DW: Neue Kunstsammlung mit afrikanischer Kunst

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Der Ankauf von Kunst hat in der Deutschen Welle Tradition. Arbeiten der senegalesischen Künstler Joe Ouakam und Soly Cissé gehören jetzt zu den ersten Anschaffungen der neuen Kunstsammlung der DW.

Afrikanische Gegenwartskunst wird weltweit immer beliebter, ein Trend, den auch Verkaufszahlen bei Auktionen zunehmend bestätigen. Dennoch bleibt Kunst aus Afrika zunächst ein Schwellenmarkt, wie die US-amerikanische Zeitschrift “Quartz” betont: “Bei aller Aufregung rund um zeitgenössische afrikanische Kunst macht der Kontinent nur einen Bruchteil des globalen Kunstmarkts aus.”

Eine Analyse der internationalen Kunstmesse Art Basel bestätigt diese Einschätzung: im März heißt es in “The Art Market 2018”, afrikanische und südamerikanische Kunst zusammengenommen kamen 2017 auf weniger als vier Prozent Marktanteil auf dem internationalen Kunstmarkt. Dieser wird nach wie vor von den USA, China und Großbritannien beherrscht: in wohlhabenden Ländern gibt es schlicht mehr Kunstsammler.

Die Deutsche Welle hat sich jetzt in die Riege der Kunstsammler eingereiht, die afrikanische Gegenwartskunst sammeln. Am Freitag (13.04.2018) präsentierte der Sender seine aktuellen Neuanschaffungen: Arbeiten der senegalesischen Künstler Issa Samb – besser bekannt als Joe Ouakam – und von Soly Cissé.

DW Intendant Peter Limbourg vor einem Bild von Joe Ouakam

Afrika: Große Vielfalt an Kunstformen

Kunsthistoriker wie der Nigerianer Chika Okeke-Agulu beklagten bereits eine “Gentrifizierung” moderner afrikanischer Kunst. Die Deutsche Welle habe die Bilder aber nicht erworben um später damit finanziellen Gewinn zu machen, so Intendant Peter Limbourg bei der Enthüllung der 10 Kunstwerke im Gebäude der Deutschen Welle in Berlin. Im Gegenteil: Die DW versuche, “diese Künstler zu präsentieren, damit das Thema Afrika stärker wahrgenommen würde. Nicht nur als politisches Thema, als Elendsthema, sondern auch im Bereich Kultur.”

Die Deutsche Welle ist mehr als ein international agierendes Medienunternehmen und ein Sender. Sie ist auch Kulturträger und eine Institution des Kulturaustausches. Aus diesem Selbstverständnis heraus habe die DW – in begrenztem Rahmen – die Sammlung globaler Kunst wieder aufgenommen, mit einem ersten inhaltlichen Schwerpunkt auf afrikanischer Gegenwartskunst .

“Ohne Titel (Grund)” heißt dieses Werk von Soly Cissé

Der deutsche Auslandssender hat bereits in den fünfziger Jahren Kunst gesammelt. Damals habe man allerdings kein richtiges Konzept gehabt, es wurde einfach Kunst von Künstlern aus der Region angekauft, erklärt Angela Stercken. Sie hat den Sender bei den afrikanischen Neuanschaffungen beraten. Die Ankaufspolitik der frühen Jahre könne man “nicht Sammlung nennen”, räumt die Kuratorin ein.

Die neue Kunstsammlung der DW soll auch den internationalen Auftrag des Senders betonen, und auch im Laufe der Jahre im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten ergänzt werden. Dafür macht sich die Kunstexpertin schon bald auf den Weg zur Dak’Art Kunstbiennale (3.Mai bis 2. Juni 2018).

Ein afrikanischer Joseph Beuys

Es gehe vor allem um eine “andere Wahrnehmung der afrikanischen Kunst” in der Öffentlichkeit, so Kuratorin Stercken, die sich von den neuen Kunstwerken vollends begeistert zeigte: Joe Ouakam sei so etwas wie der “afrikanische Joseph Beuys”.

Der 2017 verstorbene senegalesische Maler, Bildhauer, Schauspieler, Philosoph und Dramatiker – als Issa Samb in Dakar geboren – war so etwas wie eine Legende in seinem Heimatland. Er hatte eine zutiefst nonkonformistische Geisteshaltung, war ein ausgesprochener Kritiker der Kulturpolitik des senegalesischen Präsidenten Léopold Sédar Senghor und distanzierte sich bald vom strengen Formalismus der Ecole de Dakar Kunstbewegung.

Als Gegenentwurf gründeten er und einige anderer Künstler 1974 die experimentelle Laboratoire Agit’Art – und forderte völlige künstlerische Freiheit. Die dazugehörige Werkstatt richtete der Künstler in seinem eigenen Garten ein, und nannte sie “Issas Garten”. 2012 war Joe Ouakam mit seiner Kunst in Deutschland auf der documenta XII zu sehen.

Nächste Generation afrikanischer Künstler

Soly Cissé ist Senegalese wie sein Künstlerkollege Joe Ouakam. Er wurde 1969 in Dakar geboren, lebt aber vorwiegend in Paris. Im Zentrum seines künstlerischen Schaffens stehen Zeichnungen und Skulpturen, Gemälde und Mixed-Media-Arbeiten. Menschen und Tiere teilen sich in seinem Universum die Welt. Das bedeute, so Soly Cissé, “es ist keine Welt mehr vom Herrschen und Beherrscht-Werden, sondern eine Welt, in der die Menschen, und die Umwelt die gleiche Umwelt teilen – in gegenseitigem Respekt.”