Nordkorea: Wirtschaft mit vielen Unbekannten

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Glaubwürdige wirtschaftliche Daten über Nordkorea zu bekommen, ist vielleicht schwieriger, als die Geheimnisse des Vatikans zu lüften. Seit den 60er Jahren veröffentlicht das Land keine Statistiken mehr.

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Nordkorea hofft auf Ende der Isolation

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Nordkorea hofft auf Ende der Isolation

Wenn selbst der amerikanische Geheimdienst CIA zugibt, wie die Wirtschaftsagentur Bloomberg berichtet, man habe die eigenen Angaben über Nordkoreas Wirtschaftskraft “auf die nächsten 10 Milliarden Dollar aufgerundet”, dann scheint es wirklich schlecht um die Datenquellen in Sachen Nordkorea zu stehen. Belastbare Zahlen vom Regime selbst gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr. Zahlenangaben sind meist Schätzungen von außen. Das liegt sicherlich auch an den internationalen Sanktionen, mit denen das Land belegt ist – und daran, dass das Kim-Regime alles versucht, das eigene Reich abzuschotten. 

Wie weit die Angaben zur Lage des Landes auseinanderklaffen, zeigen Zahlen aus dem Jahr 2011: Da schätzte die US-Regierung die Wirtschaftskraft Nordkoreas pro Kopf der Bevölkerung auf 612 Dollar. Die Schätzung der Bank of Korea dagegen lag bei 1197 Dollar pro Kopf.

Eins der raren Exportgüter – Kohlehalde in Nordkorea

Das zeigt: Gigantisch ist in jedem Fall der Kontrast zwischen den beiden Teilen der koreanischen Halbinsel: Der Süden mit rund 51 Millionen Einwohnern erwirtschaftete 2016 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von gut 1.400 Milliarden Dollar, nach Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) kommt jeder Südkoreaner damit auf eine Wirtschaftsleistung von knapp 30.000 Dollar. Der Norden mit etwa 25 Millionen Einwohnern brachte es insgesamt auf 26,5 Milliarden Dollar. Der reichste Südkoreaner allein kommt 2018 auf ein Vermögen, das annähernd diese Größenordnung erreichte: Sein Name ist Lee Kun-Hee, und sein Vermögen wird mit 18,6 Milliarden Dollar angegeben.

Spione und Ökonomen

All diese Angaben stammen  aus Südkorea. Die Zahlen der Bank von Korea wie überhaupt die aus Südkorea gelten als verhältnismäßig glaubwürdig. Allerdings basieren auch sie, soweit es um den Norden geht, meist auf Schätzungen, und dazu werden alle möglichen Indizien herangezogen, sobald es darum geht, die Wirtschaftslage des Nordens zu beurteilen. Das sind dann Satellitenaufnahmen von Feldern, Beobachtungen des Ausstoßes von Fabrikschloten oder die zusammengetragenen Zahlen aus Drittländern, wenn die über Frachtladungen von Schiffen mit Ziel Nordkorea berichten. Alles in allem eher eine Arbeit von Spionen vor Ort als von Ökonomen am Schreibtisch.

Apropos Handel. Auch hier trennen die beiden Teile der Halbinsel buchstäblich Welten: Südkorea gab die Summe von Ausfuhren aus dem Land und Einfuhren ins Land für 2016 mit 1.000 Milliarden Dollar an. Die Schätzungen für Nordkorea liegen bei sechs Milliarden Dollar. Nur der wichtigste Handelspartner ist für Süd- wie Nordkorea derselbe: China.

Handarbeit statt Lokomotive: Arbeiter in Nordkorea (Foto von 2013)

Eine Million Arbeitssklaven 

Woher die Güter stammen, die da aus Nordkorea ausgeführt wurden, auch darüber lässt sich nur mutmaßen. Allerdings sitzen offenbar in seinem ausgedehnten Gulag-System 120.000 politische Gefangene, die nicht selten zur Zwangsarbeit herangezogen werden. “Kim Jong Un steht nach wie vor dem vielleicht repressivsten System der Welt vor”, erklärte dazu Brad Adams, Asien-Chef bei der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Im ihrem Global Slavery Index 2016 gibt die Walk Free Foundation die Zahl moderner Sklaven in Nordkorea mit 1,1 Millionen an.

Südkorea dagegen liegt bei allen wichtigen Kennziffern für das ökonomische Gewicht eines Landes unter den 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen der Welt: Das Land war 2017 die sechstgrößte Exportnation, es hatte das neuntgrößte Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf; beim Wirtschaftswachstum lag es im ersten Quartal 2018 auf Platz sechs mit einem Zuwachs von 2,93 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bäuerin in Nordkorea bringt Düngemittel aus (Foto von 2014).

Wie weit die Lebensbedingungen in Nord- und Südkorea auseinander gehen, kann man an einem schlichten Wert ablesen: Die Lebenserwartung in beiden Ländern lag 1960 noch nah beieinander und betrug  53 Jahre im Süden und 51,3 Jahre im Norden. Die letzte verfügbare Angabe zur Lebenserwartung stammt von 2016: Da durfte die Bewohner des Südens mit einem Durchschnittsalter von 82 Jahren rechnen – die im Norden mit rund 71,5 Jahren. Einer der Gründe: Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO galten 10,3 Millionen Bewohner des Landes 2016 als unterernährt – zehn Millionen von 25 Millionen.

ar/hb (rtr, DW, Statista)