

    Für die Nazis konstruierte Ingenieur Wernher von Braun die von Zwangsarbeitern gebaute V2-Rakete. Nach dem Zweiten Weltkrieg holten die Amerikaner ihn in die USA. Wie mehr als 1000 weitere deutsche Wissenschaftler, die nie für ihre Arbeit für das Nazi-Regime zur Rechenschaft gezogen wurden. Wernher von Braun wurde in den USA zum Raumfahrt-Idol, als die NASA-Astronauten auf dem Mond landen.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    In Deutschland als Jude verfolgt: Ex-US-Außenminister Henry Kissinger

    Geboren 1923 im fränkischen Fürth als Heinz Alfred Kissinger, emigrierte er 1938 nach New York. Im Zweiten Weltkrieg kehrte er – mittlerweile Amerikaner – als Soldat nach Deutschland zurück. Nach Studium und Lehre in Harvard beriet er Politiker. Höhepunkt seiner Karriere: Unter Präsident Nixon war der Friedensnobelpreisträger von 1973 bis 1977 Außenminister der USA.

    Autorin/Autor: Susanne Spröer


  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Hollywood-Helena aus Deutschland: Diane Kruger

    Eigentlich heißt sie Diane Heidkrüger und wurde 1976 in Deutschland geboren. Der Film “Troja” mit Orlando Bloom machte sie 2004 berühmt. Seit 2013 ist Kruger US-Bürgerin. Sie steht stellvertretend für prägende deutsche Filmschaffende in den USA heute: wie Troja-Regisseur Wolfgang Petersen oder Roland Emmerich, der mit “Independence Day” den patriotischen Blockbuster schlechthin drehte.

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    Organisierte die Kolonisten-Armee: Preußen-General von Steuben

    Dass die militärisch unerfahrene Kolonisten-Armee die Weltmacht Großbritannien im Unabhängigkeitskrieg besiegen konnte, hatte sie auch dem ehemals preußischen Offizier Friedrich Wilhelm von Steuben zu verdanken. Mit Disziplin, Drill und Ordnung machte er aus Freischärlern eine schlagkräftige Truppe. Seine Ausbildungsmethoden beschrieb er in einem Buch, das zum militärischen Standardwerk wurde.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Malte das berühmteste Bild der USA: Emanuel Leutze

    Das Original des Gemäldes “Washington überquert den Delaware” hängt im New Yorker Metropolitan Museum. Es zeigt einen entscheidenden Moment im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775 bis 1783), als die bisher wenig erfolgreichen aufständischen Kolonisten unter General Washington einen Gegenangriff auf die Briten starteten. Gemalt hat es Emanuel Leutze (1816-1868), der als Kind in die USA kam.

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    Vorbild für Dagobert Duck: Amerikas erster Millionär John Jacob Astor

    Seine Nachfahren gründeten das weltberühmte Hotel Waldorf-Astoria, doch davon war nichts zu ahnen, als der Metzgerssohn Johann Jakob Astor aus Walldorf bei Heidelberg 1784 in die USA kam. Mit Pelzhandel und Immobiliengeschäften wurde er zu Amerikas erstem Multimillionär – und stand Pate für die literarischen Legenden Ebenezer Scrooge und Dagobert Duck.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Kämpferin für Frauenrechte: Mathilde Franziska Anneke

    Mit ihrem Mann Fritz floh Mathilde Franziska Anneke aus Westfalen nach Milwaukee in Wisconsin, nachdem 1848 die demokratische Revolution in den deutschen Staaten gescheitert war. Sie arbeitete als Journalistin, gab eine Frauenzeitschrift heraus und kämpfte für Frauenwahlrecht und gleiche Bildungschancen – und wurde so zu einer der führenden US-amerikanischen Frauenrechtlerinnen.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Erfand die amerikanische Kult-Hose: Levi Strauss aus Franken

    Löb Strauß, ein junger Jude aus Buttenheim bei Bamberg, wanderte 1847 als 18-Jähriger mit Mutter und Schwestern in die USA aus. Der Goldrausch zog ihn gen Westen, wo er Goldsuchern Zeltplanen verkaufen wollte – und sah, dass sie strapazierfähige Hosen brauchten. Die “Jeans” war geboren – und machte Levi Strauss, wie er jetzt hieß, und seinen Geschäftspartner Jacob Davis reich.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Hollywood-Pionier der ersten Stunde: Carl Laemmle aus Laupheim

    Geboren 1867 als Sohn eines jüdischen Viehhändlers im süddeutschen Laupheim, ging Karl Lämmle mit 17 in die USA. 20 Jahre lang schlug er sich mit Hilfsjobs durch. 1906 besuchte er ein kleines Filmtheater – eine Initialzündung. Er eröffnete ein eigenes Kino, einen erfolgreichen Filmverleih und gründete 1915 die Universal Studios – eine der ersten großen Traumfabriken Hollywoods.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Aus Berlin nach Hollywood: Marlene Dietrich singt gegen die Nazis an

    Der Film “Der blaue Engel” (1930) machte Marlene Dietrich zum Weltstar, mit Regisseur Wilhelm von Sternburg ging sie daraufhin nach Hollywood – und blieb. Als 1933 in Deutschland die Nazis an die Macht kamen, unterstützte sie geflohene Juden und Exil-Deutsche. Und sang zur Aufmunterung der US-Truppen “Lili Marleen” – das wohl berühmteste Lied des Zweiten Weltkrieges.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Von den Nazis vertrieben: Die Philosophin Hannah Arendt

    Von den Nazis verhaftet und ausgebürgert, floh Hannah Arendt 1941 nach New York. Schnell lernte die 35-jährige Publizistin und Philosophin Englisch und wurde 1951 amerikanische Staatsbürgerin. Als Reporterin berichtete sie über den Eichmann-Prozess und prägte den viel diskutierten Begriff der “Banalität des Bösen”. Eines ihrer Lebens-Anliegen: zu erklären, wie es zum Holocaust kommen konnte.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    Vom Nazi-Ingenieur zum Raumfahrt-Idol: Wernher von Braun

    Für die Nazis konstruierte Ingenieur Wernher von Braun die von Zwangsarbeitern gebaute V2-Rakete. Nach dem Zweiten Weltkrieg holten die Amerikaner ihn in die USA. Wie mehr als 1000 weitere deutsche Wissenschaftler, die nie für ihre Arbeit für das Nazi-Regime zur Rechenschaft gezogen wurden. Wernher von Braun wurde in den USA zum Raumfahrt-Idol, als die NASA-Astronauten auf dem Mond landen.

  • Von Wilhelm Steuben bis Diane Kruger: Deutsche, die die USA prägten

    In Deutschland als Jude verfolgt: Ex-US-Außenminister Henry Kissinger

    Geboren 1923 im fränkischen Fürth als Heinz Alfred Kissinger, emigrierte er 1938 nach New York. Im Zweiten Weltkrieg kehrte er – mittlerweile Amerikaner – als Soldat nach Deutschland zurück. Nach Studium und Lehre in Harvard beriet er Politiker. Höhepunkt seiner Karriere: Unter Präsident Nixon war der Friedensnobelpreisträger von 1973 bis 1977 Außenminister der USA.

    Autorin/Autor: Susanne Spröer


Der German-American Day am 6. Oktober erinnert seit 1987 in den USA daran, wie deutsche Einwanderer zu Kultur und Leben beigetragen haben. Eine Zeitreise zu wichtigen, fast vergessenen Episoden der gemeinsamen Geschichte.  

1904 –  Das Ende einer Gemeinde: Die tragische Fahrt der General Slocum

Ob “Little Italy” oder “Chinatown”: Bis heute sind in diesen lebendigen New Yorker Vierteln die Wurzeln der Bewohner offensichtlich. Davon, dass genau hier einst das Zentrum deutschen Lebens war, mit deutschen Straßenschildern, Biergärten und Kneipen, ist heute nur noch wenig zu spüren, vom trendigen “Loreley Biergarten” mal abgesehen. “Little Germany” wurde das Viertel an der Lower East Side zu Beginn des 20. Jahrhunderts genannt, damals lebten hier rund 50.000 Menschen, die meisten mit deutschen Wurzeln. 
Aus “Little Germany“ kamen auch die über 1300 Passagiere des mit bunten Fähnchen behängten Schaufelraddampfers “General Slocum“, der am 15. Juni 1904 zu einer Ausflugsfahrt auf dem East River ablegte.

Die General “Slocum” sank 1904 im New Yorker East River – über tausend Menschen starben

Es war Mittwoch, ein Arbeitstag, an Bord befanden sich vor allem Frauen und Kinder der evangelischen Gemeinde, die zum Picknick nach Long Island wollten. 
Der fröhliche Ausflug wurde zur Tragödie. Das Schiff fing Feuer, Panik brach aus. Die Rettungsboote ließen sich nicht losmachen, die Schwimmwesten waren kaputt. Als die “General Slocum“ schließlich auf Grund lief, stand sie in Flammen, zahllose Leichen trieben im Fluss. 1021 Menschen starben: Bis heute ist es das größte zivile Schiffsunglück in der Geschichte der USA . Fast jeder Bewohner von “Little Germany“ hatte Angehörige verloren. Die meisten Familien verließen die Gegend, die sie an das Unglück erinnerte. 1910 wohnten nur noch wenige deutsche Familien an der Lower East Side.

Lower East Side in New York: Aus “LIttle Germany” wurde Chinatown

Italiener und Chinesen übernahmen die Straßenzüge. “Little Germany“ war verschwunden – wie so viele deutsche Spuren in den USA. Um sie zu entdecken, hilft der Blick zurück in die Geschichte… 

1683 – Flucht nach Westen: Die „Original 13“ möchten glauben, woran sie wollen

Mehr als zwei Monate lang war der Dreimaster “Concord“ über den stürmischen Atlantik gesegelt, bevor er am 6. Oktober 1683 im Hafen von Philadelphia anlegte. An Bord waren auch 13 deutsche Familien, Mennoniten aus der Nähe von Krefeld. Die Idee eines englischen Quäkers hatte sie in die “Neue Welt” gelockt: Dieser William Penn wollte Religionsflüchtlingen Land zur Kolonialisierung zur Verfügung stellen.

Quäker William Penn gründete Pennsylvania als Kolonie für Religionsflüchtlinge

 Denn in den deutschen Fürstentümern und Königreichen des 17. Jahrhunderts waren nur die katholische, die lutherische und die reformierte Kirche erlaubt, andere Glaubensrichtungen wurden verfolgt. In Penns Kolonie gründeten die “Original 13” genannten Familien “Deitschesteddel“: die erste deutsche Siedlung in den heutigen USA. 1790, als die noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika ihre erste Volkszählung veranlassten, lebten 434.000 Menschen im Bundesstaat Pennsylvania, ein Drittel von ihnen mit deutschen Wurzeln. Bis heute wird ihr altertümlich klingendes “Pennsylvania Dutch“ in einigen Gemeinden gesprochen, wie zum Beispiel bei den Amischen.

Amische in Pennsylvania sprechen noch heute “Pennsylvania Dutch”

Das ehemalige “Deitschesteddel“ heißt heute “Germantown“ und gehört zu Philadelphia. Auch in anderen Regionen der USA, wie im Mittleren Westen, z.B. in den Staaten Ohio, Illinois, Michigan oder Wisconsin, war der deutsche Einfluss groß: Hier leben die meisten deutschstämmigen Amerikaner und viele große Brauereien sind deutsche Gründungen.  

Jedes Jahr am 6. Oktober wird mit dem German-American Day an die Ankunft der ersten deutschen Siedlergruppe erinnert. 

Unabhängigkeit und Bürgerkrieg: Deutsche Militärs organisieren amerikanische Truppen

Einem waschechten Preußen ist es zu verdanken, dass die amerikanischen Kolonialisten den Unabhängigkeitskrieg (1775 – 1783) gegen die britische Kolonialmacht gewinnen konnten: Friedrich Wilhelm von Steuben. Der 1730 geborene Spross einer Soldatenfamilie hatte unter Preußenkönig Friedrich dem Großen gedient, bevor er in Paris Benjamin Franklin kennenlernte. Der empfahl ihn dem kommandierenden General der überseeischen Kolonialisten, George Washington. 1778 traf Steuben im Winterlager der „Continental Army“ ein. Seine Aufgabe: aus den Freiwilligen, die eigentlich Bauern, Kaufleute oder Politiker waren, ein Heer zu bilden, das den britischen Berufssoldaten die Stirn bieten konnte. Mit preußischer Disziplin und Drill organisierte Steuben die Ausbildung der Soldaten so gründlich, dass sie die Briten besiegten.  

Auch deutsche Soldaten kämpften mit Washington im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg

 

Seit 1957 erinnert die jährliche Steuben-Parade in New York an einen der wichtigsten Deutsch-Amerikaner der Gründungszeit. 

Auch im amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) kämpften deutsche Militärs mit: wie Franz Sigel aus der Nähe von Heidelberg. Der deutsche Leutnant brachte es bis zum Generalmajor und gehörte zu den ranghöchsten Befehlshabern der Nordstaaten-Armee.

Das damals sehr populäre Bürgerkriegs-Lied “I goes to fight mit Sigel“  erinnert mit seinem deutsch-englisch radebrechenden Text an die rund eine halbe Million deutschen und deutschstämmigen Soldaten, die auf beiden Seiten am Krieg der Nord- gegen die Südstaaten teil nahmen.

1848: Frauenrechtlerin Mathilde Franziska Anneke und die „Forty-Eighters“

Franz Sigel hatte in Europa zu denjenigen gehört, die sich 1848 gegen die Fürsten und Könige aufgelehnt hatten. Nach dem Scheitern der Revolution war er in die USA geflohen. Genauso wie Fritz Anneke aus Westfalen (der später im Bürgerkrieg ebenfalls für die Nordstaaten kämpfte) und seine Frau Mathilde Franziska Anneke.

Mathilde Franziska Anneke wurde eine der führenden Frauenrechtlerinnen der USA

Sie hatte schon in Europa als Journalistin gearbeitet, unter anderem für eine Zeitung, für die auch Heinrich Heine geschrieben hatte.
In den USA durfte sie nun tun, was in den deutschen Staaten verboten war: Sie hielt Vorträge für Bildungschancen, die Gleichstellung der Geschlechter und gegen die Sklaverei. 1852 gründete sie die deutschsprachige „Frauen-Zeitung“, 1869 wurde sie erste Vize-Präsidentin der “National Woman Suffrage Association” – und damit eine der wichtigsten Frauen der US-amerikanischen Frauenbewegung.  

Auch andere “Forty-Eighters“ machten in den USA Karriere: Der Revolutionär Friedrich Hecker engagierte sich für die neu gegründete republikanische Partei und Carl Schurz wurde Innenminister und Berater von US-Präsident Abraham Lincoln . 
Insgesamt waren die ehemaligen Revolutionäre aber nur eine kleine Gruppe unter den Auswanderern. Die meisten flohen vor Hunger und Armut gen Westen. Und es wurden immer mehr: Bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren eine Million Deutsche in die USA übergesiedelt. Erst gegen Ende des Jahrhunderts gingen die Zahlen zurück. 

1917: Im Ersten Weltkrieg wird aus Sauerkraut “Liberty Cabbage”

“Liberty Cabbage”? Typisch deutsches Sauerkraut mit Wacholderbeeren und Petersilie

1914 begann der Erste Weltkrieg. Als die USA 1917 in den Krieg eintraten, änderte sich auch das Verhältnis zu den Deutsch-Amerikanern in den USA. Deutsch-Amerikaner amerikanisierten ihre Namen, Behörden riefen zum Boykott deutscher Waren auf. Deutsche Begriffe verschwanden aus dem Sprachgebrauch.  Sogar das beliebte “Sauerkraut” wurde umbenannt: „Liberty Cabbage“ hieß es fortan. Und im Staat Illinois lauerte eine Meute dem Deutsch-Amerikaner Robert Prager auf, zwang ihn, die amerikanische Flagge zu hissen und die Nationalhymne zu singen. Schließlich wurde er aufgehängt. 

Schon zwischen den Weltkriegen war viel typisch Deutsches aus dem US-amerikanischen Alltag verschwunden. Und die Menschen, die ab 1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland in die USA flohen, wollten mit dem Land, das Juden und andere missliebige Minderheiten verfolgte und millionenfach ermordete, nichts mehr zu tun haben. Viele wurden rasch Amerikaner. Wie Henry Kissinger, der spätere US-Außenminister: 1938 als Jugendlicher mit seiner jüdischen Familie aus Deutschland geflohen, nahm er 1943 die amerikanische Staatsangehörigkeit an und kämpfte als GI gegen sein Geburtsland.

US-Präsident Richard Nixon mit Henry Kissinger 1973

 
Anders als bei den später eingewanderten Italienern oder Chinesen sind die Spuren der Deutschen heute eher verborgen. Und so eng mit der amerikanischen Kultur verwoben, dass beides kaum zu trennen ist. Denn sogar seinen Namen verdankt das Land eigentlich einem Deutschen: dem Kartographen Martin Waldseemüller. Denn er gab dem neu entdeckten Land im Westen auf seiner Weltkarte von 1507 seinen Namen: “Amerika“, nach dem Seefahrer Amerigo Vespucci. Der immerhin war kein Deutscher, sondern Italiener.  

Zum Weiterlesen: 
Alexander Emmerich: Die Geschichte der Deutschen in Amerika. Von 1860 bis zur Gegenwart, Köln 2013
ZEIT Geschichte: Unser Amerika. Wie Deutsche die USA prägten, aus der Reihe ZEIT Geschichte, Band 3/2011